Respektpreis des „Bündnisses gegen Homophobie“: Türkischer Schiedsrichter Dinçdağ in Berlin ausgezeichnet

Der erste offen homosexuelle türkische Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ ist in dieser Woche mit dem Respektpreis 2014 geehrt worden. Entgegegen nahm er die Auszeichnung in Berlin aus den Händen des Schirmherren und regierenden Bürgermeisters der Hauptstadt, Klaus Wowereit. Der Referee wurde 2008 nach seinem Zwangs-Outing aus dem türkischen Fußballverband (TFF) verbannt.

Im Rahmen einer Feierstunde im Berliner Grand Hotel Esplanade wurde Halil İbrahim Dinçdağ am vergangenen Montag der Respektpreis des „Bündnisses gegen Homophobie“ übergeben. Der 38-Jährige kämpft in der Türkei seit Jahren um Anerkennung.

„In der öffentlichen Darstellung in der Türkei wird Dinçdağ seit Jahren aufgrund seiner Homosexualität diskriminiert und erhält Morddrohungen, da er von seiner Forderung nicht abrückt, wieder Verbandsspiele pfeifen zu dürfen“, berichtet hierzu das Magazin Männer. Dinçdağ, der infolge der Ausgrenzung unter anderem seine Arbeitsstelle als Radiomoderator verloren habe, führe in Istanbul seit Jahren einen Rechtsprozess, stellvertretend für die gesamte türkische LGBTI-Community. Bereits 2011 machte Dinçdağ deutlich: „Ich werde so lange kämpfen, bis ich meine Rechte als Schiedsrichter zurück bekomme. (…)Homosexualität gehört in Europa zur Normalität. Ich bin traurig darüber, dass es in der Türkei nicht der Fall ist.” (mehr hier).

Neben Halil İbrahim Dinçdağ waren für den Preis auch die Initiative HEROES, die Rapperin Sookee sowie zwölf transgeschlechtliche Menschen nominiert. Das Respektpreis-Kuratorium 2014 bestand aus den Bündnis-Mitgliedern Radisson Blu (Torsten Dahlke), Visit Berlin (Yasmine-Blanche Werder), Tennis Borussia Berlin (Christian Rudolph), der Unternehmensberatung [know:bodies] (Dr. Astrid Nelke) sowie den beiden Bündnis-Trägern Land Berlin (Florencio Chicote) und dem LSVD Berlin-Brandenburg (Christa Arnet). Die 80 Mitglieder des Bündnisses haben mit einfacher Mehrheit über den Preisträger 2014 entschieden, so das Magazin Männer weiter. Warum man sich für diese Vier entschied, machte Kuratorin Christa Arnet vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) deutlich: Allesamt würden sie mit „ihrer Arbeit und ihrem Wirken richtungsweisende Signale für die Gesamtgesellschaft aussenden“.

Der türkische Referee sorge vor einigen Jahren für internationales Aufsehen. Er hatte seinen Wehrdienst zunächst aufgeschoben, wurde im Oktober 2008 dann aber doch eingezogen. Nach seinem Outing als Homosexueller wurde er in die Militärmedizinische Akademie Gülhane (GATA) verlegt und letztlich am 28. Januar 2009 wegen „psychosexueller Störungen“ ausgemustert. Als er danach erneut auf dem Fußballfeld eingesetzt werden wollte, verlangte der Landkreisverband Trabzon Einsicht in die militärischen Unterlagen. Der Grund: In der Türkei dürfen aus gesundheitlichen Gründen ausgemusterte Personen nicht als Schiedsrichter tätig sein. Es kam zur Suspendierung aufgrund seiner vermeintlich mangelnden Fitness. Später erklärte TFF-Vizepräsident Lütfi Arıboğan, dass Dinçdağ „nur ein zweitklassiger Schiedsrichter ohne Talent und Aussicht auf einen Aufstieg in die erstklassige Süper Lig“ sei. Nach seiner Suspendierung ging Dinçdağ in die Offensive. Er zeigte sich im türkischen Fernsehen und gab dabei erstmals seinen Namen preis. Mit weitreichenden Folgen: Sein Fall führte in der Heimat zu einer breiten öffentlichen Diskussion. Wie sollte im männerdominierten Fußball mit diesem Thema umgegangen werden?

Während der Feierstunde in Berlin machte Dinçdağ nun noch einmal deutlich, dass er von seinen Anstrenungen nicht ablasse, bis der Gerechtigkeit Genüge getan werde, so die türkische Zeitung Hürriyet. Nicht nur Wowereit zeigte sich mit ihm solidarisch. Viele LGBT-Gruppen und anderen NGOs schlugen sich auf seine Seite. Dinçdağ kritisiert die weit verbreitete Diskriminierung im TFF und erklärt, dass der Verband diese gezielt Minderheiten, einschließlich der Aleviten, beträfe. Wenn ich anfangen würde, das alles aufzuschreiben, hätte ich nicht genügend Seiten, so Dinçdağ.

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