Was geschah mit Prügelopfer Tuğçe? Obduktion bringt keine Klarheit

War es ein Schlag gegen den Kopf oder der Sturz, der die junge Studentin Tuğçe letztlich das Leben gekostet hat? Auch nach der Obduktion kann die Rechtsmedizin zunächst kein klares Ergebnis liefern. Immerhin können die Ermittler einen Durchbruch verzeichnen. Es scheinen zwei wichtige Zeuginnen gefunden worden zu sein.

Auch nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion bleibt unklar, ob die Studentin Tuğçe A. an einem Schlag gegen den Kopf oder dem anschließenden Sturz starb. Beides könne die festgestellte stumpfe Gewalteinwirkung verursacht haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Offenbach mit. Wann mit einem endgültigen Ergebnis zu rechnen ist, stehe nicht fest. Die Untersuchungen seien sehr aufwendig.

Die junge Frau war Mitte November vor einem Offenbacher Schnellrestaurant so schwer verletzt worden, dass sie ins Koma fiel und später starb. Die lebenserhaltenden Apparate wurden am vergangenen Freitag abgestellt. Der mutmaßliche Schläger, ein 18-Jähriger, sitzt in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

Die Ermittler prüfen zurzeit auch, auf welchem Weg ein Video mutmaßlich aus der Tatnacht in die Öffentlichkeit gelangt ist. Darauf seien offensichtlich Szenen vom Parkplatz des Schnellrestaurants zu sehen, teilten die Behörden mit. Das Video sei von den Ermittlungsbehörden nicht freigegeben worden. Die «Bild»-Zeitung hatte auf ihrer Internetseite den Film der Überwachungskamera des Schnellrestaurants veröffentlicht, der die Attacke auf Tuğçe A. mit tödlichen Folgen zeigen soll.

Keine Angaben machen die Ermittler zu den Aussagen zweier junger Frauen, die als Zeuginnen tagelang gesucht worden waren. Es dürften die beiden Mädchen sein, die zu Beginn der Auseinandersetzung im Inneren des Restaurants gesehen wurden. Am vergangenen Wochenende hätten sie sich bei den Behörden gemeldet, heißt es in der Mitteilung. Die jungen Frauen hätten sich bisher nicht als die Gesuchten angesprochen gefühlt. Angaben zu ihrer Identität wurden nicht gemacht.

Die beiden jungen Frauen sollen sich nach früheren Mitteilungen der Polizei kurz vor dem Zwischenfall in den frühen Morgenstunden stark betrunken im Toilettenbereich des Fast-Food-Lokals aufgehalten haben. Dabei sollen sie von mehreren Männern belästigt worden sein, darunter auch von dem mutmaßlichen späteren Schläger. Tuğçe A. half nach Aussage von Zeugen den Mädchen, was die spätere Attacke vor dem Restaurant ausgelöst haben könnte.

Tuğçe A. soll am Mittwoch (3. Dezember) auf dem Friedhof von Bad Soden-Salmünster in Osthessen beigesetzt werden. Ein Sprecher der Stadtverwaltung bestätigte den Termin. Eine genaue Uhrzeit war zunächst jedoch nicht bekannt. Medienberichten zufolge soll die junge Frau vor der Beisetzung in einer Moschee im benachbarten Wächtersbach aufgebahrt werden.

Ihr Tod erregt auch in der Türkei große Aufmerksamkeit. Die Zeitung «Türkiye» veröffentlichte am Montag einen Artikel mit der Überschrift «Danke Tuğçe, Seni Seviyoruz» (Danke Tuğçe, wir lieben dich). Andere Zeitungen begleiteten die Entwicklung im Fall Tuğçe vor allem nachrichtlich. Die Zeitung «Hürriyet» titelte bereits am Freitag auf Deutsch mit den Worten «Danke Tuğçe».

Der Vorschlag, Tuğçe A. das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, findet unterdessen immer mehr Unterstützer. Allein die Internet-Plattform «Change.org» verzeichnete bis zum Montag mehr als 140 000 Unterschriften unter einer entsprechenden Petition. Deren Initiatoren wollen erreichen, dass der Studentin posthum die Auszeichnung verliehen wird. Bundespräsident Joachim Gauck will das prüfen lassen.

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