Erdoğan will Schulunterricht in Osmanisch und sunnitischer Religion

Der türkische Präsident Erdoğan treibt sein Ansinnen, die türkische Kultur nachhaltig in der Bevölkerung zu verankern, offenbar weiter voran. Nun soll die Vorgängersprache des modernen Türkisch, das Osmanische, Einzug in die Schulen halten. Ebenfalls geplant ist sunnitischer Islamunterricht - bereits ab der ersten Klasse.

Geht es nach dem türkischen Präsident Erdoğan, sollen sich die Türken künftig stärker auf alte Werte und Größen besinnen. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch das Erlernen des osmanischen Türkisch wie es zur Zeit des Osmanischen Reiches gesprochen und mit arabischen Zeichen geschrieben wurde.

Umsetzen will der Präsident das neue Pflichtfach zunächst an den Imam-Hatip-Schulen des Landes. Das untermauerte Erdoğan zu Wochenbeginn noch einmal beim staatlichen Amt für Religionsangelegenheiten (Diyanet) in Ankara an, so Haberler. Wohlwissend, dass sein Ansinnen nicht bei allen auf Zustimmung stößt. Heftige Debatten um das in der vergangenen Woche bekannt gewordene Vorhaben gibt es bereits. Konservative stehen in dieser Angelegenheit hinter Erdoğan. Gegner stören sich daran, dass Osmanisch Pflichtfach werden soll. Sie verweisen auf drängendere Probleme der türkischen Schüler, etwa mit dem Englischen (mehr hier).

Einführen will Erdoğan auch den sunnitischen Islamunterricht ab der ersten Klasse. Statt einer Stunde pro Woche dürfen türkische Schüler dann zwei Stunden pro Woche pauken. So zumindest plant es der Nationale Bildungsrat. Ein Vorhaben, das nicht einmal von Bildungsminister Nabi Avci unterstützt wird. Er sieht keinen Sinn in einem verpflichtenden Religionsunterricht ab dem ersten Schuljahr. Dass der Präsident eine religiöse Jugend heranziehen will, ist jedoch nicht neu. Bereits vor Jahren fiel er durch derartige Äußerungen auf. In der Polit-Talkshow „Tarafsız Bölge“ (so viel wie „Unparteiischer Raum“) hatte sich der damalige Ministerpräsident Erdoğan im Jahr 2012 zur Zukunft der türkischen Jugend geäußert. Und das in einer Weise, die nun für viel Diskussionsstoff sorgt. „Wir möchten eine religiöse Jugend heranziehen“, hatte er gesagt und provokativ gefragt: „Oder wollt ihr, dass die Jugendlichen zu Lösungsmittel-Schnüfflern werden?“ (mehr hier).

Erst vor einigen Tagen waren die türkischen Schüler bei Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Ungnade gefallen. Der Grund: Sie kennen ausländische Persönlichkeiten wie Albert Einstein, aber keine muslimischen oder gar türkischen Gelehrten. Richten soll das ein überarbeiteter Lehrplan. Das Ziel: Selbstbewusste junge Leute, die um ihr kulturelles und wissenschaftliches Erbe wüssten (mehr hier).

Erdoğan hat die Bildungseinrichtungen des Landes vor kurzem angewiesen, die Beiträge des Islams zur globalen Wissenschaft und Kunst stärker hervorzuheben. Dazu gehöre seiner Meinung nach auch die kürzlich von ihm wieder aufs Tableau gebrachte Theorie der Entdeckung Amerikas durch Muslime 300 Jahre vor Kolumbus. „Meiner Ansicht nach tragen unser Bildungsministerium und der YÖK eine wichtige Verantwortung. Eine objektive Geschichtsschreibung wird den Beitrag des Ostens, des Nahen Ostens und des Islam zu Wissenschaft und Kunst aufzeigen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan. „Als Präsident meines Landes kann ich nicht akzeptieren, dass unsere Zivilisation anderen Zivilisationen unterlegen ist“, so der Politiker im Rahmen der Eröffnung einer Religionsschule in Ankara. (mehr hier).

Nur wenige Tage nach den vieldiskutierten Kolumbus-Äußerungen des türkischen Präsidenten zur Entdeckung Amerikas, sorgte der türkische Wissenschaftsminister für Gesprächsstoff. Ihm zufolge seien muslimische Wissenschaftler vor rund 1200 Jahren die ersten gewesen, die die Erde als Kugel identifizierten (mehr hier).

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