Tuğçe hilft auch nach ihrem Tod: Bundespräsident Gauck prüft Verdienstorden

Tuğçe starb, weil sie vermutlich zwei Mädchen helfen wollte. In der Nacht zum Samstag wurden die lebenserhaltenden Geräte auf Wunsch der Eltern abgestellt. Helfen soll die Studentin als Organspenderin aber auch nach ihrem Tod. Derzeit wird geprüft, ob die mutige junge Frau posthum den Bundesverdienstorden erhält.

Bundespräsident Joachim Gauck will nach dem tragischen Tod von Tuğçe A. einen Verdienstorden für die Studentin prüfen. Das teilte er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Samstag der Internetplattform «change.org» mit. Die Plattform hatte eine Online-Petition ins Leben gerufen und über 50 000 Unterschriften gesammelt. In einem Beileidsschreiben an die Familie betont Gauck nach Angaben des Präsidialamts, die junge Frau habe «unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient». Sie werde immer ein Vorbild bleiben. «Wo andere Menschen wegschauten, hat Tuğçe in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen.»

Der Verdienstorden ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für besondere Verdienste um das Gemeinwohl vergibt. Er wurde 1951 von Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet und seitdem mehr als 240 000 Mal verliehen. Der Verdienstorden wird in der Regel nicht nach dem Tod verliehen. Eine Ausnahme war der Flugkapitän Jürgen Schumann, der 1977 bei der Entführung der «Landshut» erschossen wurde. Auch der Geschäftsmann Dominik Brunner, der 2009 seinen Einsatz als Streitschlichter in München mit dem Leben bezahlte, wurde posthum geehrt.

Die Studentin, die nach einer Prügelattacke starb, hilft auch nach ihrem Tod anderen Menschen: Drei Ärzteteams entnahmen ihr im Klinikum im hessischen Offenbach mehrere Organe, nachdem die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet worden waren. Hirntot war Tuğçe bereits seit Mittwoch. Am vergangenen Freitag wäre sie 23 Jahre alt geworden. Rund 1500 Menschen verabschiedeten sich in einer bewegenden Feier vor der Klinik. Auch in Berlin soll an die junge Frau erinnert werden: Etwa 300 Menschen werden an diesem Sonntag ab 13.00 Uhr laut Polizei zu einer Veranstaltung zu Zivilcourage in Kreuzberg erwartet.

Vor zwei Wochen war Tuğçe A. aus dem hessischen Gelnhausen von einem heftigen Schlag getroffen worden und gestürzt. Der mutmaßliche Schläger, ein 18-Jähriger, sitzt in Untersuchungshaft. Tugce hatte vermutlich zwei Mädchen bei einem Streit vor einem Fast-Food-Restaurant zu Hilfe kommen wollen. Die beiden Mädchen wurden am Samstag noch gesucht. Seit dem Schlag hatte Tugce im Koma gelegen. Sie besaß einen Organspendeausweis. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kamen am Freitagabend drei Transplantations-Teams ins Klinikum. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass in vier Fünftel aller Fälle die Angehörigen über Organspende entschieden, in einem Fünftel der Spender via Ausweis.

Rund 1500 Menschen hatten sich am Freitagabend in einer bewegenden Mahnwache mit Kerzen vor dem Krankenhaus von Tuğçe verabschiedet. Die Restaurantkette McDonald’s Deutschland zeigte sich betroffen über die Nachricht vom Tod der jungen Frau. Der brutale Überfall «hat auch uns, insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Restaurants in Offenbach Kaiserlei, fassungslos gemacht», schrieb das Unternehmen. Die Filiale sollte aus Respekt vor den Angehörigen bis in den Samstag hinein geschlossen bleiben.

Eine Obduktion der Leiche soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft die genaue Todesursache ans Licht bringen. Tuğçes Leichnam sollte nach der Organentnahme in die Gerichtsmedizin gebracht werden. Bisher ist unklar, ob die Studentin durch den Schlag am frühen Morgen des 15. November tödlich verletzt wurde oder durch den Aufprall auf das Pflaster des Parkplatzes vor dem Restaurant. Gegen den mutmaßlichen Täter wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.

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