Studenten aus der Türkei zahlen 1,5 Milliarden Dollar für die Ausbildung im Ausland

Rund 100.000 türkische Studenten zieht es Jahr für Jahr an eine Hochschule im Ausland. Die Bildung in der Ferne lassen sich die jungen Leute einiges kosten. Jüngsten Schätzungen zufolge soll der finanzielle Aufwand bei 1,5 Milliarden US-Dollar liegen. Doch die Investition lohnt sich.

Einer der Indikatoren, die den Entwicklungsstand eines Landes anzeigen, ist sein Zugang zu internationaler Bildung. Gemäß einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahre 2011, hatten zum damaligen Zeitpunkt 4,3 Millionen Studenten ihr Heimatland verlassen, um sich im Ausland weiterzubilden. Zum Vergleich: 1990 lag ihre Zahl bei rund 1,3 Millionen. Mittlerweile gehört auch die Türkei zu den Top 15 weltweit, wenn es darum geht, dem eigenen Nachwuchs Bildung im Ausland angedeihen zu lassen.

Damit liegt das Land voll im Trend: Es wird geschätzt, dass es bis zum Jahr 2025 acht Millionen Studenten im Ausland geben könnte. Für die Heimatländer lohnt sich ihr Fortgang massiv. Die durch sie erzielten Gewinne sollen bereits die 170-Milliarden-Dollar-Marke überschritten haben.

Nicht nur die Zahl der Studierenden im Ausland hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, auch ihre Präferenzen bei den Zielländern hat sich gewandelt. Menschen aus den wirtschaftsstarken Nationen bevorzugten bis vor zehn Jahren noch einen Blick in weniger entwickelte Staaten. Heute gehören China, Russland, Südkorea und Japan zu den beliebtesten Ländern der jungen Leute.

Deniz Akar, Generalmanager bei der International Educations Fairs of Turkey (IEFT), hilft jährlich gut 10.000 türkischen Studenten auf dem Weg zu einem Studium im Ausland. Er beobachtet eine positive Entwicklung in der türkischen Bevölkerung. Das Interesse an Bildungsprogrammen im Ausland nehme zu, zitiert ihn türkische Zeitung Sabah. Jahr für Jahr machten sich heute rund 100.000 türkische Studenten auf ins Abenteuer Auslandsstudium. „Für sie werden gut 1,5 Milliarden Dollar aufgewendet“, so Akar.

Die Studentinnen und Studenten nutzen einen Auslandsaufenthalt in der Regel, um ihr Grund- und Hauptstudium zu absolvieren. Auch die Verbesserung der Sprachkenntnisse steht ganz oben auf der Liste. Diejenigen unter den Studenten, denen nur begrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, entscheiden sich meistens für eine Mischung aus Arbeiten und Reisen oder nutzten Internship-Programme. Besonders beliebt sind bei ihnen USA, Großbritannien, Deutschland, Schweden, die Niederlande, China, Malaysia, Ungarn, Russland und Polen.

Der Besuch einer ausländischen Universität kostet im Schnitt 10.000 Dollar. Leicht können sich die jährlichen Kosten jedoch auf gut 20.000 Dollar belaufen. Wie wichtig diese Investitionen für die Türkei sind und welchen Wert das Land den Themen Forschung und Entwicklung mittlerweile beimisst, dazu äußerte sich TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak bereits 2012. Das Land stelle nun das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den vergangenen zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250.000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich. Die Türkei braucht dringend mehr akademischen Nachwuchs (mehr hier).

Umgekehrt gibt es in der Türkei und in Polen derzeit die geringste Anzahl an internationalen Studenten innerhalb der OECD. Mit einer Rate von nur einem Prozent liegen beide Staaten am unteren Ende der Skala. Dennoch hat die Türkei in dieser Hinsicht in den vergangenen zehn Jahren deutliche Fortschritte gemacht. So soll die Türkei zwischen 2006 und 2011 seine Zahl an ausländischen Studierenden von 15.000 auf 30.000 verdoppelt haben. Die größte Gruppe stammt nach Angaben des Portals Study in Turkey mit 4.200 Studierenden aus Aserbaidschan, dicht gefolgt von Turkmenistan mit 4.100 Studenten und Nord-Zypern mit 3.800 Studenten. Insgesamt kamen Studierende aus 155 Staaten. Außerdem gebe es einen signifikanten Anstieg bei den europäischen Studenten zu verzeichnen, vor allem aus Griechenland und Deutschland. Aus diesen beiden Ländern kämen insgesamt 1.300 junge Leute. Mittlerweile soll sich die Zahl mit Stand 2013 sogar auf 70.000 gesteigert haben, so der ICEF Monitor.

Mehr zum Thema:

Brücken bauen: Universität in Hongkong buhlt um türkische Studenten
Zurück in die Heimat: 250 türkische Wissenschaftler gestalten ihre Karrieren neu
Gleichberechtigung an der Uni: Türkische Hochschulen sind ganz vorne

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.