Keine schlechten Vorbilder mehr: Türkischer Fußballclub Gençlerbirliği straft Spieler mit Bart ab

Der türkische Süper Lig Club Gençlerbirliği Ankara hat seinen Spielern untersagt, ihre Bärte wachsen zu lassen. Hintergrund ist eine Äußerung des Vorstands. Dieser ist der Auffassung, dass die Fußballer mit Gesichtsbehaarung aussehen würden, wie Schüler von islamischen Berufsschulen.

Als Beispiele dafür, wie seine Spieler nicht auftreten sollten, nannte Gençlerbirliği-Vorsitzender Ilhan Cavcav gleich eine ganze Reihe bekannter Gesichter der türkischen Top-Liga. Ein nicht akzeptables Äußeres haben im zufolge der kroatische Trainer von Besiktas, Slaven Bilic, der GalatasarayMittelfeldspieler Selcuk Inan sowie der FenerbahceTorhüter Volkan Demirel.

Nun greift der Verein durch. Künftig soll es eine saftige Geldbuße in Höhe von 12.830 Dollar für jeden Spieler mit Bart geben. Dass diese leicht zu umgehen ist, davon ist der Vorsitzende überzeugt:Ich bin 80 Jahre alt und ich rasiere mich jeden Tag“, zitiert ABC News Cavcav.

Der Verein sei keine ImamHatip Schule. Seine Spieler seien Sportler und sollten daher auch ein Vorbild für die Jugend sein, ist er überzeugt. Was die um sich greifende Bartmode in der türkischen Fußballwelt anrichten könne, das habe er selbst an seinem 23-jährigen Enkelsohn beobachten können.

Cavcav habe sich auch an den Vorsitzenden des türkischen Fußballverbands TFF, Yildirim Demiroren, gewandt. Ginge es nach ihm, müsste nun ein nationales Bartverbot für türkische Fußballer eingesetzt werden. Doch ohne Erfolg: „Er sagte mir, dass man eine solche Beschränkung nicht verhängen könne, weil die UEFA das nicht zulassen würde“, so der Gençlerbirliği-Vorsitzende. Er selbst habe die Nase voll von der UEFA“ und wünschte sich, dass es eine Ausweichmöglichkeit gebe.

Cavcavs Club kam diesen Monat unter Beschuss, als der deutsch-türkische Spieler Deniz Naki nach einem tätlichen Angriff seinen Vertrag kündigte und das Land verließ (mehr hier). Der 25-Jährige wurde am 2. November von unbekannten Tätern in Ankara beleidigt, bedroht und brutal zusammengeschlagen. Der deutsch-türkische Fußballer erlitt dabei Verletzungen unter einem Auge und an einer Hand. Der einstige St. Pauli-Spieler (2009 bis 2012) wechselte im Jahr 2013 für 200.000 Euro von Paderborn zum türkischen Erstligisten Gençlerbirliği. Sein Vertrag wäre eigentlich bis 2016 gelaufen.

Auch andernorts in der Türkei geraten Bärte zu einem regelrechten Tabu. Aus Angst, mit einem Islamisten verwechselt zu werden, lassen sich Männer im Südosten des Landes offenbar vermehrt den Bart entfernen. Übergriffe aufgrund von falschen Verdächtigungen gab es bereits (mehr hier).

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