Nächster Seitenhieb gen Westen: Erdoğan hält Nobelpreis-Vergabe nicht für objektiv

Knapp eine Woche nach seiner Hetzrede gegen den Westen, holt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erneut zu einem Seitenhieb gegen internationale Institutionen aus. Diesmal hat er die Vergabe der Nobelpreise sowie die Entscheidungen des UN-Sicherheitsrats im Auge. Objektivität, so der Politiker, sehe anders aus.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seine Kritik an verschiedenen internationalen Institutionen fortgesetzt Jetzt behauptet er, dass auch der Nobelpreis nicht objektiv“ vergeben werde.

Hoffen Sie in einer Welt, in der internationale Institutionen nach ihren eigenen Ideologien, Politik und Glauben entscheiden, nicht auf objektive Standpunkte“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Ist der Nobeplreis objektiv? Nein. Trifft der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen objektive Entscheidungen? Nein, niemals.“ Effektiv würden nur fünf Großmächte entscheiden. Das Schicksal der Welt könne aber nicht nur von fünf Staaten abhängen.

Kunst und Wissenschaft sind nicht nur dann wertvoll, wenn sie mit prestigeträchtigen Preisen versehen werden“ zitiert ihn die Timeturk. Diese Art von Preisen und Auszeichnungen seien nicht die einzigen Qualitäts-Kriterien, so Erdoğan anlässlich der Verleihung der Kunst- und Kulturpreise des türkischen Präsidenten im neuen Palast.

Das norwegische Nobelkomitee habe sich nach Angaben der Cihan Nachrichtenagentur  geweigert, auf  die jüngsten Äußerungen des türkischen Präsidenten einzugehen und habe betont, dass man nicht auf persönliche Meinungen“ reagiere.

Kritik an der Nobelpreisvergabe äußert der Präsident damit nicht zum ersten Mal. Bereits im August 2013 kritisierte er die Vergabe des Friedensnobelpreises 2005 an den ägyptischen Politiker Mohammad ElBaradei, der sich „auf die Seite der Initiatoren des Militärputsches“ geschlagen habe. „Wir können unser Kino, Literatur und Kunst nicht aufgeben. Die Türkei kann nicht stillschweigend zusehen, wie Hegemonen die Geschichte der Kunst und Wissenschaft schreiben, so Erdoğan weiter.

Tags zuvor waren die türkischen Schüler beim Präsidenten in Ungnade gefallen. Der Grund: Sie kennen ausländische Persönlichkeiten wie Albert Einstein, aber keine muslimischen oder gar türkischen. Jetzt soll es ein überarbeiteter Lehrplan richten. Das Ziel: Selbstbewusste junge Leute, die um ihr kulturelles und wissenschaftliches Erbe wüssten. „Wenn man sie fragt, wer Einstein ist, hat jeder junge Mensch eine Antwort. Doch wenn man sie fragt, wer İbni Sina ist, wissen das die meisten von ihnen nicht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus der Rede des Präsidenten vor dem 19. Nationalen Bildungsrat in der südlichen Provinz Antalya am 2. Dezember (mehr hier).

Erst am Vorabend des Papst-Besuches hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit scharfen Worten an den Westen gewandt. Seiner Ansicht nach sei dieser nicht in der Lage, die Probleme im Nahen Osten zu lösen. Der Grund liegt für das Staatsoberhaupt auf der Hand: Der Westen möge sie nicht. Es gehe einzig darum, dem Geld zu folgen.

Nur wir können unsere Probleme lösen. Ich spreche offen: Ausländer mögen Öl, Gold und Diamanten, sie mögen billige Arbeitskräfte in der islamischen Welt, und sie mögen Zwist und Streit im Nahen Osten. Aber, glauben Sie mir, uns mögen sie nicht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Präsident Erdoğan. „Sie sehen uns an wie Freunde, aber sie erfreuen sich an unserem Tod und an dem unserer Kinder. Wie lange werden wir das aushalten?“

Nach Ansicht von Erdoğan seien die Ländern des Nahen Ostens durchaus in der Lage, ihre Probleme eigenständig und ohne Hilfe aus dem Westen in den Griff zu bekommen – solange sie vereint seien.Die einzige Bedingung, um die Krise in der islamischen Welt zu überwinden, ist die Einheit, Solidarität und Allianz.“ Immerhin hätten die sich jüngst wirtschaftlich entwickelten islamischen Staaten sowohl die größten humanitäre als auch politische Krise in ihrer Geschichte gleichzeitig erlebt. „Wenn wir gemeinsam handeln, werden wir die Einsamkeit von Palästina, die fast ein Jahrhundert dauert, beenden (…) Es ist möglich, das Blutvergießen im Irak und die Tötung von syrischen Kindern zu beenden, wenn wir uns vereinen.“ (mehr hier).

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