Uralte islamische Kunst: Türkisches Papier könnte UNESCO-Weltkulturerbe werden

Der Vorsitzende des türkischen UNESCO-Nationalkomitees schürt die Hoffnung, dass sich schon bald eine bekannte islamische Kunst auf der Weltkulturerbe-Liste wiederfinden könnte. Im Blick hat Professor Dr. Öcal Oğuz das so genannte Ebru. Im Volksmund wird es auch als türkisches Papier bezeichnet und gilt als eine der prägenden Künste im goldenen Zeitalter des Osmanischen Reichs.

Die Aussicht auf eine baldige Aufnahme in die UNESCO-Liste schürte Professor Dr. Öcal Oğuz erst vor wenigen Tagen. Ihm zufolge wäre es mittlerweile so gut wie sicher, dass Ebru aufgenommen werde. Schon seit einigen Jahren hat die Türkei ihre Bemühungen verstärkt, ihre Kulturgüter stärker in den internationalen Fokus zu rücken.

Geht es nach Oğuz, werde der Zuschlag durch das Welterbekomitee in Paris definitiv erfolgen, so das türkische Nachrichtenportal Worldbulletin. Ob er Recht behält, wird sich allerdings erst in einigen Monaten zeigen. Die nächste Session findet vom 26. Juni bis 8. Juli 2015 in Bonn statt. Das Komitee selbst besteht aus Vertretern von 21 der Staaten, die der Welterbekonvention beigetreten sind. Seit vergangenen Juni 2014 die einstige Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und Vorgängerin von Aydan Özoğuz, Maria Böhmer, Präsidentin des UNESCO-Welterbekomitees. Seit 2011 ist Deutschland wieder Mitglied des Welterbekomitees. Im Rahmen der jährlichen Sessionen wird über Neuaufnahmen bzw. Streichungen von Welterbestätten entschieden oder bereits auf der Liste befindliche Welterbestätten auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.

Ebru ist eine der ältesten traditionellen türkisch-islamischen Kunstformen. Ihr genauer Entstehungszeitpunkt ist bis heute allerdings weitestgehend unbekannt. Bezeichnet wird damit die Kunst des Marmorierens beziehungsweise des Malens auf dem Wasser. „Dabei werden in einer dafür vorgesehenen Wanne (‚tekne‘) verschiedene Farbmischungen auf Leimwasser (‚kitre‘) aufgetragen und mit Spezialpinseln, die aus Rosenholz und Pferdehaar bestehen, in Ornamente, Kalligraphien, Blüten oder Muster verzogen“, so der Blog Alaturka. Anschließend werde auf das gemalte Bild ein Papierbogen aufgedrückt, bis die Farbe angenommen wird. Zum Schluss wird das Bild getrocknet und geglättet. „Das früheste von Historikern als authentisch eingestufte Exemplar wird auf das Jahr 1519 datiert. Es wird allerdings vermutet, dass sich in diesem Stadium die Entwicklung der türkischen Ebru bereits an ihrem Höhepunkt befand, so dass eine Rückdatierung auf das 8. bzw. 9. Jahrhundert angenommen werden kann“, heißt es hierzu weiter.

In dem Bemühen, die historischen Reichtümer des Landes für künftige Generationen zu bewahren, hat das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus seine Arbeit bereits in den vergangenen Jahren intensiviert. Das Ziel: Deutlich mehr islamische oder Stätten alter Zivilisationen sollten es in den kommenden auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste schaffen. Mit Erfolg, wie sich schon Ende 2012 abzeichnete: In den drei vorangegangenen Jahren hatten sich die Einträge zumindest auf der Tentativliste mehr als verdoppelt. Damit befanden sich dort bis zum fraglichen Zeitpunkt 37 historische Stätten aus der Türkei, wovon allein zwölf 2012  dazu gekommen waren (mehr hier).

Mittlerweile finden sich auf der endgültigen Liste 13 Positionen. 2014 kamen hier noch Bursa und Cumalıkızık sowie Pergamon und seine vielschichtige Kulturlandschaft hinzu. Auf der Tentativliste werden aktuell 52 aufgelistet.

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