Minenunglück von Soma: Verantwortlichen droht lebenslange Haft

Rund sechs Monate nach dem verheerenden Minenunglück von Soma nimmt auch die türkische Justiz an Fahrt auf. Die Staatsanwaltschaft fordert derzeit lebenslange Haftstrafen für acht Hauptverantwortliche der Betreibermine. Sie sollen, wenn auch unbeabsichtigt, den Tod der 301 Kumpel herbeigeführt haben.

In wenigen Monaten soll der Prozess gegen die Minentreiber beginnen. Nun stellte die zuständige Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift gegen Soma Coal Mining Company CEO und Sohn von Unternehmensinhaber Alp Gürkan, Can Gürkan, und sieben weitere Führungskräfte vor. Für jeden der getöteten Minenarbeiter sieht die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe vor. Im Raum steht der Vorwurf des Totschlags.

Die Festnahmen der Männer erfolgten bereits wenige Tage nach der Katastrophe und waren begleitet von gegenseitigen Beschuldigungen der Verantwortlichen (mehr hier). Seither sitzen sie in Untersuchungshaft. Neben den acht Führungskräften drohen 29 weiteren Mitarbeitern Gefängnisstrafen bis zu 15 Jahren, so die türkische Zeitung Sabah. Sie müssen sich dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung stellen.

Die Untersuchungen haben mittlerweile ergeben, dass es in der Mine zu Verletzungen der Sicherheitsbestimmungen gekommen war. So soll es unter Tage etwa nur eine unzureichende Anzahl von Kohlenmonoxid-Detektoren und qualitativ hochwertigen Sauerstoffmasken gegeben haben. Außerdem seien Holz- anstelle von Metalldecken verbaut worden. All diese Faktoren hätten schließlich zu der hohen Zahl an Todesfällen geführt, so das Blatt weiter. Die Kumpel seien an einer Kohlenmonoxidvergiftung verstorben, nachdem eine Explosion zu einem massiven Feuer in der Mine geführt hätte. Amnesty International macht die türkische Regierung verantwortlich. Der private Minenbetreiber wiederum soll Profit zu Lasten der Sicherheit machen wollen (mehr hier).

Trotz mancher Verbesserungen, die es für türkische Bergleute im Zuge des Unglücks gegeben haben soll, wurde das Land erst vor wenigen Tagen erneut von einem Grubenunglück erschüttert (mehr hier). 18 Bergleute sind nach wie vor in einer überfluteten Mine in der zentralen türkischen Provinz Ermenek eingeschlossen. Bemühungen sind noch immer in vollem Gange. Mittlerweile besteht jedoch fast keine Hoffnung mehr, die Bergleute doch noch lebend nach oben zu holen. Einer der Überlebenden hatte gegenüber den hiesigen Medien berichtet, dass es sich bereits um den dritten Wassereinbruch in der Mine gehandelt habe. Er machte die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen für die neuerliche Katastrophe verantwortlich.

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