Migrationsbeauftragte: Menschen werden in Deutschland allein wegen des Namens diskriminiert

Anlässlich der Vorstellung des 10. „Bericht zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland“ weist die Migartionsbeauftragte Aydan Özoğuz auf nach wie vor bestehende Missstände in Deutschland hin. Die Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, haben viele lange nicht wahrhaben wollen. Die Folge: Auch deshalb müssen Menschen mit ausländischen Wurzeln hierzulande mit vielen Problemen kämpfen.

Am Mittwoch wurde der zehnte Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vorgestellt. Er umfasst in der Langfassung rund 700 Seiten und enthält umfassendes Datenmaterial zu den Migranten im Land.

Der vorgelegte Bericht mache an jeder Stelle deutlich: Deutschland ist ein Einwanderungsland, so die Politikerin. Er zeige, dass wir nach Jahren der Ignoranz dieser Tatsache und dem wichtigen Paradigmenwechsel vor 15 Jahren weiter vorankämen, auch eine Einwanderungsgesellschaft zu werden. Einerseits seien viele aktuelle Herausforderungen immer noch den Versäumnissen von gestern geschuldet. Aber anderseits wir auch heute erneut integrationspolitische Probleme von morgen verursacht.

Unternehmen in Deutschland weisen etwa Türkischstämmige angeblich noch oft wegen ihres fremd klingenden Namens ab. Darauf wies die Migrationsbeauftragte des Bundes, Aydan Özoğuz, bei der Vorstellung eines neuen großen Migrationsberichts hin. Solche Bewerbungen würden oft aussortiert. «Das ist kein gutes Zeugnis für unser Land», sagte sie am Mittwoch in Berlin. Für mehr Chancengleichheit bleibe nach wie vor viel zu tun, zitiert sie die dpa.

Tendenzen:

BEVÖLKERUNG: Der Anteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln nimmt zu. Jeder Fünfte hatte zuletzt einen Migrationshintergrund – 16,3 Millionen Menschen. 2005 waren es 1,3 Millionen weniger. Die größten Gruppen sind Menschen türkischer Herkunft (18,3 Prozent) und polnischer Herkunft (9,4 Prozent). Mehr als die Hälfte der Migranten hat die deutsche Staatsangehörigkeit – 8,9 Millionen Menschen.

SCHULE: Die soziale Herkunft ist laut dem Bericht oft Ursache für Bildungserfolg oder -misserfolg. Von den Abgängern im Jahr 2012 blieben 11,4 Prozent der ausländischen Schüler an den allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss – im Vergleich zu 4,9 Prozent der deutschen Schüler.

AUSBILDUNG: Als alarmierend wertete Özoğuz, dass 30,5 Prozent der ausländischen jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsausbildung bleiben – drei Mal so viele wie junge Erwachsene mit deutscher Staatsangehörigkeit (10,9 Prozent). Der nächste Integrationsgipfel im Kanzleramt soll sich der Ausbildung widmen.

EINBÜRGERUNG: Die Einbürgerungen stiegen von 101 570 im Jahr 2010 auf

112 353 im Jahr 2013. In einzelnen Ländern und Kommunen gebe es erfolgreiche Einbürgerungskampagnen. Die Einbürgerungsquote reicht von 1,16 bis 1,42 Prozent in den neuen Ländern, wo es über Jahrzehnte weniger Migranten gab. In den alten Ländern reicht sie von 1,12 Prozent in Bayern bis 3,13 Prozent in Hamburg.

FLÜCHTLINGE: Schwerste Menschenrechtskrisen zwingen immer mehr Menschen zur Flucht – 2012 wurden 77 651 Asylanträge gestellt, für 2014 werden rund 200 000 erwartet. Özoğuz sagte, die Gesellschaft habe sich in den vergangenen zehn Jahren weiterentwickelt. Steigende Hilfsbereitschaft bei vielen drücke sich etwa in Besuchen und Engagement in Flüchtlingsheimen aus.

FREMDENFEINDLICHKEIT: Fremdenfeindliche Straftaten nehmen nach einem Rückgang seit 2011 wieder zu, 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf 3248. Zu 97 Prozent wurden sie von rechten Straftätern begangen. Insgesamt nimmt Ausgrenzung und Diskriminierung in vielen Facetten einen breiten Raum des Berichts ein.

Hier geht es zum vollständigen 10. Migrationsbericht.

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