Türkische Entrepreneure: Gute Ideen, aber keine Strategien

Der Vorstandsvorsitzende der größten privaten Fluggesellschaft der Türkei glaubt, dass türkische Jungunternehmer vor guten Ideen nur so strotzen. Zwar würden sie diese auch entsprechend kommunizieren, langfristig fehle es ihnen dann aber doch an Plänen, diese auch umzusetzen.

Der Pegasus CEO Ali Sabanci kann den jungen türkischen Unternehmergeist derzeit mit einem prägnanten Satz zusammenfassen: Sie haben Mut, aber keine Pläne“, so seine Diagnose nach einem Treffen mit 615 Jungunternehmern im Zuge des Entrepreneurs as Power of Future (G3)-Forums in Istanbul. Doch schaffen es die frischen Ideen tatsächlich in den Markt, stehen die Ideengeber vor einem weiteren Problem. Bislang schützen sie ihre Erfindungen nämlich viel zu wenig.

Sabancı, der im Rahmen des Forums als einer von 90 Mentoren auftrat, ist überzeugt: „Mut ist entscheidend, er allein reicht aber nicht“. „Wenn wir fragen,was ist die Idee, was willst du tun?‘, dann geben alle eine gute Antwort“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Etwas aufzeigen, das könnten sie alle hervorragend. Doch wenn es ernst würde, die Dinge niedergeschrieben und geplant werden müssten, dann scheiterten sie. „Planung ist etwas, was sie nicht gelernt haben“, so Sabancı.

Der Fachmann ist überzeugt davon, dass es eigentlich gar nicht mehr Ideen brauche. Viel wichtiger sei es, die bereits vorhandenen Ideen auch tatsächlich in Projekten zu verwirklichen. Gleichzeitig lobt er die türkischen Jungunternehmen als Menschen, die „sich an etwas stören“. Nur so könne man erfolgreich sein. Wie das funktionieren könnte, das hat sich erst im vergangenen Herbst eine türkische Delegation in Baden-Württemberg angesehen (mehr hier).

In eine ähnliche Richtung äußerte sich Hanzade Doğan Boyner, Vorstandsvorsitzende des türkischen Medienunternehmens Doğan Gazetecilik, am 18. November auf einer anderen Veranstaltung. Sie unterstrich die Bedeutung und den Bedeutungswandel des Unternehmertums in der heutigen Welt. Heutzutage sind unternehmerische Unternehmen erfolgreich, nicht große Unternehmen.“ Ihrer Ansicht nach seien jene Unternehmer erfolgreich, die mutig seien, träumten, fantasievoll und bereit seien, Änderungen der bestehenden Situation durch eine experimentelle und leidenschaftliche  Suche nach Perfektion vollziehen würden. So konnte beispielsweise das Team unter der Leitung von Dr. Hakan Gürsu, Middle East Technical University (METU), 2012 für sein Projekt „Cans’n Caps” gleich zwei der begehrten „Green Dot Awards“, den so genannten Umwelt-Oscar, gewinnen (mehr hier). Zuletzt haben Studenten aus Istanbul ein Elektroauto gebaut, das sie nun in der ganzen Türkei testen. Dabei hat das „T-1“ eine hervorragende Alltagstauglichkeit bewiesen. Weite Strecken können mit bis zu 130 Stundenkilometern zurückgelegt werden (mehr hier).

Bringen Jungunternehmer all diese Eigenschaften mit, ist das jedoch kein langfristiger Erfolgsgarant. Denn: Ausländische Firmen in der Türkei sind schnell, wenn es um den Schutz ihrer eigenen Marken und Produkte geht – viel schneller als heimische Unternehmen. Letzteren fehlt offenbar noch immer das Bewusstsein für eine adäquate Absicherung ihrer Erzeugnisse in der Türkei als auch international. Das geht aus Daten des türkischen Patentamtes aus dem Jahr 2012 hervor (mehr hier).

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