Protest gegen türkisches Atomkraftwerk: Aktivist rudert drei Monate durchs Schwarze Meer

Mit einer kräftezehrenden Aktion hat ein Amateur-Ruderer gegen die umstrittenen AKW-Pläne der türkischen Regierung protestiert. Mit seinem Boot ruderte er drei Monate an der Schwarz Meer-Küste entlang. Sein Ziel: Die Menschen auf die unberechenbaren Gefahren der Atomkraft in dieser Region aufmerksam machen.

Seine einsame Protestfahrt beendete Hüseyin Ürkmez am vergangenen Sonntag, den 2. November, in Istanbul. Empfangen wurde er am Hafen von Ortaköy am europäischen Ufer des Bosporus von einer Gruppe Umwelt-Aktivisten. Drei Monate zuvor war er in Hopa, eine Stadt in der Provinz Artvin, gestartet.

„Allein durch meine Muskelkraft wollte ich Aufmerksamkeit für die Forderung nach einem atomfreien Land gewinnen. Wenn es eine Sache gibt, die so schwierig wie Rudern gegen den Strom ist, dann sich gegen die Pläne der Regierung zu stellen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Ürkmez. Mit diesem symbolischen Protest habe er gezeigt, dass er damit nicht einverstanden sei.

Der Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks ist in Akkuyu an der Mittelmeerküste des Landes geplant. Eine zweite Anlage ist in der Nähe der Schwarzmeerhafen Sinop angedacht. Beide Vorhaben sorgen bereits seit längerem in In- und Ausland für heftige Debatten. Erst vor kurzem kündigte die türkische Regierung unbeeindruckt von sämtlicher Kritik nun an, ein drittes Atomkraftwerk von türkischen Ingenieuren bauen lassen zu wollen. Zuvor sollten jedoch mit den ersten beiden Anlagen Erfahrungen gesammelt werden, berichtet das Blatt weiter.

Auf seiner gut 1400 Kilometer langen Reise hatte Hüseyin Ürkmez mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen. So zwang ihn unter anderem stürmisches Wetter ein Paar Tage Schutz im Hafen von Karasu, nordöstlich von Istanbul, zu suchen. Obschon es einige Pannen gab, gelang es dem Aktivisten an allen symbolischen Stätten und Hotspots entlang seiner Route Halt zu machen. Unter anderem stattete er auch Sinop einen Besuch ab. Jene Stadt, in der ein japanisch-französisch-Konsortium das zweite Atomkraftwerk des Landes mit geschätzten Kosten von 22 Milliarden Dollar errichten wird.

Ürkmezs Trip ist die jüngste Solo-Umwelt-Protest-Aktion in der Türkei. Zuvor marschierte Timur Danış bereits insgesamt 4000 Kilometer von Istanbul nach Sinop und anschließend nach Mersin. Deniz Güman legte dieselbe Strecke auf dem Fahrrad zurück. Sie beendete ihre Demonstration in Akkuyu. Özgür Gürbüz hingegen ging die 180 Kilometer von Mersin nach Akkuyu rückwärts.

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