Wegen Drogen-Schmuggel: Saudi Arabien köpft türkischen Staatsbürger

Saudi-Arabien hat einen türkischen Mann wegen Drogenhandels verurteilt und enthauptet. Die Vollstreckung kommt für das ultrakonservative Königreich zu einem sensiblen Zeitpunkt. Beobachter sind angesichts der steigenden Hinrichtungszahlen in diesem Jahr ohnehin äußerst besorgt.

Der Türke Ali A. soll nach Angaben des Innenministeriums am Donnerstag in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad enthauptet worden sein. A. sei zum Tode verurteilt worden, weil er eine „große Menge Drogen“ erhalten haben soll. Mit seiner Hinrichtung steigt die Zahl der Menschen, die in diesem Jahr im Königreich enthauptet wurden, auf ganze 70. Im Jahr 2013 sollen es ebenfalls 78 Personen gewesen sein.

Weitere Details über das Urteil gegen den Türken wurden bislang nicht bekannt. Saudi-Arabien habe mitunter eine der höchsten Hinrichtungsraten weltweit, sei bereits häufig von Menschenrechtsorganisationen kritisiert worden, so das Nachrichtenportal Press TV zum aktuellen Fall. Unter anderem habe Amnesty International gewarnt, dass Saudi Arabien seine Hinrichtungspraxis in einem „atemberaubenden Tempo“ wieder aufgenommen habe. Die Menschenrechtsorganisation zeigte sich besorgt über Dutzende Gefangene, die sich derzeit in saudi-arabischen Todestrakten aufhielten. Die Menschenrechtslage im Königreich bezeichnete die Organisation als „schlimm“.

In Saudi Arabien wird die Todesstrafe meist in Form einer Enthauptung vollstreckt. Zu den Delikten, die derart geahndet werden, zählen unter anderem Vergewaltigung, Mord, Apostasie, bewaffneter Raub und Drogenhandel. Daneben sollen saudi-arabische Richter in diesem Jahr auch Todesurteile gegen fünf Pro-Demokratie-Befürworter, darunter den prominenten Aktivisten und Geistlichen Nimr al-Nimr, verhängt haben, weil sie an Protesten teilgenommen hatten, so Al Akbhar English. Human Rights Watch habe die saudischen Behörden dazu aufgefordert, den verantwortlichen Strafgerichtshof abzuschaffen. Eine Untersuchung habe ergeben, dass es erhebliche Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit der Prozesse gebe. Rechtsanwälten werde der Zugang verweigert, außerdem würden Geständnisse durch Folter erpresst und die Beschuldigten dann allein aufgrund dieser Geständnisse zum Tode verurteilt und schließlich exekutiert. Ein unabhängiger Experte der Vereinten Nationen habe erst im vergangenen September ein sofortiges Moratorium für die Todesstrafe in Saudi-Arabien gefordert.

Der jüngste Fall des Türken Ali A. habe für weltweite Reaktionen gesorgt, berichtet die International Business Times. Im Internet habe seine Enthauptung zu einem Aufschrei gegen die Menschenrechtsverletzungen im Königreich geführt. „Ich bin sprachlos angesichts dieses barbarischen Akts alle Beteiligten sollten festgenommen und ebenso mit ihnen verfahren werden“, zitiert das Blatt einen Kommentator.

Saudi Arabien ist derzeit das einzige Land, das Menschen köpft. Die Vollstreckungen finden in aller Öffentlichkeit statt. Parallelen zwischen der archaischen Strafpraxis der saudischen Monarchie und ihren Nachahmern von der Terrormiliz Islamischer Staat werden jedoch nicht gelten gelassen, so die Zeit. Was ISIS mache, seien Verbrechen; was man selbst tue, geschehe nach Recht und Gesetz des Islam, zitieren sie Zeugen einer Hinrichtung. Enthauptungen seien ihnen zufolge humaner und weniger qualvoll als Giftspritze oder elektrischer Stuhl.

Mehr zum Thema:

UN-Report: Yakuza nutzt Istanbul als Drogenumschlagsplatz
Flughafen Istanbul: Mann mit 2,5 Millionen Dollar Bargeld geschnappt
Deniz Seki: Meistgesuchter Popstar der Türkei nach sechs Monaten Flucht gefasst

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.