Minen-Unglück in der Türkei: Hoffnung für 18 eingeschlossene Kumpel schwindet

Knapp ein halbes Jahr nach dem Minen-Unglück von Soma bangt die Türkei erneut um das Leben von Kumpels. Einen Tag nach dem Wassereinbruch in einem Bergwerk im Südwesten des Landes schwinden die Hoffnungen der Rettungskräfte, die Eingeschlossenen noch lebend zu bergen.

Die eingeschlossenen Minen-Arbeiter sollen sich gut 375 Meter unter Tage befinden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat mittlerweile die Feierlichkeiten zum 91. Tag der Republik abgesagt. Auch er soll sich bereits gemeinsam mit Premier Ahmet Davutoğlu auf dem Weg gen Ermenek in Karaman 400 Kilometer südlich von Ankara befinden.

Bei einem Minen-Unglück in Ermenek wurden am Dienstag mindestens 18 Bergarbeiter nach dem Einsturz eines Schachts unter Tage eingeschlossen. Teile der Mine wurden mit Wasser überflutet. 16 Minenarbeiter konnten sich befreien, so die BBC. Einer der Überlebenden habe gegenüber den hiesigen Medien berichtet, dass es sich bereits um den dritten Wassereinbruch in der Mine gehandelt habe. Er machte die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen für die neuerliche Katastrophe verantwortlich.

Energieminister Taner Yıldız zufolge sei der Wasserpegel mittlerweile etwas abgesunken. Doch noch immer seien die Kumpel unter 11.000 Tonnen Wasser eingeschlossen. Nach Angaben von Gouverneur Murat Koca habe im Bergwerk aufgestautes Wasser einen Stollen geflutet, in dem Kumpel gearbeitet hätten. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich 40 Mann unter Tage befunden haben. Şahin Uyar vom Zechenbetreiber Has Şekerler befürchtet, dass die verbliebenen Kumpel bereits ertrunken sein könnten.

In Soma starben im Mai dieses Jahres 301 Kumpel durch ein Feuer. Nach wie vor wird dieses bislang größte Minen-Unglück in der Geschichte des Landes untersucht. Amnesty International macht die türkische Regierung verantwortlich. Der private Minenbetreiber wiederum soll Profit zu Lasten der Sicherheit machen wollen (mehr hier). International wurden seither kritische Stimmen zur Arbeitssicherheit in der Türkei laut. Vor allem Erdoğan geriet damals massiv unter Beschuss wegen seiner unsensiblen Reaktion auf die hohe Zahl an Todesopfern. So kritisierte etwa Grünen-Chef Cem Özdemir. Er warnt: „Erdoğan ist dabei, den Draht zu den einfachen Leuten zu verlieren.“ (mehr hier)

Diesmal reagiert der Präsident offenbar besonnener: „Wir haben alle Empfänge für heute Abend abgesagt. Wir werden sie nicht abhalten, weil wir glauben, dass es auf Grund unserer Werte und Traditionen nicht angemessen wäre, einen solchen Empfang zu einem Zeitpunkt zu veranstalten, zu dem die Herzen aller Familien, die von diesem Unfall betroffen sind, brennen“, zitiert ihn die türkische Hürriyet. „Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Unsere Kollegen und Minister setzen ihre Rettungsarbeiten fort. Die Anstrengungen sind noch im Gange“, so Erdoğan weiter.

Der türkische Arbeitsminister Faruk Çelik wies darauf hin, dass bei einer Inspektion im vergangenen Juni acht Mängel beanstandet worden seien. Keiner hätte jedoch eine Schließung der Mine verlangt. Noch habe die Quelle des Wassereinbruchs nicht ausgemacht werden können. Çelik sieht aber bereits jetzt die privaten Betreiber in der Verantwortung.

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