Musik verbindet: Deutsches Fotomodel singt mit türkischem Singer-Songwriter

In einem schwäbischen Tonstudio hat sich vor einigen Wochen eine ungewöhnliche Mixtur ergeben. Am Mikro stand ein im Raum Stuttgart lebender türkischstämmiger Singer-Songwriter. Zu ihm gesellte sich ein weiterer Profi, jedoch auf gänzlich anderem Gebiet. Dabei heraus kam die Single „Bir Dahakine“ (dt. „Dann vielleicht beim nächsten Mal“). Und die sorgt schon jetzt für ordentlich Aufsehen in der Türkei.

Die ungewöhnliche deutsch-türkische Musik-Kolaboration geht auf das Konto von Güray Atalay und Angie Katze aka KEDI, die sich im PROTON Recording Studio in Türkheim bei Geislingen/Steige zusammengetan haben. Der Refrain des türkischsprachigen Titels aus der Feder von Atalay wird in einer Version von dem bekannten deutschen Fotomodel übernommen. In der Türkei wurde das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit bereits vorgestellt. Vor gut einer Woche erschien die Single nun auch in Deutschland.

Für Angie Katze, die sich eigens für dieses Projekt einen neuen Künstlernamen zugelegt hat, kommt das Duett mit dem türkischstämmigen Künstler wie gerufen. Als Plakatmotiv für Deutschlands größte Erotikmesse „Venus“ ist sie einem breiten Publikum bereits bekannt, ebenso als Kandidatin der TV-Sendung „Liebesbus“. Nun will sich das It-Girl aus Coburg auf neuem Terrain bewähren und die türkischen Charts mit einer temporeichen wie melodiösen Pop-Nummer erobern.

Die junge Frau und der erfahrene Musiker

Den Stein für ihre neue Karriere brachte die junge Frau, die eigentlich Angela Henn heißt, bereits ins Rollen. „Angie Katze war vor drei Wochen in der Türkei, um sich dort bei einer Model-Agentur in Antalya zu bewerben und hat dabei ihren Song mitgenommen. Unzählige Zeitungen haben bereits in der Türkei davon berichtet“, so der Musik- und Kulturmanager Joe Ehrhardt von a2k-media & music im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten.

Mit Güray Atalay hat sich die gelernte Steuerfachangestellte übrigens einen äußerst erfahrenen Partner geangelt. Schon als Teenager habe Atalay Gitarre und Bass gespielt, sang in verschiedenen Bands und gründete später gemeinsam mit Ömer Inanc die Band „Raks“, so Ehrhardt weiter. Bereits 1988 produzierten sie die Single „Deli“, die es damals bis ins ZDF (Nachbarn in Europa) geschafft hat. Seither hat Güray als Studiomusiker bei zahlreichen Produktionen, etwa mit Soulsänger Kelly Brown, mitgewirkt. Sein erstes Solo-Album „Seviyorum seni“ erschien im Mai 1997 in der Türkei. Dem Publikum dort blieb er mit zahlreichen Türkei-Tourneen sowie regelmäßigen Auftritten im Szenenclub „Kemanci“ treu. Mit seinem Erfolgstitel „Bekleme gelemem“ schaffte es der Musiker sogar bis in die Top 10. Spätestens jetzt wird auch das türkische Fernsehen auf ihn aufmerksam. Es folgten Auftritte beim staatlichen TV-Sender „TRT“ und diversen Privatanstalten.

