Sensationsfund in Tübingen: Koranhandschrift aus Frühzeit des Islams entdeckt

Überraschung in der Universitätsbibliothek Tübingen eine Koranhandschrift aus dem Bestand der Hochschule ist deutlich älter als bislang angenommen. Das in kufischer Schrift verfasste Stück stammt neuesten Erkenntnissen zufolge aus dem siebten Jahrhundert. Damit gilt die Handschrift als die älteste im Universitätsbestand.

Eine Koranhandschrift im Bestand der Universitätsbibliothek Tübingen stammt nach neuen Erkenntnissen aus der Frühzeit des Islam – und ist damit deutlich älter als gedacht. Das Pergament sei mittels naturwissenschaftlicher Methoden auf das siebte Jahrhundert zurückdatiert worden, teilte die Universität am Montag mit.

Aus Sicht der Experten wurde es nur etwa 20 bis 40 Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 hergestellt. Bisher war man von einer Entstehung etwa im achten oder neunten Jahrhundert ausgegangen. Die Datierung solch früher Koranhandschriften sei weltweit eine Rarität, da bisher nur sehr wenige Handschriften mit neuen naturwissenschaftlichen Methoden untersucht worden seien.

Im Falle des Tübinger Fragments hatte ein Mitarbeiter des Projekts Coranica die Proben entnommen. Das Kooperationsprojekt der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres Paris und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR) gefördert und beschäftigt sich mit der Neukontextualisierung des Koran vor seinem historischen Hintergrund: Es zeichnet die Textgeschichte des Korans unter anderem durch die Untersuchung von „materiellen Zeugnissen“ wie Handschriften nach, so die Universität. Die Analyse des Pergamentmaterials sei vom Institut für Ionenstrahlforschung der ETH Zürich mithilfe der Radiocarbonmethode durchgeführt worden.

Anhand von Schriftbesonderheiten lasse sich das Alter von Texten grundsätzlich bestimmen, so eine Sprecherin der Universitätsbibliothek. Naturwissenschaftliche Methoden könnten die Daten nochmals präzisieren. Die untersuchte Handschrift hatte aufgrund ihres Duktus und Formats die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler geweckt. Sie sei in einer sehr frühen Schriftvariante (ḥiǧāzī) beschrieben, wobei ihre Abmessungen im Vergleich zu anderen frühen Handschriften jedoch recht klein ausfallen ‒ die Datierung auf das siebe Jahrhundert habe die Experten deshalb überrascht.

Die Tübinger Koranhandschrift sei in kufischer Schrift verfasst, einer der ältesten Schriftformen des Arabischen. «Wir gehen davon aus, dass es unsere älteste Koranhandschrift ist», sagte die Sprecherin. Das Pergament gelangte im Jahr 1864 in die Bibliothek, als diese einen Teil der Sammlung des preußischen Konsuls Johann Gottfried Wetzstein aufkaufte. Die Tübinger Handschrift mit der Signatur Ma VI 165 gehört zu insgesamt mehr als 20 Koranfragmenten im Bestand der Universitätsbibliothek.

Hier geht es zur Koran-Handschrift online.

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