Spritpreis-Differenz zum Iran: Türkischer Trucker zahlen eine Milliarde US-Dollar

Türkischen Transporteuren kommt die Preisdifferenz an den Tankstellen im Iran und in der Türkei teuer zu stehen. Rund eine Milliarde US-Dollar sollen deshalb in den vergangenen zehn Jahren ins Nachbarland geflossen sein. Die Wettbewerbssituation wird als äußerst unfair empfunden.

Zur Sprache gebracht wurde das Ungleichgewicht der Spritpreise im Iran und der Türkei vom Chef der Internationalen Transporter Vereinigung (UND) Fatih Şener. Seiner Ansicht nach sollten beide Länder daran arbeiten, den Lkw-Fluss von der Türkei in den Iran zu erleichtern. Dazu gehörten seiner Ansicht nach der Bau neuer Straßen sowie neue Fährverbindungen über das Kaspische Meer.

„Die türkischen Spediteure erleben gegenüber dem Iran eine unfaire Situation“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Fatih Şener. „Wir zahlen höhere Transitgebühren, weil der Kraftstoff in der Türkei teurer ist, als im Iran und wir bezahlen diesen Unterschied in den Iran.“ Dadurch entstehen Wettbewerbsnachteile. Denn iranische Lkw seien günstiger als ihre türkischen Konkurrenten. Sie verlangten von potenziellen Kunden in der Region insgesamt niedrigere Transportpreise.

In den vergangenen zehn Jahren hätten türkische Lkw-Fahrer wegen der Unterschiede bei den Kraftstoffpreisen mehr als eine Milliarde US-Dollar an den Iran gezahlt. In den kommenden zehn Jahren würde diese Summe auf 2,5 Milliarden US-Dollar steigen, so seine Schätzung. Die Türken zahlen mit die höchsten Kraftstoffpreise in Europa (mehr hier). Im Mai wurde ein Gesetz zur Preisdeckelung von Benzin und Diesel wieder gekippt (mehr hier).

Die Krise zwischen der Türkei und dem Iran wegen der LKW-Transitgebühren hat sich zuletzt verschärft. Bereits 1994 unterzeichneten die beiden Länder ein Abkommen über den Straßentransport. Die Türkei habe gegen diese Vereinbarung verstoßen, in dem sie die Gebühren für iranische Lastwagen an der türkischen Grenze verdoppelte, so der iranische Verkehrsminister Davood Keshaverziyan in der vergangenen Woche. Die türkische Seite sieht das jedoch anders. Sie hält die 750 Dollar hohe Gebühr für angemessen, da auch der Iran auf seiner Position beharre und diese Summe ebenfalls erhebe. Seit 11. Oktober wird nun also auch für iranische Trucker dieses Geld fällig. Nur Stunden später zog der Iran im Gegenzug auf 1500 Dollar an, so die Zeitung. Die türkische Seite wiederum folgte nach und erhöhte ebenfalls auf den gleichen Betrag.

Das Ende der Fahnenstange scheint nach Einschätzung von Branchenfachleute beider Länder noch nicht beendet. „Das ist definitiv unlauterer Wettbewerb. Der Iran führt Fracht für geringere Kosten als es türkischen LKW möglich ist. Die Iraner kommen mit vollen Tanks in die Türkei. Bezahlt haben sie dafür 0,18 Cent pro Liter. (…) Türkische Lkw haben dramatisch an Marktanteilen verloren. Sie können aufgrund höherer Treibstoffkosten weder zuhause Kunden finden  noch im Iran“, so Şener. Beide Parteien hätten zudem ein gemeinsames Problem mit der Ineffizienz der Grenzposten. Auf iranischer Seite würden derzeit 300 Lkw auf die Einreise in die Türkei warten. 600 bis 700 warteten, um in die andere Richtung zu gelangen. Auch hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Neue Routen müssten her.

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