Wirtschaftsranking der Weltbank: Türkei erschwert Geschäftsaktivitäten und rutscht ab

Die Türkei hat es im aktuellen Doing-Business-Report der Weltbank nur auf Platz 55 von 189 untersuchten Staaten gebracht. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Land damit vier Positionen eingebüßt. Die Gründung von Unternehmen wird in der Türkei gleich durch eine ganze Reihe von Hindernissen erschwert.

Noch im vergangenen Jahr lag die Türkei auf Rang 51 des aktualisierten Doing-Business-Rankings. Verursacht wurde der aktuelle Fall um vier Plätze nach Angaben des türkischen Weltbank-Landeschefs Martin Raiser unter anderem durch die Erhöhung der Mindestkapitalanforderungen in der Türkei.

Wir können sagen, dass sich die Türkei in Bezug auf die Leichtigkeit der Geschäftstätigkeit in einer guten Position befindet. Die Bewertung entspricht der, die man von einem oberen mittleren Einkommensland erwartet. Doch es müssen mehr Reformen durchgeführt werden, um mit den Besten der Liste konkurrieren zu können“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Raiser.

Ursprünglich befand sich die Türkei im vergangenen Jahr nur auf Position 69. Durch die Veränderung der Berechnungsmethode rutschte sie jedoch schlagartig auf Rang 51. Jahr für Jahr ermittelt die Weltbank im Rahmen ihres Doing-Business-Reports, welche Staaten die attraktivsten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten, also wo „Doing Business“ am leichtesten funktioniert. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erfasst die Weltbank die staatliche Regulierung insgesamt zehn verschiedener Geschäftsaktivitäten mit statistischen Kennzahlen. Hierzu werden mittlerweile rund 8000 Experten befragt. Bewertet werden zum Beispiel die Bedingungen für Unternehmensgründer und Kreditvergaben, wie problemlos Firmen Export- und Importgenehmigungen erhalten oder wie schnell sie Strom bekommen. Je höher die Punktzahl eines Landes, desto effizienter ist das Unternehmensumfeld und desto stärker sind die rechtlichen Institutionen.

Dass die Türkei in diesem Jahr leicht abgefallen ist, also die Gründung von Unternehmen erschwert wurde, habe sich aus der Erhöhung von Notar- und Unternehmenseintragungsgebühren ergeben, so das türkische Blatt. Obendrein seien die Kosten der Unternehmen für die sozialen Sicherheiten angestiegen. Die Weltbank lobt gleichzeitig aber auch für die Erleichterung der Durchsetzung von Verträgen. Möglich wurde das durch die Einführung eines elektronischen Ablagesystem für Gerichts-Kunden.

Die zehn Volkswirtschaften mit den unternehmerfreundlichsten Umgebungen sind im zwölften Report der Weltbank Singapur, Neuseeland, Hongkong, China, Dänemark, die Republik Korea, Norwegen, die USA, Großbritannien, Finnland und Australien. Die zen Volkswirtschaften, die sich seit dem vergangenen Jahr am meisten verbessert haben, sind Tadschikistan, Benin, Togo, Elfenbeinküste, Senegal, Trinidad und Tobago, die Demokratische Republik Kongo, Aserbaidschan, Irland und die Vereinigten Arabischen Emirate.

„Obschon 80 Prozent der Länder in der Studie ihre Geschäftsordnung im vergangenen Jahr verbessern konnten, gelang es nur etwa einem Drittel sich in der Rangliste nach vorne zu schieben. Die Kluft zwischen den besten und schlechtesten Länder wird jedoch aufgrund der Verbesserung ihrer Geschäftsklimata weiterhin kleiner“, zitiert die Zeitung Rita Ramalho, Direktorin bei der Weltbank und eine der Haupt-Autorinnen der Studie. Insgesamt sei es in diesem Jahr einfacher Geschäfte zu machen als noch im vergangenen Jahr. Und natürlich auch einfacher als vor zwei oder noch vor zehn Jahren. „Wir sehen, dass die Volkswirtschaften, die die niedrigste Punktzahl haben intensiver reformieren, so dass sie mit den Volkswirtschaften, die das Beste tun, zusammenwachsen.

Erst vor kurzem machte auch Martin Raiser deutlich, dass die Türkei zumindest aus wirtschaftlicher Sicht deutlich selbstbewusster auftreten könnte. Seiner Ansicht nach verfügt die Türkei gleich über mehrere handfeste Standortvorteile. Die Bevölkerung sei jung, das Land habe ein hohes Wachstumspotential und vor allem eine florierende Unternehmenskultur. In Anbetracht dessen sollte die Türkei weniger bescheiden auftreten, wenn es um Segmente gehe, in denen das Land überlegen sei. Entscheidend für die Türkei sei es nun allerdings, alle diese Standortvorteile nun auch in bare Münze zu verwandeln (mehr hier).

Deutschland landet aktuell auf Platz 14 von 189 Ländern. Auch die Bundesrepublik hat damit einen Rang eingebüßt. Auch hierzulande hapere es offenbar bei den Unternehmensgründungen. Verantwortlich seien auch hier unter anderem zu hohe Notarkosten.

Hier geht es zum Doing Business Report 2015.

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