Teures Minenunglück von Soma: Fast 3000 Kumpel verlieren ihre Arbeit

Gut ein halbes Jahr nach dem verheerenden Minenunglück von Soma wurden dort nun 2800 Arbeiter entlassen. Die Betreiber der Unglücksmine, in der vergangenen Mai 301 Arbeiter starben, erklärten, dass man die Gehälter für die Kumpel nicht mehr aufbringen könne. Die Menschen wurden am Sonntag schlicht per SMS informiert.

Ganze 2831 Kumpel stehen rund sechs Monate nach den dramatischen Ereignissen nun auf der Straße. Die Zahl der Bergleute, die noch in den Bergwerken des gleichen Unternehmens in der ägäischen Provinz Manisa tätig seien, belaufe sich auf 2182. Das Unternehmen kämpft eigenen Angaben zufolge mit den doppelten Gehältern, die als Entschädigung nach dem Grubenunglück vereinbart worden waren.

Soma Coal Mining Inc. ist nicht in der Lage, die Gehälter der Kumpel zu zahlen, die nun nicht arbeiteten, nachdem ihnen zuvor sechs Monate doppelte Gehälter gezahlt wurden. Es ist auch rechtlich unmöglich, den Vertrag mit Arbeitern einer Kohlengrube fortzusetzen, die nicht in Betrieb ist“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet die Soma Coal Mining Company.

Das Grubenunglück am 13. Mai 2014 forderte insgesamt 301 Menschenleben und gilt seither als die verheerendste Industriekatastrophe in der Geschichte der Türkei. Nach Angaben des Vorsitzenden der Bergbaugewerkschaft Maden-İş, Nurettin Akçul, seien die Kumpel via Textnachricht von der Soma Coal Mining Company über die Situation informiert worden. „Wir fordern alle zuständigen Ministerien und Unternehmen aufim Rahmen ihrer rechtlichen und sozialen Verantwortung Maßnahmen zur Verhinderung einer sozialen Katastrophe nach dem Grubenunglück in Soma zu ergreifen“, so Akçul.

Der stellvertretende Premier Bülent Arınç erklärte am Montag nach der wöchentlichen Kabinettssitung gegenüber Reportern, dass man die Ereignisse in Soma genau beobachte und den nun arbeitslosen Kumpel helfen wolle. Arbeitslos, so der Premier, sollten sie nicht bleiben. Gleichzeitig verteidigte der den Entschluss des Unternehmens die Bergleute zu entlassen. Dies sei völlig legitim, wenn nicht genügend Einnahmen erzielt werden könnten.

Doch wie die Hilfe genau aussehen soll, scheint fraglich. Arbeitsminister Faruk Celik erklärte: „Wir haben in den Gruben von Soma massive Defizite. Die Arbeitssicherheit ist nicht gegeben. In 106 Minen wurde die Produktion eingestellt.“ Natürlich sei es schlecht, wenn Menschen arbeitslos würden. Das wolle keiner. „Doch wir wollen auch nicht, dass die Menschen vorsätzlich irgendwelchen Gefahren ausgesetzt werden“, zitiert ihn die Stargazete.

Unterdessen konnten Rettungskräfte am Dienstag den Leichnam eines Kumpels in Ermenek bergen. Nach wie vor befinden sich fünf Tote unter Tage. Durch einen Wassereinbruch in ein Bergwerk am 28. Oktober wurden 18 Arbeiter eingeschlossen (mehr hier).

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