Zu freizügig: Türkische Armee verbietet „Game of the Thrones“

Türkische Militärkadetten sind künftig nicht mehr frei in der Wahl ihres TV-Programms. Offenbar erachten ihre Vorgesetzten die bekannte US-amerikanische Fernsehserie „Game of the Thrones“ nicht nur für Kinder als zu blutig und zu freizügig. Auch ihnen ist das Format künftig untersagt.

In der Türkei gibt es offenbar einen neuen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Bürger. Nachdem es in der Vergangenheit bereits Versuche seitens der Politik gab, etwa die erfolgreiche türkische TV-Serie „Das prächtige Jahrhundert“ zu verbieten, müssen sich nun wohl die Militärkadetten des Landes Vorschriften über die Wahl ihres TV-Programms machen lassen. Im Visier: Die US-amerikanische Erfolgsserie „Game of the Thrones“.

Jüngstes Beispiel für eine Verwandlung der Türkei von einem säkularen hin zu einem islamisch-konservativen Staat sei ein Verbot der türkischen Streitkräfte (TAF). Diese hätten die  HBO-Serie „Game of the Thrones“ an den Militärschulen untersagt, so das Portal vocativ. Demnach sei dieser Schritt Teil einer neuen Ausrichtung. Die Auszubildenden sollten von allem ferngehalten werden, was mit sexueller Ausbeutung, Pornographie, Exhibitionismus, Missbrauch, Belästigung und negativen Verhaltensweisen“ zu tun hätte.

„Game of the Thrones“ behinhalte natürlich all jene Elemente – allerdings auf eine eher humorvolle Art und Weise. Nichtsdestotrotz sei das Ausmaß, in dem die TAF eine fundamentalistische Haltung einnehme, besorgniserregend, so das Blatt weiter.

Bereits im Jahr 2012 sollen vier Militärs entlassen worden sein, weil sie ihren Kadetten in einer Militärakademie erlaubt hätten, die TV-Serie basierend auf den Ideen des Kult-Autors George R. R. Martin zu sehen. Doch der Schritt, die Auszubildenden künftig explizit zu schützen, sei jetzt offiziell und kodifiziert. Mit dem Verbot einher gehe übrigens auch ein „Ersatzprogramm“. Als Wahlfächer gäbe es nun an allen Akademien erstmals Kurse wie religiöse Grundbildung, der Koran und das Leben des Propheten Muhammad, so Al Arabiya.

Das TV-Format gilt in der Tat als sehr freizügig, so auch die Washington Post. So werde der Zuschauer teils Zeuge expliziter Szenen, auch von Vergewaltigung und Inzest. In China werde die Serie teilweise zensiert. Auch das US-Blatt wertet den Schritt der türkischen Streitkräfte als jüngstes Zeugnis einer zunehmenden Islamisierung der türkischen Gesellschaft unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Fester Bestandteil der Serie war bis vor kurzem übrigens auch die deutsch-türkische Schauspielerin Sibel Kekilli. Seit 2011 war sie in einer Nebenrolle im Fantasy-Epos zu sehen. Diesen Sommer verabschiedete sich ihre Figur, die Kurtisane Shae.

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