Neuer Lehrplan von Erdoğan: Türkische Schüler kennen Einstein, aber keine muslimischen Gelehrten

Die türkischen Schüler sind bei Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Ungnade gefallen. Der Grund: Sie kennen ausländische Persönlichkeiten wie Albert Einstein, aber keine muslimischen oder gar türkischen. Jetzt soll es ein überarbeiteter Lehrplan richten. Das Ziel: Selbstbewusste junge Leute, die um ihr kulturelles und wissenschaftliches Erbe wüssten.

Erdoğan will die Schüler der Türkei offenbar zur verstärkten Auseinandersetzung  mit muslimischen bzw. türkischen Persönlichkeiten bringen. Erst vor kurzem hatte er die Bildungseinrichtungen des Landes angewiesen, die Beiträge des Islams zur globalen Wissenschaft und Kunst verstärkt in den Vordergrund zu stellen. Diesen Kurs treibt er aktuell nun weiter voran.

Wenn man sie fragt, wer Einstein ist, hat jeder junge Mensch eine Antwort. Doch wenn man sie fragt, wer İbni Sina ist, wissen das die meisten von ihnen nicht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus der Rede des Präsidenten vor dem 19. Nationalen Bildungsrat in der südlichen Provinz Antalya am 2. Dezember. Avicenna, ein muslimischer Universalgelehrte des elften Jahrhunderts, der als einer der bedeutendsten Denker und Schriftsteller der Blütezeit des Islam angesehen wird, ist in der Türkei als İbni Sina bekannt.

Erdoğan hat die Bildungseinrichtungen des Landes erst vor kurzem angewiesen, die Beiträge des Islams zur globalen Wissenschaft und Kunst stärker hervorzuheben. Dazu gehöre seiner Meinung nach auch die kürzlich von ihm wieder aufs Tableau gebrachte Theorie der Entdeckung Amerikas durch Muslime 300 Jahre vor Kolumbus. „Meiner Ansicht nach tragen unser Bildungsministerium und der YÖK eine wichtige Verantwortung. Eine objektive Geschichtsschreibung wird den Beitrag des Ostens, des Nahen Ostens und des Islam zu Wissenschaft und Kunst aufzeigen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan. „Als Präsident meines Landes kann ich nicht akzeptieren, dass unsere Zivilisation anderen Zivilisationen unterlegen ist“, so der Politiker im Rahmen der Eröffnung einer Religionsschule in Ankara. (mehr hier).

Von der Wissenschaft verlagerte er sich bei seiner Rede am Dienstag nun auf die populäre Kultur und verwies auf einen bekannten türkischen Dichter. Seiner Ansicht nach gebe es Schüler, die die Namen ausländischer Popstars auswendig gelernt, aber auch von Neşet Ertaş noch nie etwas gehört hätten. „Wir sollten diese Jugend infrage stellen. Sie können Beethoven hören, sie sollten aber auch Itri und Dede Efendi kennen“, so Erdoğan mit Bezug auf zwei Säulen der klassischen türkischen Musik. Der Lehrplan müsse dazu führen, dass sich die türkische Jugend „selbstbewusst und nicht demütig fühlt“. Gleichzeitig solle das nationale Bildungssystem die jungen Menschen auch vor der „Krankheit des Rassismus“ schützen.

Unterdessen empfiehlt der Erfinder des Internets, Sir Tim Berners-Lee, Nachhilfe für die Politiker dieser Welt.Diese müssten programmieren lernen. Man müsse verstehen, was Menschen mit einem Computer machen können, um Gesetze darüber zu schreiben, so Tim Berners-Lee. Die Fähigkeit, zu programmieren, sei der Schlüssel zu diesem Verständnis (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Türkischer Wissenschaftsminister: Muslime haben die Kugel-Form der Erde entdeckt
Muslime entdeckten Amerika: Erdoğan will Theorie in türkischen Lehrplänen verankern
Erdoğans Welt: Nicht Kolumbus, die Muslime haben Amerika entdeckt

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.