Attacke gegen US-Soldaten: Türkische Links-Nationalisten drohen bis zu 10 Jahren Haft

Eine Gruppe von zwölf Mitgliedern der links-kemalistischen Union der Türkischen Jugend (TGB), die Mitte November in Istanbul zwei Angehörige der US-Armee angegriffen haben, drohen nun zwischen einem und zehn Jahren Haft. Ihnen wird Beleidigung, Körperverletzung sowie Verletzung des Protests- und Versammlungsrechts vorgeworfen.

Die Anklage gegen die Gruppe wurde von Adem Meral, ein Staatsanwalt aus dem Büro des Istanbul Generalstaatsanwaltschaft, vorbereitet. Darin forderte er bis zu zehn Jahre und sechs Monate Gefängnis für die zwölf Verdächtigen.

Die fünfseitige Anklageschrift sei einem Istanbuler Strafgericht der ersten Instanz gesendet worden, nachdem diese vom Büro des Istanbuler Generalstaatsanwaltschafts genehmigt worden sei, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Nun müsse binnen 15 Tagen entschieden werden, ob das Papier angenommen oder abgelehnt werde.

Unterdessen haben auch die beiden angegriffenen US-Soldaten ausgesagt und Beschwerde gegen die Angreifer eingereicht. Auch ihre Aussagen seien der Anklageschrift beigefügt, so das Blatt weiter.

Zwölf Mitglieder der links-kemalistischen Union der Türkischen Jugend (TGB) hatten Mitte November in Istanbul zwei Angehörige der US-Armee angegriffen. Die Soldaten spazierten in Zivilkleidung durch Istanbul. Einem der Amerikaner wurde ein Sack über den Kopf gezogen. Die Angreifer skandierten „Yankee Go Home!“.

Einer der TGB-Mitglieder stellte einen US-Soldaten vor dem Angriff zur Rede. Die Hürriyet zitiert das Mitglied:

„Entschuldigen Sie. Sie sagen, dass sie ein Mitglied der US-Armee sind. Wir definieren Sie als Mörder und als Killer. Wir wollen, dass Sie unser Land verlassen. Wir machen von unserem Demonstrationsrecht Gebrauch.“

Die betroffenen US-Soldaten sind auf dem US-Zerstörer USS ROSS (DDG71) stationiert, der am Bosporus angelegt hatte. Zuvor hatte der Zerstörer an einem Nato-Manöver im Schwarzen Meer teilgenommen.

Das US-Konsulat reagierte unverzüglich auf den Vorfall. In einer Twitter-Mitteilung meldet sie, dass „die überwiegende Mehrheit der Türken“ das US-Konsulat in der Ablehnung derartiger Aktionen unterstütze. Die Aktion sei eine Respektlosigkeit gegenüber der Gastfreundschaft der Türkei.

Der regionale TGB-Chef Uğur Aytaç sagte der Presse, dass sie eine Revanche für die „Sackaffäre“ nehmen wollten, die sich am 4. Juli 2003 im Irak ereignet hatte, berichtet BBC. Damals hatten US-Soldaten ein Außenbüro des türkischen Militärs überfallen und die Soldaten mit Säcken über den Köpfen abgeführt. Gemeinsam mit den Türken wurde auch der britische Staatsbürger Michael Todd abgeführt.

Den Soldaten wurde Spionage gegen US-Interessen im Irak vorgeworfen. Den Überfall soll der damalige US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz in Auftrag gegeben haben. Der Brite Michael Todd schrieb später ein Buch mit dem Titel „The Hood Event“, in dem er das Ereignis schildert.

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