Deutsche Solidarität für Fußballer Deniz Naki: Attacke ist Armutszeugnis für die moderne Türkei

Der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e.V. (BDAJ) stellt sich nach dem tätlichen Angriff gegen Deniz Naki in der Türkei hinter den deutsch-türkischen Fußballer. Die Jugendorganisation bezeichnet die Vorgänge als feigen Angriff und wertet sie als Kritikunfähigkeit einiger Teile der türkischen Gesellschaft. Der Sportler hat mittlerweile seine Konsequenz gezogen und die Türkei verlassen.

Der BDAJ verurteilt den Angriff auf den deusch-türkischen Fußballer Deniz Naki als „feige Gewalttat“. Das Ganze sei nach Ansicht der Organisation ein Armutszeugnis für die „vermeintlich moderne Türkei“. Dass Menschen noch immer aufgrund ihrer Ethnie, Religion oder Weltanschauung um ihr Leben fürchten müssen, stößt in Deutschland auf absolutes Unverständnis.

Mazlum Dogan, Bundesvorsitzender des BDAJ, bezieht nun ganz klar Position für den einstigen St. Pauli-Spieler. In einer den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegenden Mitteilung schreibt er:

„Wir verurteilen den tätlichen Angriff auf Deniz Naki auf das Schärfste! Dieser feige Angriff ist ein Ausdruck dafür, wie gewisse Teile in der türkischen Gesellschaft nicht mit kritischen Ansichten umgehen können und mit nackter Gewalt reagieren statt mit Toleranz. Wir solidarisieren uns als alevitische Jugend mit Deniz Naki und wünschen ihm eine gute Genesung.“

Der Fußballer Deniz Naki, ehemals Spieler bei Gençlerbirliği Ankara, wurde am 2. November Opfer eines tätlichen Angriffs auf den Straßen Ankaras. Naki, der selbst alevitisch-kurdische Wurzeln hat, hatte sich zuvor kritisch zu den Gräueltaten des „Islamischen Staates“ geäußert und wurde daher fortlaufend mit Gewalt- und sogar Morddrohungen konfrontiert. Es sollte nicht nur bei leeren Drohungen bleiben – am vorletzten Sonntag lauerte ihm eine gewaltbereite Personengruppe auf und fügte ihm Verletzungen zu. Sie machten deutlich, dass er aufgrund seines kulturellen Hintergrunds und insbesondere wegen seiner kritischen Äußerungen über den IS unerwünscht sei. Der Sportler zog die Konsequenzen hat seinen Vertrag bei Gençlerbirliği Ankara aufgelöst und ist zurück nach Deutschland gekehrt.

Bei Naki kommen Solidaritätsbekundungen wie diese an. Bereits am vergangenen Wochenende äußerte er sich erneut auf seiner Facebook-Präsenz und sagt: „Ich danke allen die seit Anfang an hinter mir standen und immer noch stehen.

Unterdessen könnten die Rufe nach Nakis Rückkehr zu seinem einstigen Verein in Hamburg doch noch erhört werden. Die Fans forderten diesen in der vergangenen Woche immer wieder ein. Immerhin: Naki könnte ablösefrei und sofort zum Kiezclub zurückkehren. Doch St. Paulis Sportchef Rachid Azzouzi habe das bislang nicht als aktuell bezeichnet, so das Hamburger Abendblatt. Nach dem 0:3 gegen Heidenheim aber sei eine Verpflichtung des 25-Jährigen offenbar nicht mehr ausgeschlossen. Am Sonntag erklärte Azzouzi: „Wir haben in der Länderspielpause die Möglichkeit, Dinge zu verändern.“ Denkbar wäre es dem Blatt zufolge, Naki einen leistungsbezogenen Vertrag bis Saisonende zu geben.

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