Ehrenmord in der Türkei: 16-Jähriger wird von Familie seiner Freundin lebendig begraben

Im Westen der Türkei hat sich ein besonders grausamer Mord an einem Teenager zugetragen. Der Junge wurde gefoltert und von der Familie seiner Freundin lebendig begraben. Der beteiligte Vater und Bruder haben den Ehrenmord mittlerweile bei der Polizei gestanden.

Vater und Bruder der Freundin des Opfers wurden am 16. November in der türkischen Provinz Denizli festgenommen. Zuvor hatten die beiden Männer gestanden, den Liebhaber ihrer Tochter bzw. der Schwester aus Gründen der „Ehre“ gefoltert und getötet zu haben.

Die Leiche des 16-jährigen Onur S. wurde in einem Wald von Forstbeamten entdeckt. Am 13. November hatte die Familie des jungen Elektrikers ihn als vermisst gemeldet. Sein Körper habe diverse Schnittverletzungen aufgewiesen, die ihm vor dem Eingraben zugefügt worden sein müssen, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Die Polizei nahm den 18-jährigen A.T. fest, nachdem Bilder einer Überwachungskamera ihn zeigten, wie er den Jungen schlug und in sein Auto verfrachtete. Die drei Freunde des Bruders, der 17-jährige S.Ö. sowie die beiden 18-jährigen H.H.B. und M.T., die im Fahrzeug saßen, wurden ebenso wie der 46-jährige Vater des Mädchens verhaftet, so das Blatt weiter. Sowohl der Vater als auch der Bruder hätten dann im Verhör die Tat gestanden. Gemeinsam hätten sie Onur entführt, die drei anderen jungen Leute hätten jedoch nichts von dem Mord gewusst.

Der Bruder soll auf der Polizeiwache angegeben haben, dass er den Teenager gemeinsam mit seinem Vater gefoltert habe. Unter anderem hätten sie mit einem Messer 65 Mal auf den Jungen eingestochen. Anschließend hätten sie ihn lebendig begraben. Als Grund für die grausame Tat gab er an, dass Onur die Schwester bzw. Tochter nicht habe heiraten wollen, obschon beide vermeintlich sexuell aktiv gewesen sein sollen.

Eine erste Untersuchung der Leiche habe mittlerweile ergeben, dass der Junge in der Tat 65 Mal mit einem Messer verletzt worden und anschließend noch lebend begraben worden sei. Aufgrund dessen hätten sich seine Lungen mit Dreck gefüllt und er sei verstorben. Auch der Vater des Mädchens bestätigte diese Resultat mittlerweile. Er gab darüber hinaus an, dass der Junge um sein Leben gekämpft und um den Segen seiner Mutter gefleht hätte. „Es ist eine Frage der Ehre und ich bedauere es“, zitiert ihn das Blatt. Sie hätten nicht gewusst, dass es so sein würde. Beide Männer befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Die drei Freunde des 18-Jährigen sollen hingegen wieder auf freiem Fuß sein.

Noch immer sind Ehrenmorde ein großes Problem in der Türkei, vor allem in den ländlichen Gebieten der östlichen und südöstlichen Türkei. Bis vor kurzem spielte den Tätern sogar das türkische Recht in die Hände. Oftmals kamen sie viel zu milde davon, wenn sie etwa eine „Provokation” geltend machen konnten. Dank NGOs, die sich den Rechten von Frauen verschrieben haben, der ständigen Thematisierung in den Medien und den Bemühungen der Türkei in die Europäische Union aufgenommen zu werden, werden Ehrenmorde in der Türkei mittlerweile weitestgehend geächtet und führen heute teils zu lebenslangen Haftstrafen für diejenigen, die sie verübt haben.

Obschon sich die Sichtweise der Gesellschaft und der Justiz gewandelt habe, scheint das die Täter jedoch nicht aufzuhalten. Denn die Bedrohung für Frauen und auch Männer in der Türkei reiße nicht ab. „Dank Kampagnen und einer Reihe von Filmen, die im vergangenen Jahr dazu in die Kinos kamen, ist es zumindest gelungen, Ehrenmorde von einer akzeptierten Praxis in eine Kulturschande zu verwandeln”, so das Blatt bereits im Frühjahr 2012 (mehr hier).

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