Statistisches Bundesamt: Menschen mit Migrationshintergrund stellen ein Fünftel der Bevölkerung

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland beträgt mittlerweile mehr als 20 Prozent. Allein im vergangenen Jahr ist diese Bevölkerungsgruppe um fast vier Prozent angewachsen. Das ist der größte Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr seit Beginn der Erhebung durch das Statistische Bundesamt 2005.

Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist in Deutschland weiter gestiegen – vor allem weil mehr Zuwanderer gekommen sind und Migranten Kinder bekamen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag in Wiesbaden berichtete, wuchs die Bevölkerung mit Migrationshintergrund im engeren Sinn im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent. „Dies ist der größte Zuwachs gegenüber dem Vorjahr seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005“, berichtete das Amt auf Basis des Mikrozensus.

2013 lebten in Deutschland nach einer weiter gefassten Definition rund 16,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das waren 20,5 Prozent der Bevölkerung. Zu diesem weiter gefassten Kreis zählen die seit 1950 Zugewanderten und deren Kinder – auch wenn diese eingebürgert sind und nicht mehr bei den Eltern wohnen – sowie die ausländische Bevölkerung. Eine Prozentzahl nach der engeren Definition – nach der ausgezogene Migrantenkinder nicht mitgezählt werden – lag nicht vor.

„Mit 9,7 Millionen hatte der Großteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund einen deutschen Pass, gut 6,8 Millionen waren Ausländerinnen und Ausländer“, so Destatis. Rund ein Drittel aller Menschen mit Migrationshintergrund seien in Deutschland geboren (6,0 Millionen), etwa zwei Drittel seien zugewandert (10,5 Millionen). 69,4 % der Zuwanderer stammten demanch aus einem europäischen Land, 36,6 % aller Zuwanderer aus einem der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Aus Asien kamen 17,8 % der Zuwanderer, aus Afrika 3,2 %. Die wichtigsten Herkunftsländer seien Destatis zufolge die Türkei (12,8 %), Polen (11,4 %) und die Russische Föderation (9,0 %), gefolgt von Kasachstan (6,9 %) und Rumänien (4,4 %). Die Gastarbeiterländer Italien (4,0 %) und Griechenland (2,1 %) belegten die Plätze sechs und sieben.

Wie Destatis anmerkt, würden sich auch 25 Jahre nach dem Mauerfall die alten und neuen Bundesländer mit Blick auf die Bevölkerung mit Migrationshintergrund sehr deutlich unterscheiden. Der Großteil der Personen mit Migrationshintergrund lebe dem Bundesamt zufolge im Jahr 2013 im früheren Bundesgebiet und Berlin (16,0 Millionen; 96,6 %), entsprechend wenige in den neuen Ländern ohne Berlin (570 000; 3,4 %). Dabei reiche der Bevölkerungsanteil der Personen mit Migrationshintergrund von 4,1 % in Thüringen bis 28,9 % in Hamburg.

Für den Integrationsbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, Josip Juratovic, ergeben sich aus den vorgelegten Zahlen wegweisende Möglichkeiten. In einer den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegenden Mitteilung erklärt der Politiker:

„Wir haben jetzt die historische Gelegenheit das ’neue deutsche Wir‘ zu formen! Es wird sich gerade in den nächsten Jahren zeigen, ob wir den Mut haben, dem demografischen Wandel positiv zu begegnen und unser Land zu einer Heimat für alle Bürger und Bürgerinnen zu entwickeln. Dabei ist es entscheidend, dass wir alle gleichberechtigt miteinander sprechen, egal ob mit oder ohne Einwanderungsgeschichte.“

Man sei gerade dabei, die migrationspolitischen Instrumente der Politik zu modernisieren und das sei gut so. Dabei dürfe man aber nicht die Integrationspolitik außer Acht lassen. Ohne eine Modernisierung der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik werden die Menschen zwar ihren Aufenthalt in Deutschland regeln. Viele werden aber weiterhin nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen!“, so Juratovic.

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