Konsequenz des 10. Migrationsberichts: Regierung muss mehr in den Bildungsbereich investieren

Der 10. „Bericht zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland“ hat offenbart: Bis in Deutschland Chancengleichheit besteht, bleibt noch viel zu tun. Für den Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) sowie die migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Sevim Dagdelen, steht dabei der Bildungsbereich im Fokus. Denn: Noch immer bestimmt offenbar die soziale Herkunft in Deutschland über Bildungserfolg bzw. -misserfolg und damit den weiteren Lebensweg.

Am Mittwoch wurde der mittlerweile zehnte Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vorgestellt. Für den SVR als auch die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen ist klar: Um sich auf Augenhöhe zu begegnen, bedarf es vor allem gleicher Bildungschance.

„Der Lagebericht der Bundesintegrationsbeauftragten weist zu Recht darauf hin, dass es im Bildungsbereich nach wie vor erheblicher Anstrengungen bedarf, um Chancengleichheit herzustellen“, so die SVR-Vorsitzende Prof. Dr. Christine Langenfeld. Der Anteil der ausländischen Jugendlichen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen, sei mit 11,6 Prozent nach wie vor zu hoch und mehr als doppelt so hoch wie bei deutschen Jugendlichen.

Besorgniserregend sei Langenfeld zufolge, dass ein knappes Drittel (30,5 Prozent) der jungen Erwachsenen mit ausländischer Staatsangehörigkeit keinen Berufsabschluss hätten – gegenüber 10,9 Prozent bei der deutschen Vergleichsgruppe. Dabei seien ein Schulabschluss und eine Berufsausbildung die grundlegenden Voraussetzungen dafür, Arbeit zu finden und auf eigenen Füßen zu stehen. „Auch der SVR hatte in seinem Jahresgutachten 2014 erneut darauf verwiesen, dass sich die Durchlässigkeit des Bildungssystems in den letzten Jahren kaum erhöht hat. Hier ist mehr denn je eine offensive Bildungspolitik gefragt“, sagt Langenfeld. Dazu gehöre auch ein Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsschulangebote.

Der SVR setze sich außerdem – wie auch die Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoğuz – dafür ein, die bewährten Integrationskurse auszubauen und für weitere Zielgruppen zu öffnen. „Es sollten zum einen mehr berufsbezogene Sprachkurse angeboten werden. Zum anderen sollte Flüchtlingen mit Bleiberecht oder guten Bleibeperspektiven (z. B. Flüchtlingen aus Syrien) die Teilnahme an den Kursen ermöglicht werden. Damit wird ihre Integration entscheidend gefördert.“ Für den Ausbau der Integrationskurse müssten allerdings auch entsprechende Haushaltsmittel bereitgestellt werden.

„Von gleichberechtigter Teilhabe in den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sind Migranten in Deutschland immer noch meilenweit entfernt“, sagt auch die die migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Sevim Dagdelen. Auch sie weist darauf hin, dass der Anteil derjenigen, die die Schule ohne Abschluss verließen, bei ihnen doppelt so hoch sei wie beim Rest der Bevölkerung. Es gebe dreimal so viele 20- bis 29-Jährige, die keinen Berufsabschluss hätten.

„Dass der Befund so ernüchternd ausfällt, ist weder Schicksal, noch liegt es an den Migranten. Es liegt an der unsozialen Politik der bisherigen Bundesregierungen, die geradezu auf sozialer Ausgrenzung basierte. Aber auch weiterhin werden vielen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund keine wirklichen Chancen eröffnet, aus dem Kreislauf von Armut, Bildungsferne und Diskriminierung auszubrechen“, so die Politikerin weiter. Ihrer Meinung nach bleibt es dabei: „Die soziale Herkunft in Deutschland bestimmt über Bildungserfolg bzw. -misserfolg und damit den weiteren Lebensweg. Wir brauchen eine grundlegende Abkehr von einer Politik der sozialen Ausgrenzung von Migranten.“

Ihre Partei fordere aus diesem Grund die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, eine gesetzliche Ausbildungsplatzumlage, die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns ohne Ausnahmen von zehn Euro, die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse sowie erleichterte Einbürgerungsmöglichkeiten „als dringend notwendige Schritte zur Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe von Migranten in Deutschland.“

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