„Tüpisch Türkisch“: Kölner Filmreihe taucht in die schwierigen Kapitel türkischer Vergangenheit und Gegenwart ein

Noch bis diesen Sonntag dreht sich in Köln alles um „Tüpisch Türkische“ Lebenswelten. Bereits zum neunten Mal widmet sich das Filmhauskino kritisch dem Thema Türkei. Neben Dokumentationen gibt es für das Publikum auch Gelegenheit zum Gespräch mit Filmemachern aus Istanbul.

Kurator Amin Farzanefar und seine Projektleiterin Lale Konuk haben mit Unterstützung des BMZ, der Stadt Köln, des Nikolaus-Güllich-Fonds und der BV-Innenstadt abermals eine interessante Mixtur zusammengestellt. Gezeigt werden Dokumentationen und Spielfilme, die unter türkischer oder auch internationaler Federführung entstanden sind. Teils sind die Filmemacher sogar in Köln anwesend und stellen sich den Fragen des Publikums.

Warum sie dem Thema Türkei wiederholt eine eigene Filmreihe widmen, liegt für die Veranstalter, der Allerweltskino e.V., auf der Hand. „In der Türkei entwickelt sich derzeit vieles krisenhaft: Autokratismus, Presse- und Meinungszensur, militanter Islamismus, Flüchtlingsproblematik und Grenzkonflikte – auf all dies und mehr reagieren die Filmemacher“, sagen sie auf der zur Reihe gehörenden Facebook-Präsenz.

Auch ein Jahr nach den Gezi-Park-Protesten bleibt ihrer Meinung nach die Frage „Was jetzt?“, übrigens auch Titel von „Tüpisch Türkisch 2013“, aktueller denn je. „Erneut bestimmen die schwierigen Kapitel türkischer Vergangenheit und Gegenwart unsere Filmauswahl. Wobei sich persönliche Perspektiven und Dramen oft mit der Sphäre des Politischen verknüpfen.“ Jedes Mal sei die Reihe jedoch anders und besonders. „Es ist so als würde man den Puls der Zeit messen, geht er schneller oder langsamer, unruhiger, hektischer, nervöser, mutiger.“

Bereits am Donnerstag startete die Filmreihe in ihre neunte Runde. Am Donnerstag stand der Abend ganz im Zeichen von „Armenischen Spuren“. An diesem Freitag stehen „Kurdische Themen“ auf dem Programm. Am Samstag folgt dann „Tüpisch Türkisches“. Den Abschluss bildet der Themenkomplex „Über Grenzen an diesem Sonntag.

Zum Auftakt am Donnerstag erwartete das Publikum bereits die beiden Dokumentarfilme „Diyar“ und „Saroyanland“. Beide erzählen von einer historischen Spurensuche, ausgehend von familiären Erfahrungen. Am kommdenen Sonntag geht es mit „My Father, the Revolution and Me“ (Sonntag 9. November 20.15 Uhr) in eine ähnliche Richtung. Hier blickt Ufuk Emiroğlu als Schweizer Exilanten-Tochter zurück auf die Generation der türkischen Linken und zeichnet so gleichzeitig ein Familien- und Epochenporträt.

Das kurdische Thema, Jahrzehnte zurückreichend und nach wie vor aktuell, ist in diesem Jahr durch zwei Filme vertreten: „Come to my Voice“ (Freitag 7. November 19.30 Uhr) wird von Hüseyin Karabey, einem der wichtigsten jüngeren Regisseure, persönlich vorgestellt. Verknüpft wird darin der „Kurdenkrieg“ mit der Tradition der Dengbejs-Barden.

und „Once upon a Time“ (Freitag 7. November 21.45 Uhr). Die Dokumentation von Kazim Öz, ein Pionier des neuen kurdischen Kinos, zeigt die Ausbeutung von anatolischen Wanderarbeitern.

Moderne Türkinnen in einer Männergesellschaft zeigt hingegen „The Impeccables“ (Samstag 8. November 19.00 Uhr), mit Elementen des Familiendramas wie des Psychothrillers der Gewinner des Antalya Filmfestivals. Vorgestellt wird der Film von Ramin Matin persönlich. Er ist Gewinner des wichtigsten Türkischen Filmpreises, der „Goldenen Orange“ des Antalya Filmfestivals.

In „Trans X Istanbul“ (Sonntag 9. November 18.00 Uhr) von Maria Binder zeigt Protagonistin Ebru, dass im Bereich Menschen- und Minderheitenrechte noch unendlich viel zu tun bleibt. Die Dokumentation vermittelt den harten Kampf der Transgender-Community um Anerkennung, feiert aber auch ihre Buntheit und Lebenslust.

Unbegrenzte Leidenschaften zelebriert der „Fanblock“ der Filmreihe: glühende Anhänger des Arabesk-Sängers Müslüm Gürses („The Children of Müslüm Baba“ – Samstag 8. November 21.15 Uhr) und eingeschworene Aficionadas türkischer Soap-Operas („Kismet“ – Samstag 8. November 18.00 Uhr).

Zu neun Filmen gibt es drei Gespräche – mit unseren Istanbuler Gästen Maria Binder (Sonntag 9. November), Hüseyin Karabey (Freitag 7. November) und Ramin Matin (Samstag 8. November).

Das komplette Programm der Filmreihe gibt es hier.

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