Deutsch oder deutsch? CSU blamiert sich bei Leitantragsentwurf zum Deutschzwang

Deutsche Sprache, schwere Sprache: Das hat die von der CSU ausgelöste Debatte über die Deutsch-Pflicht für Zuwanderer wieder gezeigt. Denn wie schreibt man eigentlich «Deutsch» - groß oder klein? Die CSU bevorzugt die Kleinschreibung.

In ihrem Leitantragsentwurf steht: «Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen.» Treffender wäre es wohl, «Deutsch» in diesem Fall großzuschreiben, meint die Sprachwissenschaftlerin Sabine Krome. Denn die Kleinschreibung antworte auf die Frage: Wie spricht man? («Er spricht nicht undeutlich, sondern deutsch.») Die Großschreibung antworte dagegen auf die Frage: Was spricht man? («Er spricht nicht Türkisch, sondern Deutsch.») Also: Wer das Deutsche hochhalten will, sollte es nicht kleinschreiben.

Mit ihrer Deutsch-Vorgabe für Ausländer hatte sich die CSU Hohn und Häme eingehandelt. Der ursprüngliche Satz wird von CSU-Kritikern als ausländerfeindliches Fischen am rechten Rand gewertet. Das Paradox: Die CSU wollte und will auf dem bevorstehenden Parteitag nach eigenem Bekunden ausdrücklich ausländerfreundliche Botschaften senden. So soll in Nürnberg die Gründung eines Arbeitskreises Migration beschlossen werden, um die CSU für Einwanderer attraktiver zu machen. In dem Leitantrag finden sich auch Formulierungen, die früher in der CSU undenkbar gewesen wären: «Wer unsere Werte schätzt und mit uns leben will, ist ein Gewinn für Bayern und eine Bereicherung für unser Land», heißt es dort.

Schon im Europawahlkampf versuchte die CSU vergeblich, gleichzeitig europafreundlich und europaskeptisch aufzutreten, um die AfD auf der rechten Seite zu neutralisieren. Mit dem Leitantrag zur Einwanderung wollten Scheuer und seine Mitarbeiter wohl einen ähnlichen Spagat vollbringen: ein Bekenntnis zur Integration – verbunden mit einer harten Ansage an Einwanderer.

Noch zu Zeiten von Edmund Stoiber gelang es der CSU regelmäßig, widersprüchliche Positionen zu vereinen. Nachdenkliche CSU-Spitzenpolitiker merken schon seit Jahren an, dass es für die CSU in einer zunehmend pluralen Gesellschaft immer schwieriger wird, alle Flügel abzudecken. «Auch eine tolle Partei wie die CSU kann nicht nur nobelpreiswürdige Formulierungen produzieren», scherzt ein langgedienter Fahrensmann.

Mehr hier:

CSU rudert zurück: Doch keine Deutsch-Vorgabe fürs heimische Wohnzimmer
«#YallaCSU»: Das steckt hinter den Sprachvorgaben für Zuwanderer
Jugendwort „Babo“ ist keine Integration: Deutsch und Türkisch werden verwässert

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.