Islam-Hysterie in den USA: „Terroristen könnten Ebola als Waffe einsetzen“

Die Anti-Islam-Hysterie treibt in den USA immer neue Blüten: In einem seriösen Medium wie der Washington Post wird plötzlich die Möglichkeit diskutiert, islamistische Terroristen könnten ganz Amerika mit Ebola infizieren - indem sie das Virus in einer Pepsi-Flasche aus Afrika importieren.

Die neue Hysterie um eine Ebola-Epidemie in den USA hat sich mit dem unreflektierten Generalverdacht gegen Muslime gepaart – und lässt die Fantasie einiger Zeitgenossen wilde Blüten treiben. So sinniert Marc A. Thiessen in der Washington Post unter dem alarmistischen Titel “Ein dunkler Winter des Ebola-Terrors” über die Möglichkeit, dass der Ebola-Virus in die Hände von islamistischen Terroristen gelangen könnte: „Ebola hat eine Inkubationszeit von 21 Tagen- mehr als genug Zeit für Terroristen, sich zu infizieren und dann mit dem Virus hierher zu kommen. In einem Horrorszenario könnten sich mit Ebola infizierte Selbstmordattentäter auf einem überfüllten Platz in die Luft blasen- beispielsweise in Einkaufszentren in Oklahoma City, Philadelphia und Atlanta -, um infiziertes Gewebe und Körperflüssigkeiten zu streuen.“

Im September unterhielten sich zwei Personen in einem offiziellen Internet-Forum des Islamischen Staats (IS). Vocativ berichtet über den Vorfall.

Person A fragte Person B:

„Was wäre nötig, um die Ebola in die USA und unter die NATO-Kreuzfahrer zu bringen?“

Die Person B antwortet:

Nehmen Sie eine Flasche Pepsi [mit Ebola] und reisen Sie in die USA, um die Flasche in Amerikas Wasserversorgung zu gießen (…) Infizieren sie ISIS-Soldaten in Afrika mit Ebola und lassen Sie die Soldaten in die USA reisen, damit Sie die Ebola über das ganze Land streuen.“

Doch Jack Chow von der Carnegie Mellon University sagt, dass diese Idee völlig unsinnig sei, weil der Ebola-Virus in einer Pepsi-Flasche nicht überleben könne. Die Ebola sei nicht wie das Anthrax-Virus. Die Übertragung von Ebola sei nur über Körperflüssigkeiten von Person zu Person möglich, so Chow.

„Man kann nicht einfach den Virus und gießen Sie sie in einem Reservoir, und erwarten, dass jeder in der Stadt, krank zu werden“, zitiert Vocativ den Infektions-Spezialisten von der Vanderbilt University, William Schaffner.

Schaffner glaubt, dass der Ausbruch der Ebola durch den Terror-Einsatz eines infizierten ISIS-Soldaten unwahrscheinlich sei. „Er könnte höchstens Personen in der Notaufnahme infizieren, weil er seine Krankheit verschweigt. Doch auch dieses Szenario ist weit hergeholt“, so Schaffner.

Solange der Islamische Staat keine Mitarbeiter aus den Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) rekrutiert, sei das Risiko sehr gering.

Sogar der um Schreckensszenarien sonst nicht verlegene, private US-Geheimdienst Stratfor qualifiziert die Visionen vom biologischen Krieg mit Ebola als Unsinn:

„Thiessen meint, dass der islamische Staat infizierte Selbstmord-Kommandos an überfüllte Plätze in den USA aussenden könnte, um die Menschen zu infizieren. Ein Problem bei diesem Szenario ist, dass es äußerst schwierig wäre für eine derartige Person, ohne entdeckt zu werden, in die USA einzureisen.“

Stratfor wörtlich:

Biologische Waffen sind in Filmen sehr beeindruckend, aber sie sind im realen Leben schwer zu entwickeln und teuer. Deshalb wurden sie bisher sehr selten bei Terroranschlägen eingesetzt. Seit einem Jahrzehnt stellen wir fest, dass Dschihadisten weit mehr Menschen mit weit weniger Kosten und Aufwand durch die Verwendung traditioneller terroristischer Taktiken töten können. Ein erfolgreicher tödlicher Angriff mit dem Ebola-Virus ist ziemlich unwahrscheinlich.“

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