Kein Spenderherz aus Deutschland: Zweijähriger Herzpatient ist in der Türkei verstorben

Der zweijährige Muhammet ist tot. Der kleine türkische Junge, der dringend auf ein Spenderherz wartete, verstarb am Mittwoch in Istanbul. Sein Schicksal hat auch in Deutschland die Emotionen hochkochen lassen. Ein Gericht hatte entschieden, er war zu krank für die Warteliste.

Nach einem monatelangen, vergeblichen Kampf um ein Spenderherz ist der schwer kranke Muhammet Eren nun in der Türkei gestorben. Der Zweijährige erlag am Mittwoch in einem Krankenhaus in Istanbul den Folgen seiner Erkrankung, sagte der Anwalt der Familie am Donnerstag. Erst zu Wochenbeginn waren seine Eltern mit ihm zurück in die Heimat geflogen.

Die Eltern des Jungen hatten zuletzt erfolglos versucht, in Deutschland eine Herztransplantation zu erreichen. Da der Junge auch einen schweren Hirnschaden hatte, hatte die Uniklinik Gießen sich geweigert, ihn auf die Warteliste zu setzen. Das Landgericht Gießen hatte dem Krankenhaus bereits im Oktober Recht gegeben (mehr hier).

Der Hamburger Herzchirurg Hermann Reichenspurner hat in seinem Berufsleben bereits mehr als 300 Herzen transplantiert. Der Fall Muhammet lässt auch ihn nicht kalt. Er hält es dennoch für «völlig gerechtfertigt, dass in diesem Fall so entschieden wurde», wie er im dpa-Interview sagt. Er wünscht sich aber, dass dadurch eine Debatte angestoßen wird: «Wie können wir in Deutschland eine höhere Rate an Organspenden erzielen?»

Die Frage, ob der Kleine eine Chance zu überleben gehabt hätte, wenn er auf die Warteliste für ein Spenderorgan gekommen wäre, beantwortet der Mediziner differenziert: «Vom Herzen her ja, das muss man fairerweise sagen. Wäre er transplantiert worden, hätte sich die Herzfunktion verbessert. Aber das war ja nicht das einzige Problem. Er hat ja seit der Wiederbelebung auch eine schwere Hirnschädigung. Daher war es völlig gerechtfertigt, dass in diesem Fall so entschieden wurde.»

Die Kriterien für eine Vergabe hält der Fachmann für absolut gerecht. Hierzulande müssten die Organe nach Dringlichkeit UND Erfolgsaussicht verteilt werden, das stünde so im Transplantationsgesetz. Zudem gebe es eine begrenze Ressource: Ihm zufolge stünden mehr als doppelt so viele Patienten auf der Warteliste als Transplantationen durchgeführt werden. «Wenn wir das Gesetz ernst nehmen, können wir nur Patienten transplantieren, die keine Kontraindikation haben», so Reichenspurner. Der 55-jährige gebürtige Münchner ist seit 2001 ärztlicher Leiter des Universitären Herzzentrums Hamburg. Er ist Sachverständiger für Herz- und Lungentransplantation in der Prüfungs- und Überwachungskommission und Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation in der Bundesärztekammer.

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