Türkischer Chefcoach in der Bundesliga: Saban Uzun hat sich den Frauen verschrieben

Im Exklusivinterview mit GazeteFutbol.de verrät der türkische Chefcoach Saban Uzun, warum er sich dem Frauen-Fußball gewidmet hat.

Die Frauen-Bundesliga darf seit der Winterpause einen neuen Cheftrainer begrüßen. Der ehemalige Jugendtrainer beim VfB Stuttgart, Saban Uzun, übernimmt die Bundesliga-Mannschaft des VfL Sindelfingen. Wir haben den 26-Jährigen zu seinen Ambitionen und dem Frauenfußball befragt.

Gazetefutbol.de: Herr Uzun, Sie sind seit der Winterpause Cheftrainer in der Frauen-Bundesliga beim VfL Sindelfingen. Wie kam es zu diesem Engagement?

Saban Uzun: Die Verantwortlichen des VfL Sindelfingen hatten mich bereits im Sommer 2013 kontaktiert, ob ich mir vorstellen kann,  eine Jugendmannschaft zu übernehmen. Doch damals war ich in der Endphase meines Studiums und bereits Jugendtrainer beim VfB Stuttgart. Im Oktober vergangenen Jahres kam der Kontakt erneut zu Stande – diesmal unter anderen Voraussetzungen. Parallel zu meiner Trainertätigkeit beim VfB verbrachte ich nun meine zwei freien Abende in Sindelfingen,  um mit der U16-Mannschaft zu trainieren.

Gazetefutbol.de: Sie waren zuvor in der Jugend des VfB Stuttgart tätig. Wie bewerten Sie die dortige Jugendarbeit?

Saban Uzun: Als deutscher Rekordmeister (in der A- und B-Jugend) wird beim VfB sehr viel Wert auf die Jugendarbeit gelegt. Das merkt man an allen Ecken und Enden. Die Bedingungen, die dort vorherrschen, sind absolut professionell. Die VfB-Jugendmannschaften spielen einen modernen, offensiven und dominanten Fußball. Das sieht man durchgängig von der U10 bis zur U19.

Gazetefutbol.de: Zurück zu ihrem jetzigen Engagement. Gibt es im Fußballtraining wesentliche Unterschiede  zwischen den Frauen und den Herren?

Saban Uzun: Allgemein unterscheiden sich Männer und Frauen in Ihrer Anatomie. Das trifft nicht nur auf den Fußball, sondern auch auf andere Sportarten zu. Daher gibt es im Fußball vor allem in der Athletik große Unterschiede. Im Frauenfußball hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan – und diese Entwicklung geht weiter. Usain Bolt und Shelly-Ann Fraser-Pryce, beide 100-Meter-Olympiasieger, werden auch nicht miteinander verglichen, sondern erhalten beide Anerkennung für ihre Leistung.

Gazetefutbol.de: Der Verein steht momentan auf dem letzten Platz der Frauen Bundesliga. Was sind ihre Ziele für diese Saison?

Saban Uzun: Die Situation ist wie sie ist. Wir schauen nicht auf die Tabelle, sondern möchten uns weiterentwickeln. Dazu gilt es, in jedem Training, in jeder Sekunde der Bundesligaspiele alles zu geben. Wohin das am Ende führt, ist von vielen Faktoren abhängig. Wir werden sehen.

Gazetefutbol.de: Denken Sie, dass ihr türkischer Migrationshintergrund zu Vorurteilen der Spielerinnen Ihnen gegenüber führen könnte? Oder ist diese Branche generell frei von besagten Vorurteilen? Wie ist Ihre Meinung dazu?

Saban Uzun: Ich bin bei keiner meiner bisherigen Trainertätigkeiten mit Vorurteilen bzw. rassistischen Äußerungen bezüglich meines Migrationshintergrundes konfrontiert worden. Daher ist das überhaupt kein Thema. Ich hoffe, das bleibt auch in Zukunft so.

Gazetefutbol.de: Wie stellen Sie sich die kommenden Jahre in ihrer Karriere vor? Haben sie ein festes Ziel vor Augen?

Saban Uzun: In dieser Branche ist es schwierig, eine Zukunft exakt vorauszuplanen. Jedoch ist es wichtig, ein festes Ziel vor Augen zu haben und hart dafür zu arbeiten. Genauso wie meine Spielerinnen, möchte auch ich als Trainer mich ständig weiterentwickeln und noch besser werden. Der erst Schritt ist getan, doch jetzt gilt es, sich nicht auszuruhen. Mit 26 bin ich in einem Alter, in dem ich noch viel dazulernen kann. Wir möchten hier in Sindelfingen etwas aufbauen, das ist das oberste Ziel.

Gazetefutbol.de: Haben Sie ein Trainer als Vorbild? Ihr Lieblingsverein?

Saban Uzun: Wenn es um den Spielstil geht, dann fasziniert mich die Art und Weise, wie Dortmund, Barcelona und auch Bayern München spielt. Da schaut man natürlich als Trainer gerne hin. Aber ein Trainervorbild habe ich nicht, brauche ich auch nicht. Die Art und Weise, wie ein Trainer seine Mannschaft führt, kann man nicht kopieren. Ich denke, dass es wichtig ist, sich so zu geben, wie man ist, authentisch zu bleiben und seinen eigenen Weg zu finden.

Gazetefutbol.de: Wir bedanken uns für ihre Zeit Herr Uzun und wünschen Ihnen noch viel Erfolg beim VfL Sindelfingen.

Saban Uzun: Sehr gerne. Auch ich möchte mich für dieses angenehme Gespräch bedanken und wünsche Ihnen weiterhin gutes Gelingen!

Das Interview wurde durchgeführt von Firat TOSUN

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

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