Türkische Internet-User: Mehr als die Hälfte fürchtet um die privaten Daten

Rund 63 Prozent der Internet-Nutzer in der Türkei sind besorgt über ihre Online-Privatsphäre. Damit liegen die im Allgemeinen sehr Technologie affinen User nur knapp unter dem weltweiten Durchschnitt von 64 Prozent. Das ist das Ergebnis einer international durchgeführten Umfrage.

Der so genannte „CIGI-Ipsos Global Survey on Internet Security and Trust“ ergab, dass die türkischen User zwar etwas skeptischer in Bezug auf ihre Privatsphäre im Netz sind. 89 Prozent der Internet-Nutzer in der Türkei betrachten den Zugang zum Internet jedoch auch als ein Grundrecht des Menschen. Damit liegen sie sechs Prozent über dem Durchschnitt der 24 untersuchten Staaten.

Rund 77 Prozent der türkischen User zeigten sich besorgt über die Polizei oder andere Behörden, die ihre Online-Aktivitäten heimlich überwachen könnten.  Ihr Misstrauen liegt damit viel höher als der durchschnittliche Wert von 61 Prozent, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Diese Ängste unter den Türken sind nicht unberechtigt. Im vergangenen September beschloss das Parlament die Verschärfung der Internetkontrolle. Einen Monat später hatte das türkische Verfassungsgericht das umstrittene Gesetz zur Zensur und Überwachung jedoch gekippt und der Telekommunikationsbehörde TIB untersagt, Daten über das Surfverhalten von Internetnutzern uneingeschränkt zu sammeln und Webseiten ohne Gerichtsbeschluss zu blockieren, (mehr hier). Doch bereits in den kommenden Tagen soll die türkische Regierung nachlegen – diesmal mit dem Schwerpunkt auf Soziale Medien, so das Blatt weiter. Damit soll es der TIB doch  noch möglich werden, Internetseiten innerhalb von nur vier Stunden auf der Grundlage der nationalen Sicherheit, zum Schutz der öffentlichen Ordnung und der Verhütung von Verbrechen zu sperren.

Ein türkisches non-profit Think-Tank stellt dem eigenen Land erst Anfang des Jahres ein miserables Zeugnis aus. Einem entsprechenden Report zufolge rangiert die Türkei beim Thema Internetzensur schon jetzt direkt hinter China und schafft es damit auf Platz zwei weltweit. Auch der Internetriese Google kam im vergangenen Dezember auf eine derart drastische Einschätzung und stellte die Türkei ebenfalls auf eine Stufe mit China. Kein anderes Land sei im Jahr 2013 häufiger mit Zensurwünschen an das Unternehmen herangetreten, als die Türkei. Insgesamt 1.673 Mal baten die türkischen Behörden um eine Löschung von Links (mehr hier).

Auch andernorts haben die User in dieser Frage keine hohe Meinung von ihrer Regierung. In den 24 untersuchten Ländern glaubten nur 48 Prozent der Internet-Nutzer, dass ihre Regierung einen „guten Job“ und das Internet in ihrem Land zu einer sicheren Sache mache.

Zu den größten Sorgen für türkische User zählen der Umfrage zufolge kriminelle Hacker, die auf die persönlichen Bankkonten zugreifen könnten. Davor haben die Türken mit 85 Prozent die meiste Angst. Auch das Hacken privater Nachrichten und Fotos zählt mit 83 Prozent zu den größten Sorgen. International rangieren sie mit 78 und 77 Prozent etwas niedriger. 74 Prozent der Türken furchten, dass Privatunternehmen ihre Online-Aktivitäten überwachen und ihre Daten dann ohne ausdrückliche Zustimmung verkauften.

Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der Umfrage unter mehr als 23.3000 Menschen zeigt nach Einschätzung von Fen Hampson, Direktor des Global Security & Politik Programm CIGI, ein viel generelleres Problem. Nämlich die Ausweitung der Ängste um die Sicherheit der Menschen von der physischen Welt auf die virtuelle Welt.

Hier geht es zur gesamten Umfrage.

Mehr zum Thema:

Internetzensur-Gesetz: Türkische Regierung darf Webseiten blockieren
Internet-Verwirrung: Türkischen Usern wird YouTube-Zugang teilweise verwehrt
Online-Shopping: Türkische User trauen den Internetangeboten nicht

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.