Die zwei Gesichter des Volkan Demirel

Fenerbahce-Keeper Volkan Demirel gehört zweifellos zu den umstrittensten Spielern der Türkei. Die Diskussionsgrundlage um den türkischen Keeper sind mittlerweile jedoch kaum mehr die sportlichen Leistungen.

Ein Gastbeitrag von Friedrich Zwätz

Volkan Demirel wurde am 27. Oktober 1981 in Istanbul geboren, ist Torwart der türkischen Nationalmannschaft und spielt seit 2002 für den türkischen amtierenden Meister Fenerbahce Istanbul. Neben seinen guten Leistungen auf dem Platz sorgt er regelmäßig neben dem Spielfeld durch fragwürdige Äußerungen und Tätlichkeiten gegen andere Spieler für Nebenkriegsschauplätze, die in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert und hinterfragt werden. Doch wie wurde Volkan Demirel zu dem Volkan Demirel von heute?

Im Jahr 2000 begann die Karriere von dem damals 18-Jährigen Volkan Demirel beim Zweitligisten Kartalspor. In 50 Einsätzen machte er mit starken Paraden und Reflexen auf sich aufmerksam. Rund zwei Jahre nach seinem Debüt als Profitorwart bei Kartalspor im Jahr 2002 entschied sich Volkan Demirel, ein unterbreitetes Angebot vom Erstligisten Fenerbahce anzunehmen und unterschrieb dort einen Vertrag für zwei Jahre. Zwar war er in der ersten Saison nur als Ersatz verpflichtet worden, doch als der damalige Stammtorwart Rüstü Recber vor der Saison 2003/04 zum FC Barcelona wechselte, war Demirel die erste Option auf den Platz zwischen den Pfosten.

Doch genau zu diesem Zeitpunkt verletzte sich Demirel, sodass er zunächst nicht zum Einsatz kommen konnte. Und so kam es, dass er sich nach seiner Rückkehr hinter Recep Biler einreihen musste. Seine zweite Chance erhielt er Ende 2003- und diese konnte er nutzen. Zwei Jahre nach seiner Ernennung zum Stammtorhüter debütierte er auch in der UEFA Champions League, wo er allerdings aufgrund der starken Konkurrenz im Wettbewern keine wirklichen Akzente setzten konnte.

Durch die guten Auftritte für seinen Klub gab Volkan Demirel im Jahr 2004 im Freundschaftsspiel gegen Belgien sein Startelf-Debüt für die türkische Nationalmannschaft. Vier Jahre später bei der Europameisterschaft 2008 hatte er sich als Stammtorwart durchgesetzt und stand während der Vorrunde drei Mal auf dem Spielfeld. Wegen einer Tätlichkeit im Gruppenspiel gegen die Tschechen sah er die Rote Karte und wurde für zwei Spiele gesperrt. Nach einer erneuten Auseinandersetzung mit einem Gegenspieler im Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahce fünf Jahre nach der Roten Karte im Gruppenspiel der Europameisterschaft 2008 wurde er vom damaligen Trainer Abdullah Avci aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Cenk Tönen, Sinan Bolat und Mert Günok übernahmen die Rolle des Routiniers. 2014 kam er sporadisch wieder in der WM-Qualifikation zum Einsatz. Normalerweise hätte sich sein Vereinsklub auch für die Champions League qualifiziert (die man ab sofort auch in einem virtuellen Live-Stream verfolgen kann), doch aufgrund des Manipulationsskandals wurde Fenerbache auch dieses Jahr für internationale Turniere gesperrt.

Besonders ab 2013 wurde Volkan Demirel häufiger durch seine Aussagen oder Tätlichkeiten gegenüber anderen Spielern auffällig und belastete dabei bis heute nicht nur sein Image, sondern auch seine Karriere. Anfang 2013 kam es bei einem Ligaspiel zwischen Fenerbahce und Kasimpasa Istanbul zu einer Auseinandersetzung zwischen Demirel und einem Gegenspieler, die auch nach dem Spiel nicht enden wollte und sich tatsächlich bis zum Mannschaftsbus fortsetzte. Neben üblen Beschimpfungen sollen auch Drohungen ausgesprochen worden sein. So soll Demirel seinem Gegenspieler Yalcin Ayhan gedroht haben, ihn von seinem eigenen zuhause abholen zu lassen. Da es keine Zeugen gibt, die den Inhalt der Auseinandersetzungen mitgehört haben, gibt es keine Belege für oder gegen Demirel. Er wies die Anschuldigungen zurück, bezichtigte diese als Lüge und behauptete, er hätte Ayhan lediglich gefragt, ob Ayhan seine Familie beleidigt habe und dass er ihm in diesem Falle die Beleidigungen persönlich ins Gesicht sagen solle. Dieser Fall war der erste größere, der außerhalb des Spielfeldes stattfand und ging mit der Forderung auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten dementsprechend vor Gericht.

