Reise nach Syrien und Irak: Fast ein Fünftel der deutschen Gotteskrieger ist weiblich

Der IS-Terror übt nicht nur auf junge Männer Anziehungskraft aus. Geschätzte 15 bis 20 Prozent der Deutschen, die sich in den «Heiligen Krieg» aufmachen, sollen weiblich sein. Die Mädchen und Frauen brechen nach Syrien und in den Irak auf. In den Krieg für einen Gottesstaat ziehen sie aber nicht nur wegen der Religion.

Drei minderjährige Mädchen aus den USA sind am Wochenende am Frankfurter Flughafen aufgehalten worden. Die Teenager waren offenbar auf dem Weg nach Syrien und wollten sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließen. Immer wieder machen sich Mädchen und junge Frauen auf die Reise zu den Terroristen. Die Motive dafür sind Experten zufolge vielschichtig.

Wie viele Frauen schließen sich den IS-Kämpfern an?

Weibliche IS-Anhänger aus dem Westen sind bislang in der Minderzahl. In Deutschland sind nach Angaben des Islamwissenschaftlers Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz bisher rund ein Dutzend Fälle bekannt. Aus Sicht des Berliner Islamismus-Experten Ahmad Mansour hingegen sind insgesamt 15 bis 20 Prozent der Deutschen, die sich in den «Heiligen Krieg» aufmachen, weiblich. Das wären dann Dutzende Fälle.

Warum ziehen Frauen in den Dschihad?

Manche begleiten ihre Ehemänner nach Syrien oder in den Irak, so die dpa. Andere werden selbst aktiv und folgen ideologischen Aufrufen und Videos im Netz. Der Krieg wird dabei romantisiert. «Da werden nicht nur zerstörte Häuser und Blut gezeigt, sondern eine perfekte islamische Welt mit Kindergarten und so weiter», erklärt Mansour. Die Unterstützung des Dschihad wird als religiöse Pflicht betont – und zwar nicht durch den Kampf an der Front, sondern durch Verwaltungs- oder Missionierungsaufgaben oder den Einsatz bei der Sittenpolizei. «Sie sollen das Kalifat bevölkern und sich den Männern zur Verfügung stellen», erklärt Abou-Taam. Vor allem jüngere Mädchen glorifizierten die IS-Kämpfer zudem als perfekte Männer. «Sie wollen schwanger werden von Helden», sagt Abou-Taam.

Wie werden junge Frauen zu radikalen Islamistinnen?

Dahinter steht häufig Orientierungslosigkeit und Sinnsuche. Der IS verspricht den Mädchen eine Aufgabe und einen strukturierten Alltag. Die Hinwendung zur Terrormiliz kann auch Rebellion gegen die Familie sein. «Frauen, die in einer patriarchalischer Kultur aufgewachsen sind, dürfen meist wenig, ihre Brüder fast alles. Sie fühlen sich als Opfer», sagt Mansour. Sie wollten sich lieber der IS-Ideologie unterordnen als ihrem Bruder oder Vater.

Welche Rolle spielen die sozialen Medien dabei?

Die Islamisten nutzen Facebook oder Youtube zur Radikalisierung und Rekrutierung junger Menschen. «In den sozialen Netzwerken findet ein Propagandakrieg statt», sagt Islam-Experte Abou-Taam. Besonders die Botschaften westlicher IS-Kämpfer aus dem Krieg sind laut Mansour dabei wirkungsvoll: «Das sind nicht irgendwelche fremde Menschen, sondern dieser Typ aus Kreuzberg, mit dem ich auf der Schule war.»

Was erwartet die Mädchen vor Ort?

Die Reise in den Dschihad endet meist in Zwangsheirat und Missbrauch. «Sie werden heiraten müssen, da wird keine Frau Single bleiben», sagt Mansour. Die Chance auf Rückkehr sei gering. «Für Frauen ist das endgültig, die können sich nicht ohne Männer bewegen, müssen sich den Männern unterordnen, einen bestimmten Kleidungsstil tragen. Und damit rechnen, dass ihre Männer nicht nur ein oder zwei, sondern auch vier Frauen heiraten. Wenn sie einen Mann haben, gehören sie dem Mann.»

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