Millionen-Spritze: EU und Ankara fördern türkische Unternehmerinnen

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die Europäische Union und die türkische Regierung wollen das Engagement türkischer Frauen in der Wirtschaft stärker fördern. Hierfür sollen insgesamt 338 Millionen Euro fließen. Bislang bauen diese vor allem auf familieneigenes Kapital und schauen sich nach Investoren in den eigenen Reihen um.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) macht in Partnerschaft mit der EU und der Türkei insgesamt 962 Millionen Türkische Lira, umgerechnet 338 Millionen Euro, für türkische Unternehmen mit weiblicher Führung frei. Die Gelder fließen im Rahmen eines am Mittwoch in Istanbul gestarteten Programms rund um Finanzen und Beratung für türkische Unternehmerinnen.

Das Programm zielt darauf ab, 15.000 von Frauen geführte Unternehmen in der gesamten Türkei zu finanzieren. Daneben sollen verschiedene Schulungen und Bildungsdienstleistungen angeboten werden, um Frauen, die ein Unternehmen führen, zu unterstützen. „Mit den vorteilhaften Kreditlinien und Beratungsdienstleistungen dieses Programms wollen wir 21.000 neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen schaffen“, zitiert die Sabah Halil Etyemez, den stellvertretenden Minister für Arbeit und Soziales.

Die EBRD, eine internationale Finanzinstitution, die derzeit Unternehmertum in 29 Ländern fördert, stelle demnach Kreditmittel in Höhe von 300 Millionen Euro bereit. Der Rest werde von der EU, dem türkischen Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit und der türkischen Agentur für Arbeit (İŞKUR) getragen, so Finanstrend.

Nur 18 Prozent der Unternehmerinnen in der Türkei würden auf herkömmliche Bankkredite zurück greifen. Für ihre Vorhaben nutzten sie vor allem die Finanzen der Familie und ihre Ersparnisse, so der EBRD-Landesdirektor für die Türkei Michael Davey. Nach wie vor gäbe es kulturelle und soziale Beschränkungen für Frauen, an Finanzmittel zu gelangen. Daneben gelte es, noch immer bestehende geschlechtsspezifizische Unterschiede zu beseitigen.

Im Jahr 2012 betrug die Beschäftigungsquote der Frauen in der Türkei nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nur 29,5 Prozent. Noch weniger von ihnen agieren tatsächlich als Unternehmerinnen.

Etyemez zufolge sei es für die türkische Regierung im Rahmen der nationalen Beschäftigungsstrategie 2014-2023 essentiell, dass die Beschäftigungsquote unter den türkischen Frauen bis 2023 auf mindestens 40 Prozent ansteige. „Solange Frauen keine Dynamik in den Arbeitsmarkt bringen, wird es sehr schwierig für die Türkei, unter die Top-10-Volkswirtschaften der Welt zu kommen“, so seine Auffassung.

Die EBRD fördert Unternehmerinnen in der Türkei nicht zum ersten Mal. Die Bank gewährte bisher Kreditlinien in Höhe von 135 Millionen Euro, die spezifisch für von Frauen geführte Unternehmen gedacht waren. Neu sei nun jedoch die Bereitstellung von Beratungsdienstleistungen für die Unternehmen wie zum Beispiel zu den Themen Ausbildung, Mentoring, Networking und Coaching, so die EBRD-Direktorin für Small Business Support, Charlotte Ruhe.

Die EBRD begann ihre Aktivitäten in der Türkei im Jahre 2009. Bislang hat sie sich in 124 Projekte mit einer Gesamtsumme von vier Milliarden Euro eingebracht. Abgedeckt wurde dabei ein breites Spektrum von Energie über Infrastruktur und Agrarindustrie, bis hin zu Fertigung und Dienstleistungen, Immobilien und Tourismus, Telekommunikation und Finanzen. Mittlerweile ist die Türkei nach Russland zum zweitgrößten Investitionsziel der Bank avanciert. Die EBRD plane Davey zufolge allein im Jahr 2015 über 55 bis 60 Projekte weitere 1,5 Milliarden Euro in der Türkei zu investieren.

Schon jetzt liegt die Türkei bei der Besetzung von Führungsposition mit Frauen im OECD-Vergleich vor Deutschland. Nur 3,5 Pozent der Vorstandsmitglieder in Deutschland sind weiblich, während das in der Türkei 7,4 sind. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 9,8 Prozent (mehr hier). Acht Prozent der börsennotierten Unternehmen in der Türkei werden von Frauen geführt, informierte Arzuhan Doğan Yalçındağ, Präsidentin der Doğan TV Holding, bereits 2012 anlässlich des zweiten internationalen Frauengipfels in Wien. Was den Mittelstand anbelange sei es jedoch die Türkei, die hinten anstünde. Hier seien es nur sieben Prozent Frauen in den Führungsetagen der kleinen und mittelständischen Unternehmen. EU weit seien das jedoch 33 Prozent. (mehr hier).

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