Wieder Katastrophe in Istanbul: Arbeiter wird auf Baustelle erschlagen

Auf einer Baustelle im Istanbuler Stadtteil Kadiköy ist es an diesem Freitag erneut zu einem tödlichen Arbeitsunfall gekommen. Ein junger Arbeiter wurde von herunterfallenden Gerüstteilen aus dem 14. Stock erschlagen. Der letzte dramatische Zwischenfall liegt erst wenige Wochen zurück.

Die Arbeiter hatten sich am Morgen vor Schichtbeginn versammelt, als das Unglück passierte. Einem 22-Jährigen wurden zu Boden fallende Stahl- und Holzstangen zum Verhängnis. Er wurde unter den Schuttmengen begraben.

Der leblose Körper des jungen Mannes wurden von seinen Kollegen geborgen, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Erst Anfang September kam es in Istanbul zu einem verheerenden Unglück auf einer Baustelle. Mindestens zehn Bauarbeiter verloren beim Absturz eines Aufzuges ihr Leben. Der dramatische Arbeitsunfall hatte kurz darauf mehr als 1000 Menschen auf die Straße getrieben. Am Unfallort demonstrierten die Bürger gegen die schlechten Arbeitsbedingungen im Land. Die türkische Polizei beantwortete die Proteste wie schon beim Grubenunglück von Soma mit Tränengas und Wasserwerfern (mehr hier).

Das Thema mangelhafte Arbeitssicherheit kreist bereits seit Jahren über der Türkei. Schon 2012 stufte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) das Land in ihrem Bericht unter die Top 3 der schlechtesten Arbeitsbedingungen weltweit ein. Erhoben wurden Daten aus 82 Ländern. Lediglich Algerien und El Salvador lagen in Sachen Todesfällen auf Grund von Arbeitsunfällen hinter der Türkei. Fast parallel hatte die Istanbuler Vereinigung für Gesundheit der Arbeitnehmer und Arbeitssicherheit eine beunruhigende Zahl von Todesopfern bei Arbeitsunfällen veröffentlicht. Demnach starben zwischen 2000 und 2012 in der Türkei 12.286 Menschen bei einem Arbeitsunfall (mehr hier).

Der aktuelle Unfall ereignete sich nur wenige Tage, nachdem die Staatsanwälte entschieden hatten, keine Anklage gegen die Top-Vorstandsmitglieder einer Baufirma zu erheben, die für den Bau der Unglückstürme verantwortlich zeichnen, die zur Katastrophe im September führten.

Erst vor zwei Tagen hatte sich Kadıköys Bürgermeister Aykurt Nuhoglu mit Bauunternehmen getroffen, die in Kozyatağı aktiv sind. Darunter sollen sich nach Angaben der Hürriyet auch Genç Yapı und das Oran İnşaat Konsortium befunden haben, die die jüngst involvierte Immobilie besitzen.

Wir warnten sie mit Blick auf die Sicherheit der Baustelle und der Arbeitnehmer. Aber, wie wir nun sehen können, haben diese Art von Unfällen haben nicht aufgehört“, so Nuhoglu. Das zeige, dass die Kommunen in diesen Angelegenheiten nicht genügend Kompetenzen hätten. Eine gesetzliche Anordnung in punkto Arbeitssicherheit mit schweren Sanktionen sei deshalb absolut notwendig.

Der Organisation ILO zufolge sterben hier jedes Jahr 18 von 100.000 versicherten Arbeitern bei Arbeitsunfällen, das sei sieben Mal mehr als der EU-Durchschnitt von 2,5, berichtet Worldbulletin.

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