Türkische Arbeiter im Ausland: Zahl der Angestellten sinkt in einem Jahr um fast 30 Prozent

Nach Angaben der türkischen Arbeitsagentur (İŞKUR) ist die Zahl der türkischen Arbeitnehmer, die seit 2008 von ihr ins Ausland vermittelt wurden, auf dem Rückzug. Insgesamt verdingen sich derzeit nur noch rund 34.000 von ihnen im Ausland. Derzeit gilt Russland als Top-Adresse für einen Job in der Fremde.

Im Jahr 2000 betrug die Anzahl der Arbeitnehmer, die von der İŞKUR ins Ausland vermittelt wurden, 13.645. Bis zum Jahr 2006 stieg ihre Zahl auf 81.379 Personen an. Seit sechs Jahren setzt nun eine Kehrtwende ein. Zuletzt hatte sich die Summe der ins Ausland vermittelten Türken auf etwa 50.000 eingependelt. Nun sind es noch einmal deutlich weniger.

„Im vergangenen Jahr gab es 55.369 Beschäftigte. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sank ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 33.863 ab“, berichtet die türkische Zeitung Sabah.

Insgesamt habe die türkische Agentur in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 7652 Arbeiter in verschiedenen Jobs in Russland vermittelt. Auch das entspräche im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang von ganzen 35 Prozent. Dennoch stünde Russland nach wie vor ganz oben auf der Liste. Die höchste Anzahl an türkischen Arbeitnehmern verzeichnete in den vergangenen drei Jahren jedoch der Irak. In diesem Jahr sei der Wert allerdings um mehr als die Hälfte (51 Prozent) eingebrochen. Mit 6598 türkischen Beschäftigten rangiert das Land aber nach wie vor auf Position zwei.

Als Boomland des Jahres 2014 habe sich Kasachstan erwiesen. Dem Blatt zufolge sei hier ein Zuwachs um 257 Prozent zu verzeichnen. In totalen Zahlen entspräche das 1784 türkischen Arbeitern. Libyen verleibte sich zudem Russlands vorherigen Titel als das Land mit der höchsten Zahl türkischer Arbeitnehmer im Jahr 2009 ein und behielt diesen Titel  mit 13.578 Arbeitnehmern bis 2010. Das Blatt wendete sich jedoch mit Beginn der Zusammenstöße im Februar 2011. In Folge dessen befanden sich nur noch 690 türkische Arbeiter im Land. Erst im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl wieder auf 1854 Arbeiter an. In den ersten zehn Monaten 2014 ging es dann erneut um 23 Prozent nach unten auf 1092 Personen. Noch drastischer fiel die Entwicklung in der Ukraine aus. Während in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres noch 452 Arbeiter vermittelt wurden, waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres nur sechs Arbeiter.

Gut 63 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die sich bei der türkischen Arbeitsagentur (İŞKUR) melden, sind junge Männer. Im Laufe der Jahre ist zudem der Anteil der Frauen peu à peu gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung aus dem Jahr 2012. Nach Auskunft von Nusret Yazıcı, Generalmanager bei der İşkur, sei die Bedeutung der türkischen Arbeitsagentur in den vergangenen Jahren unter anderem auf Grund von Personalaufstockungen deutlich gestiegen. Meist, so fährt der Generalmanagar fort, seien es ganz junge Leute, die den Gang zur Agentur wählen. Viele seien gerade einmal zwischen 15 und 24 Jahre alt. Ganz vorne mit dabei seien hier die Handwerker. Ihnen würden in absteigender Reihenfolge Büroangestellte, Hausmeister, Buchhalter, Verkäufer, Kellner und Informatiker folgen (mehr hier).

Dass der Rückgang der türkischen Kräfte im Ausland durchaus gewollt erscheint, signalisierte der türkische Industrie-Minister Nihat Ergün bereits 2013. Damals erklärte er gegenüber deutschen Wirtschafts-Vertretern: Es gibt kein neues Anwerbeabkommen mit Deutschland. Die Türkei braucht alle Fach- und Arbeitskräfte. Stattdessen solle Deutschland seinem Land Fachkräfte schicken (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Better Life Index: Türken sind unglücklich und arbeiten zu lange
OECD-Vergleich: Die Türken arbeiten am längsten
Türkei: Gastarbeiter unerwünscht!

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.