Erster deutscher IS-Prozess: Syrien-Rückkehrer packt vor Gericht aus

Der Angeklagte im ersten deutschen IS-Prozess hat sich nun ausführlich vor Gericht geäußert. Die Beantwortung der Fragen des Gerichts ist Voraussetzung für eine Strafminderung. Verständlich wird vieles allerdings trotzdem nicht.

«Als Märtyrer zu sterben, wäre mein Wunsch; aber das werde ich nicht schaffen» – mit solchen Sätzen sorgt der Angeklagte im ersten deutschen Prozess gegen einen Syrien-Rückkehrer für Aufregung. Was ist von dem mutmaßlichen Mitglied der Terrormiliz IS zu befürchten? Nach einer kurzen Pause versucht der 20-Jährige mit Hilfe seines Anwalts vor dem Oberlandesgericht Frankfurt verständlich zu machen, was er denkt.

«Er meint, dass er nicht mehr nach Syrien gehen möchte und daher die höchste Stufe (des Märtyrertums) nicht mehr erreichen wird», erläutert Anwalt Mutlu Günal am Donnerstag vor dem Staatsschutzsenat. Die Aussagen lassen die Zuhörer mit Fragen zurück. Nach dem Verständnis des Angeklagten ist ein Märtyrer niemand, der sich in die Luft sprenge oder Ziele angreife. Ein Märtyrer könne vielmehr sein, «wer Krebs hat» oder als Soldat Deutschland gegen einen Überfall einer fremden Macht verteidigt.

Die höchste Stufe des Märtyrertums sei es, im Kampf gegen Unterdrückung und Tyrannei zu fallen, wie eben gegen das Assad-Regime in Syrien. Um «seine Brüder» im Kampf gegen dieses Regime zu unterstützten, sei er im Juli 2013 ja nach Syrien gezogen, sagt der Deutsche mit Wurzeln im Kosovo.

Warum kam der Schüler nach einem halben Jahr zurück? «Ich wollte nicht gegen andere Muslime kämpfen, die sich gegen das Assad-Regime gestellt haben», sagt Kreshnik B. «Nach dem, was ich erlebt habe, habe ich gemerkt, wie wertvoll Frieden ist.»

Der Heranwachsende aus Frankfurt-Rödelheim, der eigentlich Fach-Abitur machen wollte, spricht am vierten Verhandlungstag erstmals selbst längere Zeit vor dem Gericht. Gut zwei Stunden lang antwortet der junge Mann mit Backen- und Kinnbart ausführlich auf die Fragen des Senats und der Bundesanwaltschaft zu einer sechsseitigen Erklärung, die sein Anwalt am dritten Verhandlungstag vorgelesen hatte.

Er trägt eine graue Jogging-Hose und ein weinrotes, kurzärmeliges T-Shirt. Die rote Jacke zieht er nach einem Hinweis des Richters aus. Zunächst spricht der 20-Jährige leise und unsicher, berät sich immer wieder mit seinem Anwalt. Dann wird er etwas lauter und sicherer, gestikuliert und grinst gelegentlich.

Obwohl er auf alle Fragen antwortet, bleibt doch vieles unklar. «Ganz normal» ist häufig seine erste Antwort auf eine Frage, auch auf die, wie der Grenzübertritt nach Syrien war.

Wie hat sich der Jugendliche radikalisiert, der schon in Frankfurt in den Kindergarten ging? «Der Entschluss kam von mir selber, das hat nichts mit Leuten zu tun.» Gleichgesinnte nennt er nicht. Und seine nicht sehr religiöse Familie habe seinen Wunsch, in Syrien zu kämpfen, nicht so ernst genommen. Als er dann in Syrien war, versuchte vor allem eine der beiden älteren Schwestern immer wieder, ihn zur Rückkehr nach Frankfurt zu bewegen, so die dpa.

Die Familie kümmert sich auch jetzt um ihn, besucht ihn regelmäßig in der U-Haft und sitzt bei den Verhandlungen im Zuschauerraum. Eine der Schwestern hatte den Bruder im Dezember in der Türkei getroffen und war mit ihm gemeinsam zurück nach Deutschland geflogen, wo er dann am Flughafen festgenommen wurde.

Kreshnik B. ist wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat im Ausland angeklagt. Darauf stehen für Erwachsene bis zu zehn Jahre Gefängnis. Nach Jugendstrafrecht könnte er mit weniger als viereinviertel Jahren davonkommen.

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