Türkische Architektenkammer: Erdoğan-Palast wird um 250-Zimmer-Villa erweitert

Der Bau des umstrittenen türkischen Präsidentenpalastes ist offenbar noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben der hiesigen Architektenkammer soll nun ein weiteres Gebäude mit zusätzlichen 250 Räumen entstehen. Für die Fachleute ist das ein weiteres Indiz für den Größenwahn Erdoğans.

Schon jetzt verfügt der neue Präsidentenpalast von Ankara über rund 1000 Zimmer. Der Komplex soll der türkischen Architektenkammer zufolge aber noch nicht abgeschlossen sein. Für Präsident Erdoğan entstehe nun noch einmal eine 250-Zimmer-Villa auf dem Areal.

Die Anlage besteht nicht nur aus einem nicht lizenzierten Palast. Die Residenz, in der der Präsident künftig lebt, ist nach unseren Berechnungen rund 7.000 Quadratmetern groß“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet die Leiterin der Niederlassung in Ankara, Tezcan Karakuş Candan. Sie und ihre Kollegen schätzen, dass dieses weitere Gebäude über zusätzliche 250 Räume verfügen wird.

Schon jetzt gilt der gesamte Komplex als hoch umstritten. Er soll rund eine halbe Milliarde Euro verschlungen haben. Kritiker führen an, dass er zudem illegal auf geschütztem Grund errichtet worden sei (mehr hier). Die neue Präsidentenniederlassung beinhaltet dem Blatt zufolge auch eine 4000 Personen fassende Moschee sowie ein Kulturzentrum für die Bewohner des Palastes. In den Augen von Candan ein „Symbol für Glanz und Aufwand“. Ihrer Ansicht nach sei selbst die Moschee „überzogen“ und zudem eine Kopie.

Canadan kritisiert außerdem, dass das Marmara Haus von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk nicht in den Plänen des neuen Palastes zu sehen wäre. Dieser Umstand, so die Fachfrau, deute darauf hin, dass es in Gefahr wäre. Immerhin befände sich das Haus an gleicher Stelle. Bislang sei es ihnen jedoch nicht erlaubt worden, das Gelände zu betreten, um zu überprüfen, ob das Kulturerbe erhalten werde.

„Der Präsident ist der Auffassung, dass ein mächtiges Land auch einen großen Palast erfordert. Das Weiße Haus, das 5.109 Quadratmeter misst, ist einer der kleinsten Paläste der Welt. Das würde bedeuten, dass die USA ein kleiner Staat ist. Ein großer Palast bedeutet umgekehrt nicht, dass man ein großes Land hat“, so die Architektin. Ali Atakan, Vize-Präsident der Niederlassung, moniert unterdessen, dass der neue Komplex keine „Zeichen der Nation“ enthalte, obschon er „Palast der Nation“ genannt werde.

Der Komplex liegt auf einem 150.000 Quadratmeter großen Gelände innerhalb des Naturschutzgebietes, eines der am besten erhaltenen Grünflächen in Ankara. Hunderte Bäume wurden für das Vorhaben gefällt. Ausgestattet ist der Präsidentensitz mit einer Reihe von High-Tech-Systemen. Insgesamt verfügt er über 1000 Zimmer und ist somit erheblich größer als das Weiße Haus, der Kreml oder der Buckingham Palace.

Zuletzt entbrannte die Kontroverse über das Gebäude erneut, als Finanzminister Mehmet Şimşek in der vergangenen Woche dem parlamentarischen Haushaltsausschuss mitteilte, dass die Gesamtbaukosten bei 1.37 Milliarden Türkischen Lira, umgerechnet 615 Millionen Dollar, lägen. Das ist das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Kosten.

Die türkische Architektenkammer hatte sich jüngst mit einem Brief an Papst Franziskus gewandt. Darin fordern sie das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche auf, ein Zeichen zu setzen und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nicht in seinem neuen Amtssitz zu besuchen. Der Grund: Mit seiner Anwesenheit würde er das illegale Bauwerk legitimieren (mehr hier).

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