Innovation made in Turkey: Ingenieure produzieren Elektrizität aus Darmgasen von Kühen

Drei türkische Ingenieure haben ein System entwickelt, das Strom aus von Kühen in Scheunen gesammelten Darmgasen produziert. Ihre Innovation soll Landwirten die Möglichkeit verschaffen, mit Hilfe dieser Energie zusätzliche Einnahmen zu generieren. Zur Verfügung stünden hierfür offenbar mehr als 4000 Ställe.

Die Idee der drei Ingenieure fußt eigenen Angaben zufolge auf dem Sammeln und Zersetzen von Darmgasen der Kühe. Diese würden aufgrund ihres einzigartigen aufgrund ihrer einzigartigen Darm-Systems mehr Gas als andere Tiere produzieren. Den letzten Anstoß soll ein Ereignis in Deutschland gegeben haben.

Von welchen Potential  das Erfinder-Trio spricht, erläutert Ingenieur Şafak Karatepe gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet. Mensch produziere 0,5 Liter Gas pro Tag. Aber eine Kuh sei in der Lage in der gleichen Zeit bis 580 Liter Gas zu produzieren. Das mit einer Vakuumhaube gesammelte Methan wird dann mittels eines Blockheizkraftwerks in Strom umgewandelt.

Yalçın Öztürk, Mert Çakman und Karatepe von der Technischen Universität Istanbul (ITU) haben es sich zum Ziel gesetzt, zusätzliche Einnahmen für türkische Betriebe zu schaffen. Ihr System namens BioCower könnte dem Blatt zufolge in  mehr als 4.000 Ställen mit über 100 Kühen zum Einsatz kommen. Erträge zwischen 700 und 2300 Lira monatlich sollen so möglich sein. Auch in Russland eröffnen sich gerade neue Absatzchancen (mehr hier).

Anstoß für die eigene Entwicklung habe die Nachricht von einer Beinahe-Explosion einer Scheune in Deutschland gegeben. Diese sei nicht mit einer ordentlichen Lüftungsanlage ausgestattet gewesen. Die hohe Gas-Konzentration im Inneren habe in diesem Fall fatale Folgen gehabt. Was war passiert? Anfang dieses Jahres hätten sich 90 Milchkühe in Rasdorf fast zu Tode gepupst und gerülpst: An ihrer Massage-Maschine war ihr Methangas in einer Stichflamme verpufft. Die Feuerwehr konnte damals aber Schlimmeres verhindern: Lediglich das Dach wurde beschädigt, ein Tier erlitt leichte Verbrennungen.

Der Pegasus CEO Ali Sabanci hat den jungen türkischen Unternehmergeist vor kurzem mit einem prägnanten Satz zusammengefasst: Sie haben Mut, aber keine Pläne“, so seine Diagnose nach einem Treffen mit 615 Jungunternehmern im Zuge des Entrepreneurs as Power of Future (G3)-Forums in Istanbul. Das sei etwas, was die jungen Leute nicht gelernt hätten. Der Fachmann ist überzeugt davon, dass es eigentlich gar nicht mehr Ideen brauche. Viel wichtiger sei es, die bereits vorhandenen Ideen auch tatsächlich in Projekten zu verwirklichen.Der Fachmann ist überzeugt davon, dass es eigentlich gar nicht mehr Ideen brauche. Viel wichtiger sei es, die bereits vorhandenen Ideen auch tatsächlich in Projekten zu verwirklichen (mehr hier).

Doch schaffen es die frischen Ideen tatsächlich in den Markt, stehen die Ideengeber vor einem weiteren Problem. Denn: Ausländische Firmen in der Türkei sind schnell, wenn es um den Schutz ihrer eigenen Marken und Produkte geht – viel schneller als heimische Unternehmen. Letzteren fehlt offenbar noch immer das Bewusstsein für eine adäquate Absicherung ihrer Erzeugnisse in der Türkei als auch international. Das geht aus Daten des türkischen Patentamtes aus dem Jahr 2012 hervor (mehr hier).

Mehr zum Thema:

World Entrepreneur of the Year: Türkischer Geschäftsmann von Ernst & Young ausgezeichnet
Türkische Entrepreneure: Gute Ideen, aber keine Strategien
Patentanmeldungen: Türken schützen ihre Erfindungen zu wenig

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.