Menschenrechtsverletzung: Deutsch-Türke Murat Kurnaz fordert Schließung von Guantánamo​

Acht Jahre nach seiner Entlassung aus Guantánamo​ hat der einstige Häftling Murat Kurnaz seinen Kampf gegen das umstrittene Gefangenenlager verschärft. In Genf forderte er die Vereinten Nationen nun zur Schließlung der Anlage auf. Ihn selbst habe der Aufenthalt fünf Jahre seines Lebens gekostet.

Der in Deutschland geborene und aufgewachsene türkischer Staatsbürger, Murat Kurnaz, wurde von Januar 2002 bis August 2006 ohne Anklage im Gefangenenlager der Guantánamo​ Bay Naval Base festgehalten. Mittlerweile hat er seine Erlebnisse in Haft zu Papier gebracht. Seine Autobiografie „Fünf Jahre meines Lebens“ wurde im vergangenen Jahr verfilmt. Der 32-Jährige hatte nun Gelegenheit, im schweizerischen Genf vor dem UN-Ausschuss gegen Folter vorzusprechen. Die USA muss sich vom Gremium den Vorwurf der Verletzung von Menschenrechten gefallen lassen.

Ich fünf Jahre meines Lebens in Guantánamo​ verloren. Ich werde nicht damit aufhören, von der Folter durch die US-Regierung zu erzählen und ich auch weiterhin für andere in Guantánamo​ sprechen“, zitiert ihn die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Kurnaz war in dieser Woche nach Genf gekommen, um die Vereinten Nationen (UN) darum zu bitten, die USA zu einer Schließung der Anlage aufzufordern. Bereits am Dienstag, also am Tag vor dem zweitägigen Panel des UN-Ausschusses gegen Folter, habe Kurnaz vor dem zehnköpfigen Gremium sprechen können. „Ich wurde 2001 ohne Erklärung mit 19 Jahren in Pakistan verhaftet. Die pakistanische Polizei verkaufte mich für 3000 US-Dollar Kopfgeld an die US-Streitkräfte“, so der gebürtige Bremer. Dann sei er zunächst nach Kandahar in Afghanistan gekommen und schließlich nach Guantánamo​ überstellt worden. „Acht Jahre nach meiner Freilassung kann ich es nicht glauben, dass Guantánamo​ noch immer geöffnet ist.“ Und das, obschon es US-Präsident Barack Obama bereits vor fünf Jahren zugesagt hätte.

Er habe eigentlich während seiner Haft eine faire Behandlung durch die Amerikaner erwartet. Doch ihm sei genau das Gegenteil widerfahren. Seinen Angaben zufolge sei er wiederholt gefoltert worden. Neben Schlägen sei ihm erzwungener Schlafentzug und Waterboarding widerfahren. Auch Nahrung sei ihm über einen längeren Zeitraum entzogen worden. Darüber hinaus habe er auch eine religiöse Unterdrückung erdulden müssen. „Während wir beteten, traten sie gegen die Türen, hörten laut Musik und übergossen uns mit Wasser.“ Noch immer leide er unter den Folgen der physischen und psychischen Misshandlungen.

Während seiner Haftzeit habe er jedoch nie die Hoffnung verloren, eines Tages doch freizukommen. Mittlerweile seien mehr als die Hälfte der 148 Gefangenen freigesprochen worden, so Kurnaz. Doch die USA weigere, sie freizulassen.

Mittlerweile haben die USA vor dem UN-Untersuchungsausschuss offiziell zugegeben, dass sie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2011 gefoltert haben. Man sei seinen eigenen Werten nicht immer treu geblieben. Dafür wolle man nun die Verantwortung übernehmen, signalisierte US-Regierungsberaterin Mary McLeod in der Schweiz.

Das Panel war die erste Anhörung zu Folter durch die USA seit dem Jahr 2006. Bereits am Mittwoch war es in Genf um das Gefangenenlager auf Kuba sowie die Misshandlungen von Gefangenen im irakischen Abu Ghraib gegangen. Aufgeworfen wurden außerdem generelle Fragen zur Lage in US-Gefängnissen, zur Todesstrafe, zum Umgang mit Migranten und zur Polizeigewalt.

Neben Kurnaz wurden auch die Eltern des vor drei Monaten von einem weißen Polizisten erschossenen schwarzen US-Teenagers Michael Brown gehört (mehr hier). Der Ausschuss will  seinen Bericht am 28. November vorlegen. Darüber hinaus soll es konkrete Empfehlungen für Washington geben.

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