Der zweite größere Vorfall ereignete sich am 25. August 2014 im türkischen Supercup-Derby gegen Galatasaray Istanbul. Zusätzlich zu der angespannten Stimmung zwischen den beiden Klubs goß Demirel zusätzlich Öl ins Feuer, indem er durch unsportliche Aktionen auf sich aufmerksam machte. Beide Mannschaften lieferten sich einen erbitterten Kampf, bei dem es am Ende keinen Gewinner geben sollte und so ging es in die Verlängerung bzw. ins Elfmeterschießen. Bei jedem Elfmeterantritt des Gegners griff Demirel nach seiner Trinkflasche und verzögerte den Ablauf und als Felipe Melo, Spieler von Galatasaray Istanbul, an der Reihe war und verschoss, rannte Volkan Demirel auf diesen zu, sprang ihn an und versuchte ihn mehr oder weniger tätlich anzugreifen. Als er vom vereinseigenen Fernsehsender auf diese Szene angesprochen wurde antwortete er übersetzt auf rassistische Art und Weise: „Die Stadtverwaltung sollte die unnötigen Straßenhunde vergiften. Ansonsten entsteht ein nicht anzunehmender Zustand und ich muss diese Sache übernehmen. Und ich hätte dann die Befürchtung, eine Strafe zu erhalten.“

Diese Worte waren direkt an seinen Gegenspieler gerichtet, der sich als „Pitbull“ bezeichnet. Nach der Kritik an seiner Aussage wurde er gebeten sich für seine Aussage zu rechtfertigen und daraufhin antwortete er so: „Ich bin jemand, der genau weiß, was er sagt und an wen er das Gesagte richtet. Nur ich weiß, was für schwere Umstände ich ertragen musste. Meine Intention war an eine einzige Person, an ein einziges Ziel gerichtet und hatte eine einzige Absicht. Daher sollten keine Umdeutungen angestellt werden. Ich habe mit meiner Aussage weder die Straßenhunde beabsichtigt, noch etwas anderes.“

Aufgrund der Aussagen wurde Demirel nach einer Anklage vom türkischen Fußballverband für drei Spiele gesperrt und bekam eine Geldstrafe in Höhe von 175.000 türkischen Lira umgerechnet ca. 63.000 Euro.

Normalerweise geht man nach so einer Strafe davon aus, dass jemand seine Taten reflektiert und sie sich eingesteht. Doch Volkan Demirel ist diesbezüglich anders und so dauert es nur drei Monate, bis er wieder wegen unsportlichen Verhaltens an den Pranger gestellt wurde. In der Partie gegen Besiktas Istanbul foulte ein Mitspieler von Demirel Demba Ba im Fünf-Meter-Raum. Als sich Mitspieler Mehmet Topal bei Demba Ba entschuldigen wollte und ihn fragte, ob es ihm gut gehe, eilte Demirel zu seinem Mitspieler und schrie milde gesagt: „Lass mal, auf sein Okay können wir verzichten.“

Für sein Handeln bekam Volkan Demirel von den türkischen Anhängern im Länderspiel zur Europameisterschafts-Qualifikation gegen Kasachstan die Quittung. Während des Warmmachens wurde er von einigen türkischen Zuschauern ausgepfiffen und beleidigt. Deshalb verließ er das Stadion wortlos durch den Hinterausgang, noch bevor das Spiel überhaupt angepfiffen wurde.

Was er den Gegenspielern antut, mag er selbst vielleicht vergessen oder verdrängen, aber die Fans vergessen es nicht und dies bekam er nun auch zu spüren. Die Verachtung die er beispielsweise Felipe Melo spüren lassen hat, bekommt er vom weiten Teilen des türkischen Anhangs um die Ohren geschlagen. Die Absicht hinter den Pfiffen ist eindeutig. Entweder er beweist den türkischen Fans, dass er in der Lage ist, sich zu ändern und lässt sein „böses Ich“ hinter sich, oder er wird bis zu seinem Karriere mit den Pfiffen und dem Spott leben müssen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

Mehr zum Thema:

Galatasaray trennt sich von Cesare Prandelli
Galatasaray verabschiedet sich aus Europa
Bursaspor vs. Fenerbahce: Die Stimmen aus dem Atatürk-Stadion

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.