Türkische Architekten appellieren an den Papst: Heiliger Vater darf Erdoğan-Palast nicht besuchen

Die türkische Architektenkammer hat sich mit einem Brief an Papst Franziskus gewandt. Darin fordern sie das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche auf, ein Zeichen zu setzen und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nicht in seinem neuen Amtssitz zu besuchen. Der Grund: Mit seiner Anwesenheit würde er das illegale Bauwerk legitimieren.

Der Besuch von Papst Franziskus in Ak Saray ist für den 28. November angesetzt. Der Heilige Vater ist nicht nur der erste Lateinamerikaner und der erste Jesuit in diesem Amt. Er ist damit auch der erste Gast im umstrittenen Millionen-Palast. In Ankara wird das Vorhaben jedoch kritisch beäugt. Die dortige Architektenkammer hat sich nun schriftlich an Rom gewandt. Ihr Appell: Der Geistliche solle den Amtssitz nicht betreten.

Ihrem Schreiben an den Papst fügten die Architekten einschlägige Dokumente und Gerichtsentscheidungen über den umstrittenen Bau des neuen Palastes bei. Sie baten Franziskus „den Bau, der nach internationalen Richtlinien illegal ist, durch die Teilnahme an der Zeremonie in diesem unlizensierten Gebäude nicht zu legitimieren“, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Bei dieser Aktion wollen es die Architekten aber offenbar nicht belassen: Tezcan Karakuş Candan, Vorsitzender der Niederlassung in Ankara, habe bereits signalisiert, dass man auch weiterhin Briefe dieser Art an alle möglichen Staatsoberhäupter schreiben werde, so das Blatt weiter.

Unter Staatsgründer Atatürk war der jetzige Baugrund bereits 1925 zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Es ist eigentlich ein Erholungs- und Agrargebiet mit einem Zoologischen Garten, einer Brauerei, mehreren Farmen und Gewächshäusern.  (mehr hier). Die Architektenkammer möchte den Kampf um dieses Areal nun auf eine „internationale Ebene“ bringen. Ihr diesbezügliches Anliegen würden sie künftig allen ausländischen Gästen der Türkei vortragen. Mit dem Brief an den Papst wurde auch eine weitere Bitte geknüpft. Die Architekten baten um einen Termin in der türkischen Botschaft des Vatikans.

Am 2. Februar 2012 hatte die regionale Naturreservate Kommission in Ankara die Größe des geschützten Bereich des Waldes auf sieben Hektar reduziert und somit den Weg für den gigantischen Bau freigemacht. Ein türkisches Gericht hatte jedoch zuvor entschieden, dass Bauvorhaben in Naturschutzgebieten illegal seien. Auch der Palastbau, so die Richter, verstoße gegen die Grundsätze der Stadtplanung, Ökologie und Wissenschaft. Der Bau des Komplexes könnte „Schäden verursachen, die nur schwer zu reparieren sind“, so das Gericht. Doch Erdoğan hielt sich nicht an das Urteil.

Nun liegt der Komplex auf einem 150.000 Quadratmeter großen Gelände innerhalb des Naturschutzgebietes, eines der am besten erhaltenen Grünflächen in Ankara. Hunderte Bäume wurden für das Vorhaben gefällt. Ausgestattet ist der Präsidentensitz mit einer Reihe von High-Tech-Systemen. Insgesamt verfügt er über 1000 Zimmer und ist somit erheblich größer als das Weiße Haus, der Kreml oder der Buckingham Palace.

Zuletzt entbrannte die Kontroverse über das Gebäude erneut, als Finanzminister Mehmet Şimşek in der vergangenen Woche dem parlamentarischen Haushaltsausschuss mitteilte, dass die Gesamtbaukosten bei 1.37 Milliarden Türkischen Lira, umgerechnet 615 Millionen Dollar, lägen. Das ist das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Kosten.

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