Papst-Reise in die Türkei: Franziskus trifft Erdoğan im Präsidentenpalast

Papst Franziskus wird in wenigen Tagen als erstes Staatsoberhaupt vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in dessen neuem Prunkpalast empfangen. Der Pontifex will seine Visite ganz ins Zeichen ökumenischer Begegnungen stellen. Entgegen vieler Erwartungen fehlt auf dem offiziellen Reiseprogramm jedoch eine Begegnung mit syrischen Flüchtlingen.

Papst Franziskus bleibt der Tradition seiner Vorgänger treu: Wie Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besucht auch der Argentinier relativ kurz nach seinem Amtsantritt die Türkei. Die sechste Auslandsreise des 77-Jährigen vom 28. bis 30. November steht vor allem im Zeichen der Ökumene. Aber auch die angespannte politische Lage im Nahen Osten führt dazu, dass der Besuch in dem muslimisch geprägten Land mit Spannung erwartet wird.

Auch ein Treffen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ist Teil des straffen Terminplans – der Papst wird als erstes ausländisches Staatsoberhaupt in dem neuen Präsidentenpalast Erdoğans empfangen. Das «Ak Saray» («Weißer Palast») genannte Anwesen ist umstritten, die regierungskritische Architektenkammer in Ankara nennt es einen Schwarzbau und rief Franziskus auf, es zu meiden.

«Der Papst geht, wie jeder höfliche Mensch, dorthin, wo ihn der Präsident empfangen will», erklärte dazu Vatikan-Sprecher Federico Lombardi und stellte klar, dies sei kein Problem des Pontifex‘. Dennoch sind Beobachter gespannt, wie der Bescheidenheit predigende Franziskus in dem Prunk-Bau des Staatspräsidenten auftreten wird.

Franziskus reist genau wie vor acht Jahren Benedikt XVI. Ende November in die Türkei – Anlass ist das Patronatsfest der orthodoxen Kirche, das Andreasfest am 30. November. Dieses wird der Papst gemeinsam mit dem Patriarchen Bartholomäus in Istanbul feiern. Ein ökumenisches Gebet, ein privates Treffen und die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung stehen ebenso auf dem Programm des Patriarchen und des Papstes. Es habe sich ein «brüderlicher und freundschaftlicher Dialog» zwischen ihnen entwickelt, sagte Lombardi.

«Ich sehe dieser Begegnung mit großen Erwartungen entgegen», sagte Professor Wolfgang Thönissen vom Institut für Ökumenik in Paderborn der Deutschen Presse-Agentur. «Man muss sehen, dass das Ganze einen hoch symbolischen Wert hat.» Und auch der Patriarch blickt dem erneuten Treffen mit Franziskus nach einer Begegnung im Mai in Jerusalem gespannt und optimistisch entgegen. Er werte dies als «wichtiges Zeichen der Verbundenheit von orthodoxer und katholischer Kirche», erklärte Bartholomäus laut Radio Vatikan vor einigen Wochen.

Entgegen vieler Erwartungen fehlt auf dem offiziellen Reiseprogramm des Papstes jedoch eine Begegnung mit syrischen Flüchtlingen, die zu Hunderttausenden jenseits der Grenze Zuflucht gesucht haben. Dies sei nicht explizit geplant – aber natürlich könnten etwa bei einem Treffen zwischen Franziskus und Mitgliedern der katholischen Gemeinde in Istanbul Flüchtlinge teilnehmen, betonte Lombardi. Die Situation in der Türkei und damit auch im Nahen Osten werde zudem sicherlich ein Thema der Reise sein.

Gerade wegen der oft unkonventionellen und spontanen Gesten des Argentiniers werden auch seine Besuche in der Hagia Sophia und in der Blauen Moschee gespannt verfolgt. Anschließend stehen für das Oberhaupt der katholischen Kirche eine Heilige Messe und das Treffen mit Katholiken in der Türkei an – denn auch deren Situation dürfte während der Reise eine Rolle spielen. Neben der großen islamischen Mehrheit leben nur knapp 100 000 Christen in der Türkei.

Christen und andere Minderheiten können ihre Religion in der Türkei zwar grundsätzlich ausüben, sie leiden aber unter Einschränkungen, wie auch der aktuelle EU-Fortschrittsbericht bemängelt. So darf die orthodoxe Kirche etwa keine Priester in der Türkei ausbilden. Ausländische Kleriker wiederum haben Probleme, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Die islamische Religionsgemeinschaft der Aleviten kämpft für die Gleichstellung ihrer «Cemevi» genannten Gebetshäuser mit Moscheen.

Thönissen ist überzeugt davon, dass der Papst die Religionsfreiheit ansprechen wird. «Auf diese Freiheit wird der Papst sicher Wert legen, und das wird er in den Vordergrund stellen.»

Hier geht es zum Programm der Papst-Reise.

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