Türkischer Außenminister: 600 Türken haben sich Dschihadisten angeschlossen, mehr als 100 bereits tot

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat in dieser Woche eine Bilanz über türkische Überläufer zu terroristischen Gruppierungen wie etwa der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegeben. Ihm zufolge hätten sich ihnen bislang 600 türkische Staatsangehörige angschlossen. Mehr als 100 von ihnen hätten nach Schätzungen des Geheimdienstes bereits ihr Leben verloren.

Die türkischen Behörden haben es jedoch nicht nur mit hiesigen Extremisten zu tun. Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zufolge sei zudem rund 7000 Ausländern die Einreise in die Türkei verwehrt worden. 1100 Personen seien ausgewiesen worden, weil sie verdächtigt wurden, sich terroristischen Gruppierungen anschließen zu wollen, so der Politiker im türkischen Parlament.

Çavuşoğlu gab nicht nur Auskunft über Dschihadisten, sondern machte auch auf die prekäre Lage der Türkei aufmerksam. Seiner Ansicht nach sei es unmöglich von der Türkei zu erwarten, die gut 1000 Kilometer lange Grenze mit Syrien und dem Irak entsprechend zu sichern und ausländische Islamisten daran zu hindern über die Türkei in die Nachbarländer zu gelangen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Der Außenminister forderte den Westen dazu auf, sich stärker auf Geheimdienst-Ebene über mutmaßliche Extremisten auszutauschen. Nur so könnten die türkischen Behörden aktiv eingreifen und sie an der Einreise hindern.

In der jüngsten Vergangenheit musste sich die Türkei immer wieder die Kritik gefallen lassen, zu wenig gegen Extremisten zu unternehmen, die über ihr Territorium etwa nach Syrien gelangten. Seit 2013 zieht Ankara jedoch an und hat seine Sicherheitsmaßnahmen vor allem an den Flughäfen verstärkt, so das Blatt weiter. Die ausländischen Kämpfer stammen vor allem aus westlichen Ländern wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Sie wollen sich Gruppierungen wie der Al-Nusra Front oder dem IS anschließen. Die europäischen Länder wiederum argumentieren, dass sie die Verdächtigen nicht festnehmen könnten. Der Grund: In der Regel verfügten sie nicht über konkrete Hinweise, dass diese Menschen tatsächlich in den syrischen Bürgerkrieg ziehen würden. Täten sie es doch, würde sie die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger einschränken. Deutschland will nun allerdings präventiv arbeiten und im Zweifelsfall sogar den Personalausweis bis zu 18 Monate entziehen, um eine Ausreise zu verhindern (mehr hier).

Der Verfassungsschutz warnt unterdessen vor einem rasanten Anwachsen der radikalislamischen Salafistenszene in Deutschland. Inzwischen zähle diese Gruppe über 6300 Menschen, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, dem rbb-Inforadio. Bis Jahresende könnten es schon 7000 sein. Vor wenigen Jahren haben man erst rund 2800 Salafisten gezählt. «Das ist ein sehr schnelles Ansteigen, das ist auch besorgniserregend», sagte Maaßen. Aus der Salafistenszene seien inzwischen nachweislich mindestens 450 vorwiegend junge Menschen in den «Heiligen Krieg» nach Syrien und in den Irak gezogen. Andere Schätzungen gehen von bis zu 1800 aus (mehr hier).

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass sieben bis zehn Islamisten aus Deutschland in Syrien und im Irak Selbstmordanschläge verübt haben. Rund 150 Islamisten seien inzwischen wieder zurückgekehrt.

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