Syrien und Irak: 60 Terrorkämpfer aus Deutschland getötet

Sie reisen in den Krieg, um für einen Gottesstaat zu kämpfen - und sterben zu Dutzenden. Viele Islamisten kehren nun zurück und planen wahrscheinlich Anschläge hierzulande. Die Lage ist ernst, warnt der deutsche Inlandsgeheimdienst.

In Syrien und im Irak sind inzwischen mindestens 60 deutsche Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden. Neun von ihnen starben bei Selbstmordanschlägen, wie Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen der «Welt am Sonntag» sagte. Mittlerweise seien mindestens 550 Islamisten aus Deutschland ins Kampfgebiet gereist. Anschläge drohten aber auch hierzulande. «Es besteht eine gewisse Gefahr», warnte er.

Im Irak und in Syrien beherrschen die sunnitischen Dschihadisten weite Landstriche und terrorisieren in ihrem selbst ausgerufenen Kalifat Minderheiten und Andersgläubige. Ihre Streitmacht wird auf Zehntausende von Kämpfern geschätzt.

Kurdische Peschmerga-Kämpfer brachten am Sonntag die IS-Einheiten im Irak weiter in Bedrängnis und rückten im nördlich gelegenen Dschalaula ein. Dabei befreiten sie nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw einen Großteil der vom IS kontrollierten Stadt. Auch ein nahe gelegenes Militärlager sei zurückerobert worden, berichtete die Nachrichtenseite Al-Sumaria News. IS-Dschihadisten hatten Dschalaula Anfang August erobert. Nach Medienberichten sind sie nun auf dem Rückzug.

Bei den internationalen Luftangriffen gegen die Extremisten in Syrien sind seit ihrem Beginn Ende September mehr als 900 Menschen getötet worden. Wie die oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachter erklärten, waren darunter 785 meist ausländische Anhänger der IS-Miliz und 72 Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front. Getötet wurden demnach auch 52 kurdische Kämpfer oder Zivilisten.

Verfassungsschutzchef Maaßen warnte, inzwischen seien mindestens 180 IS-Kämpfer nach Deutschland zurückgekehrt. Die Behörden behielten sie im Blick, könnten sie aber nicht rund um die Uhr bewachen.

Der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Da laufen tickende Zeitbomben durch die Gegend.» Die rasant gestiegene Zahl gefährlicher Islamisten hierzulande überfordere die Sicherheitsbehörden. «Für die 24-Stunden-Überwachung eines Gefährders brauchen wir 25 Kollegen. Das ist illusorisch, dazu sind wir nicht in der Lage», sagte Plickert.

Hamburgs Verfassungsschutzchef Torsten Voß sagte dem «Spiegel», Terrorgefahr gehe auch von Islamisten aus, die für den «Islamischen Staat» (IS) kämpfen wollen, aber von der Polizei an der Ausreise gehindert werden. Beispiele gebe es aus Kanada und Australien.

Erst am Freitag hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) berichtet, die deutschen Behörden hätten rund 230 sogenannte Gefährder im Visier. «Das sind Menschen, von denen nicht auszuschließen oder sogar wahrscheinlich ist, dass sie einen Anschlag planen. Mit Umfeld reden wir dann über 1000 Leute.»

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