In Deutschland findet sich Güray Atalays Fangemeinde vor allem im süddeutschen Raum. „Als Berufsmusiker ist er mit verschiedenen Formationen unterwegs, aber auch häufig solo oder in kleiner unplugged-Formation in Live-Clubs zu Gast“, sagt der Musikmanager über seinen langjährigen Freund, der nach wie vor sowohl internationale als auch türkische Musik pflegt. Auch die junge Oberfränkin ist schon seit Jahren mit dem Musiker bekannt. Ihr Wunsch, sich im Gesang und dann noch auf Türkisch zu probieren, stieß bei Atalay natürlich auf offene Ohren. „Der Titel wurde ausgesucht, passte hervorragend und so kam es zu dieser außergewöhnlichen Konstellation, die sogar das deutsche Fernsehen auf den Plan rief“, so Joe Ehrhardt, der sich auch für den einstigen „The Voice of Germany“-Sieger Andreas Kümmert engagierte. Das Team habe KEDI nicht nur bei der Studioarbeit, sondern auch in die Türkei begleitet. In der türkischen Presse und den Nachrichten könne man bereits darüber lesen. „Angie und der Song kommen offensichtlich in der Türkei sehr gut an“, so sein bisheriges Fazit. Als Deutsche in der Türkei ein Star zu werden, ist übrigens gar nicht so abwegig. Dort tummeln sich bereits eine ganze Reihe deutscher Schauspieler, die erfolgreich in türkischen Serien zu sehen sind (mehr hier).

Frische türkischsprachige Popmusik in Deutschland

Dass der Titel umgekehrt auch bei den deutschen Musikfans Anklang finden wird, daran hegt der Fachmann keinen Zweifel. „Die 2-Track-Single mit ‚Bir Dahakine‘ ist zeitgemäß westlich-modern produziert und auch für deutsche Ohren nicht zu ‚orientalisch’“, ist er überzeugt. Auch die Thematik ist kulturübergreifend. Es ist eine klassische Liebesgeschichte mit einer eindeutigen Botschaft: Es geht immer weiter. Ohnehin sei das Duett eine Bereicherung für die deutsche Musikszene. „Nach Sandal, Tarkan und Co., hierzulande unter anderem bekannt geworden durch Şımarık, hört man mal wieder frische türkischsprachige Popmusik in Deutschland“, sagt Ehrhardt, der sich beim Anhören durchaus wieder in Urlaubsstimmung versetzt fühlt.

Für den Musikmanager ist das Projekt Güray Atalay featuring KEDI übrigens eine echte Herzensangelegenheit. „Ich habe sehr viele türkische Freunde. Güray ist selbst ein langjähriger Freund von mir, und ich liebe dieses Land sehr. Deshalb mache ich mich stark – gerade in den doch turbulenten und oft nicht sehr fröhlichen Zeiten – und möchte etwas Freude vermitteln mit dem Werkzeug, dass uns als Musikschaffende zur Verfügung steht.“ Seine Hoffnung greift jedoch noch weiter. „Musik ist die Pforte zur Seele“, sagt Güray Atalay. Für Ehrhardt ist sie vor allem ein Weg, um Brücken zu schlagen. „Vielleicht gelingt es ja, in unserer Bevölkerung, aber auch die bei uns lebenden türkischstämmigen Menschen damit etwas zu begeistern und durch diese deutsch-türkische Kooperation bei diesem Projekt eine Brücke, die durch die Musik entsteht, zu schlagen.“

Orient und Okzident: Paul Maar macht es vor

Wie gut solche Verbindungen funktionieren, das zeigt unter anderem bereits der bekannte deutsche Kinderbuchautor Paul Maar. Der aus dem unterfränkischen Schweinfurt stammende „Papa“ der Kultfigur „Das Sams“ vereint bereits seit gut zwei Jahren Literatur und Musik des Orients und Okzidents. Der heute in Bamberg lebende Autor macht Nasreddin Hodscha, den wohl berühmtesten weisen Narren, Philosophen und Geschichtenerzähler der islamischen Welt, in seinem Buch „Das fliegende Kamel – Uçan Deve“ in Deutschland bekannt. „Die Mischung der türkischen und deutschen Erzählung kam sowohl bei den deutschen als auch bei den türkischen Zuhörern so gut an, dass wir beschlossen haben, eine Doppel-CD zu produzieren“, so Maar bereits Anfang 2013 im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Das Auswärtige Amt hat das Kulturprojekt schon im Oktober 2012 offiziell in die „Ernst Reuter Initiative“ aufgenommen (mehr hier).

Hier kann man die Single herunterladen:

AMAZON: http://goo.gl/paSRJ7
iTunes: http://goo.gl/KD2UvM

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