BKA: 1000 Islamisten in Deutschland gehören zur Terrorszene

Aus aller Welt ziehen Dschihadisten in den Irak und nach Syrien, um dort für einen islamischen Gottesstaat zu kämpfen. Deutschland ist da keine Ausnahme. Auch hierzulande wächst die Terrorszene rasant.

Mindestens 1000 Islamisten in Deutschland gehören nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) der Terrorszene an. 230 von ihnen könnten «Straftaten von erheblichem Ausmaß begehen», warnte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Wochenende in der Zeitung «Die Welt». Der Zulauf ist beträchtlich: 2010 hatte die Polizei erst 120 sogenannte Gefährder auf der Liste.

Die größte Anschlagsgefahr hierzulande gehe von fanatisierten Einzeltätern oder Kleinstgruppen aus. Ziercke hält es für naheliegend, dass es weitere Anschlagsversuche geben wird. Panik sei aber «nicht angebracht», denn die Sicherheitsbehörden seien gut aufgestellt.

Das Bundeskriminalamt identifizierte zusätzlich zu den 230 «Gefährdern» weitere 300 Menschen, die «etwa bei der Vorbereitung eines Anschlags logistisch helfen könnten», sagte Ziercke, der sich Mitte November in den Ruhestand verabschiedet. Im Moment gebe es 420 Ermittlungsverfahren und 650 Beschuldigte mit islamistischem Hintergrund.

Erst am Freitag hatten die Vereinten Nationen berichtet, dass die militärischen Erfolge des Islamischen Staates (IS) im Irak und in Syrien der Miliz einen nie dagewesenen Zulauf von Kämpfern aus dem Ausland bescheren. Rund 15 000 Männer und Frauen aus rund 80 Staaten seien inzwischen in die beiden Länder gezogen, um dort für die Terroristen oder andere extremistische Gruppen zu kämpfen.

Vergangene Woche hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz auf das rasante und «besorgniserregende» Wachstum der radikalislamischen Salafistenszene in Deutschland hingewiesen. Inzwischen zähle diese Gruppe über 6300 Menschen, sagte Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen. Bis Jahresende könnten es schon 7000 sein. Vor wenigen Jahren habe man erst rund 2800 Salafisten gezählt.

Aus der Salafistenszene sind laut Verfassungsschutz inzwischen nachweislich mindestens 450 vorwiegend junge Menschen in den «Heiligen Krieg» nach Syrien und in den Irak gezogen. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer. Laut Medienberichten, die sich auf Sicherheitskreise stützen, könnte die tatsächliche Zahl der ausgereisten Islamisten bei 1800 liegen.

Trotz des Zulaufs für die Islamistenszene fühlen sich die Deutschen nicht vom Islam bedroht. 75 Prozent der Befragten vertraten diese Meinung in einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin «Focus». 23 Prozent sagten hingegen, sie sähen sich vom Islam gefährdet. Nur im Lager der AfD fühlt sich eine Mehrheit bedroht (58 Prozent).

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