Türkische Religionsbehörde: Private Fotos auf Facebook sind gegen den Islam

Das Türkische Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet) mahnt gläubige User an, sich in den Sozialen Medien nicht zu offen zu präsentieren. Gemäß den Regeln des Islam sei es unangemessen hier persönliche Fotos zu veröffentlichen. Auch Freundschaften sollten nicht auf diesem Wege geschlossen werden.

Für eine religiöse Person sei es unanständig, die eigene Privatsphäre auf virtuellen Plattformen darzustellen und mit anderen Menschen zu teilen, so die Diyanet in ihrer Monatszeitschrift.

„Die Leute sollten dieser Gefahr mit Vorsicht begegnen. Es ist notwendig, zu Gott zu beten und Gottesdienst zu feiern, um Sünden zu vermeiden und sich mit nützlicheren Dingen zu beschäftigen. Nach diesem Prinzip sollten Freundschaften geschlossen werden“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet die Religionsbehörde.

Demnach hätten sowohl Frauen als auch Männer durchaus das Recht, das Internet zu benutzen. Gleichzeitig müssten sie jedoch auch ihr Leben schützen. Gerade das Leben im Rahmen der islamischen Moral und Lebensweise sei wichtig für einen Muslim.

Der Rat der Diyanet habe jedoch gemischte Reaktionen unter bekannten religiösen Vordenkern hervorgerufen, so das Blatt weiter. So ließ etwa der ehemalige Mufti von Istanbul, Professor Abdülaziz Bayındır, seine Unterstützung für die Warnung verlauten. „Niemand hat das Recht, das Leben des anderen bloßzustellen. Wir haben nur einen Vorschlag für diejenigen, die ihre eigene Privatsphäre teilen: Tut das nicht, es ist falsch. Doch letztlich liegt es an ihnen selbst“, sagt Bayındır. Professor Talip Özdeş billigte die Warnung ebenfalls. Seiner Ansicht nach seien die Konzepte von halal und haram in der virtuellen Welt gleichermaßen gültig.

Haydar Kırbaşoğlu von der Universität in Ankara sieht das allerdings anders. Er fragt sich, ob hinter der Empfehlung der Religionsbehörde vielleicht politische Motive stecken könnten. Die Journalistin Ayşe Sucu betrachtet die Diyanet ohnehin als ausgesprochen konservativ. Sie sei eine Behörde, die sogar Bilder von Frauen und Männern, die Händchen halten, als Sünde betrachten würden. Auch der Staat hat offenbar ein Auge darauf, was seine Bürger im Internet posten (mehr hier).

Verschärfte Töne in diese Richtung gab es bereits vergangenen Sommer aus Indien. Kleriker dort haben Selbstdarstellungen auf Facebook als unislamisch bezeichnet. Muslimische Mädchen sollten damit ihrer Ansicht nach gar nichts zu schaffen haben. Eigene Schnappschüsse in Sozialen Netzwerken? Geht es nach ihnen, ist das künftig verboten. Sunnitische und schiitische Kleriker waren sich darin einig, dass wahre Beziehungen und Freundschaften nicht über das Internet entstehen könnten. Entsprechend sei es auch falsch, dass Mädchen hier ihre Reize zur Schau stellen würden.  Solche Social-Networking-Sites sollten für sinnvollere Dinge als das Vorzeigen der körperlichen Schönheit genutzt werden. Geschäftsbeziehungen innerhalb der virtuellen Welt seien jedoch in Ordnung, hieß es damals (mehr hier).

Bereits vor zwei Jahren wurde eine Art islamisches Facebook names Salamworld angekündigt. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die nach grundlegenden muslimischen Werten gestaltet worden sein soll (mehr hier). Bislang hat sich in diese Richtung allerdings wenig getan. Nach wie vor wird mit dem Hinweis „Coming Soon“ vertröstet.

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