Virgin Galactic-Crash kann sie nicht aufhalten: Acht Türken starten 2015 eine Reise ins Weltall

Für eine kleine Gruppe von acht Türken soll bereits 2015 der Traum vom Trip ins Weltall Wirklichkeit werden. Rund 100.000 US-Dollar soll das Abenteuer kosten. Die kürzliche Katastrophe um das SpaceShipTwo von Virgin Galactic scheint sie nicht zu verunsichern.

Ende des Jahres 2015 soll es nach Angaben des durchführenden Unternehmens soweit sein: Dann geht es für acht Türken hinauf ins Weltall. Während ihres Fluges sollen sie ganze sieben Minute Schwerelosigkeit erleben können. Ein teures Vergnügen, das neben ihnen rund 1000 Menschen weltweit erleben möchten.

Das ist die interessanteste Sache, die ich je in meinem Leben erleben werde“, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den 42-jährigen Ercan Kaygisiz. Schon Anfang kommenden Jahres wird es ernst: Die Testflüge werden zu Beginn des nächsten Jahres durchgeführt werden und die Ausflüge starten voraussichtlich Ende 2015“, so Ceylan Pirinccioglu, der türkische Vertreter der in Kalifornien ansässigen XCOR Aerospace.

Kaygisiz könnte als ein eher ungewöhnlicher Teilnehmer eines solchen Vorhabens gelten. Während das Thema Weltraum in den vergangenen Jahren zusehends populärer wurde, kam dem Fahrer aus Izmir diese Faszination zunächst nicht unter. Er sei kein Mensch, der viel reist. Die Türkische Republik Nordzypern sei bislang seine einzige Auslandserfahrung. Erst als er durch den Kauf eines Heizgerätes an einem Gewinnspiel teilnahm, wurde die Sache für ihn interessant. Er gewann den Trip ins All und musste, anders als seine Mitreisenden, für diese Erfahrung nicht insgesamt 221.629 Türkische Lira auf den Tisch legen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne, sagt Kaygisiz. Nun habe er diese Chance, wolle sie genießen und natürlich auch Geschichte schreiben. Kaygisiz hat zwei Söhne, einer ist 15 Jahre alt und der andere 20. „Sie sind aufgeregter als ich es bin“, gibt er zu. Für seine Reise außerhalb der Erdatmosphäre hat der Familienvater jedoch interessante Pläne. Als Türke wolle er eine türkische Fahne, einen Koran und einen Gebetsteppich mitnehmen. Wenn sich eine Gelegenheit finde, wolle er dort beten, um Gott zu danken.

Überschattet wird das Vorhaben allerdings von einem Unglück, das sich am 31. Oktober dieses Jahres zugetragen hat. Das SpaceShipTwo von Virgin Galactic stürzte in der kalifornischen Wüste ab. Nur einer der beiden Insassen überlebte. Die Katastrophe ereignete sich bei einem Testflug und wurde als Schlag für die touristische Raumfahrt gesehen.

Entsprechend versucht nun auch XCOR Aerospace Ängste zu zerstreuen. „Wir tun alles, um jegliche Gefahr zu vermeiden“, heißt es von Unternehmensseite. Aus dem jüngsten Absturz würde man definitiv einige Lehren ziehen. Überzeugen konnte das nicht alle zukünftigen Teilnehmer. Einige machten nach den Ereignissen in der Wüste einen Rückzieher. Für Kaygisiz kommt das offenbar nicht infrage. „Ich bin ein mutiger Mensch“, sagt er. Schon jetzt sei das Leben voller Risiken. Man wisse nicht, was einem in fünf Minuten widerfahre. Aus diesem Grund habe er auch jetzt keine Angst.

Ahu Aysal Kerimoglu teilt die Einschätzung ihres Landsmannes. Die Reise ins Weltall ist für die einstige Schönheitskönigin die Erfüllung eines echten Kindheitstraumes. Schon als kleines Mädchen habe sie sich gefragt, wie sie dort hingelangen könnte, so die 57-Jährige. Da es nun erschwinglich wäre, sehe sie keinen Grund, den Trip nicht zu machen. Als 30-Jährige hätte sie die Reise nicht gemacht, gesteht sie. Sie hätte Verantwortung für ihre Kinder gehabt. Doch nun seien ihre Töchter erwachsen.

Los gehen soll es für die unerschrockenen Weltraumtouristen von einem speziellen Weltraumbahnhof auf Curacao in der Karibik. Neben dem Piloten reist immer nur eine weitere Person gen Weltall. Insgesamt soll der Flug rund eine Stunde dauern. Vier Minuten nach dem Start sollen bereits Geschwindigkeiten von 3564 km/h erreicht werden.

XCOR Aerospace wurde 1999 gegründet. Der US-amerikanische, private Raketenantriebs- und Raumfahrzeugentwickler hat seinen Sitz auf dem Mojave Spaceport in Mojave. Bereits im Oktober wurde die Lynx-Premiere für 2015 angekündigt, so Raumfahrt.net. Ob die aktuellen Pläne nun aber tatsächlich so umgesetzt werden, steht in den Sternen. Bereits für das Jahr 2010 waren einmal erste Testflüge angekündigt worden.

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