Korruptionsskandal: Ex-Halkbank-Manager bekommt Schuhkarton-Geld nicht zurück

Kehrtwende im Fall um den Millionenfund beim einstigen Halkbank-Chef Süleyman Aslan. Er wird die in Schuhkartons gefundenen 4,5 Millionen Euro nun doch nicht zurückerhalten. Wie die Staatsanwaltschaft beschlossen hat, geht das Geld an das Gouvernement Istanbul. Die Ermittlungen um den Fund werden fortgesetzt.

Der türkische Staatsanwalt Ekrem Aydıner hat beschlossen, nicht gegen die 53 Korruptions-Verdächtigen vorzugehen. Unter ihnen befinden sich auch die Söhne von zwei ehemaligen Ministern. Damit schließt Aydıner die letzte Akte im türkischen Justizskandal, der im vergangenen Jahr selbst den innersten Kreis von Präsident Recep Tayyip Erdoğan erfasst hatte.Obwohl der Staatsanwalt im Zuge dessen auch die Klage gegen den Ex-Halkbank-Chef Süleyman Aslan fallen ließ, kündigte er an, dass in dieser Sache weitere Untersuchungen folgen werden.

Nach wie vor stünde der Vorwurf im Raum, dass dieser illegal Spenden gesammelt habe, so die türkische Zeitung Hürriyet. Aslan bestreitet das. Aydıner stellte nun fest, dass das Geld aufgrund der laufenden Ermittlungen in dieser Sache nicht an den ehemaligen Banker zurückgegeben werden könne. Stattdessen gehe das Geld an das Gouvernement Istanbul.

Noch im Februar sah die Sache ganz anders aus: Ein türkisches Gericht hatte damals entschieden, dass dem einstigen Halkbank-Chef Süleyman Aslan, einem der Hauptverdächtigen in den Korruptionsermittlungen, 4,5 Millionen US-Dollar in Bargeld zurückgegeben werden müssen. Die gigantische Summe war im Dezember 2013 in seinem Haus in diversen Schuhkartons entdeckt worden. Erdoğan nahm ihn jedoch in einem TV-Interview in Schutz. Das Geld soll nicht Eigentum der Bank gewesen sein (mehr hier).

Bei einer Durchsuchung am 17. Dezember fand die Polizei 4,5 Millionen Dollar versteckt in diversen Schuhkartons im Haus von Halkbank-Chef Aslan vor. Der Halkbank-Manager wurde darauf hin am 21. Dezember wegen des Verdachts der Bestechung verhaftet. Dem aserbaidschanischen Unternehmer Reza Zarrab wird vorgeworfen, Bestechungsgelder in Höhe von 142 Millionen Lira, etwa 48.635.000 Euro, verteilt zu haben. Mithilfe der Halkbank soll Zarrab in den beiden letzten Jahren Gold im Wert von gut 5,8 Milliarden Euro über die Türkei in den Iran transferiert haben (mehr hier).

Gegner des damaligen türkischen Premiers griffen das Thema Schuhkarton bei ihren Protesten zahlreich auf.  Bei Demonstrationen in Istanbul und Ankara tauchten sie schon kurz nach der Festnahme des Ex-Halkbank-Chefs auf. Einer türkischen Frau kam diese Form des Protests jedoch teuer zu stehen. Nurhan Gül wurde in der westtürkischen Provinz Manisa von der Polizei verhaftet und verhört. Sie hatte einen Schuhkarton von ihrem Balkon aus gezeigt, als der türkische Premier Erdoğan während einer Kundgebung zu seinen Anhängern im Distrikt Akhisar sprach (mehr hier).

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