Platz 51 von 58: Türkei bekommt CO2-Emissionen nicht in den Griff

Die Türkei gehört erneut zu den Schlusslichtern im Umgang mit steigenden CO2-Emissionen. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Ankara tut aber offenbar nichts, um diesen Umstand zu ändern. Eine gezielte Strategie scheint es jedenfalls nicht zu geben.

In einer gemeinsamen Studie von Germanwatch und Climate Action Network, die während der UN-Klimakonferenz in Lima vorgestellt wurde, trat die nach wie vor schlechte Position der Türkei zutage. Der Bericht nennt die 58 höchsten Emittern weltweit, die zusammen fast 90 Prozent aller Treibhausgase produzieren. Die Türkei landet hier fast auf dem letzten Platz.

Das Ranking erfolgte aufgrund der ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Der Bericht stellte fest, dass die Türkei in Bezug auf Energieeffizienz und Klimapolitik besonders schwach agiere.

„Den nationalen Klimaexperten der Türkei zufolge hat das Land keine ausdrückliche nationale strategische Planungspolitik hinsichtlich des Klimawandels“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus dem Bericht. Im Gegenteil habe die türkische Regierung den Bau neuer Kohlekraftwerke im ganzen Land favorisiert. Häufig sei das mit eiligen Bewertungsverfahren in Bezug auf die Umweltauswirkungen der Projekte geschehen. „Die Ölindustrie wächst rasant und zumindest im Energiesektor werden die meisten der bestehenden Richtlinien nicht umgesetzt.“

Auf den Positionen eins bis drei gibt der Bericht keine Staaten an. Der Hintergrund: Nach Ansicht der Verfasser engagiere sich keines der Länder wirklich genug in der Bekämpfung des Klimawandels. Auf Platz vier findet sich Dänemark. Unter den Top-Performern gelistet sind auch Zypern und Marokko. Die Türkei findet sich in der Liste höher als andere große Verschmutzer wie Russland, Kanada und Australien, und steigerte sich trotz seiner bescheidenen Position sogar um zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr.

Der Grund, warum sich die Türkei um zwei Positionen verbesserte, liegt in der Förderung erneuerbarer Energien nach 2012. Nach 2012 wurden keine neuen Kohlekraftwerke mehr eröffnet und es wurden mehr Anlagen mit Erneuerbaren Energien in die Stromnetze integriert, so Önder Algedik von der türkischen Niederlassung der350 Group, die von Umweltaktivist und Autor Bill McKibben gegründet wurde. Algedik warnte allerdings, dass diese Situation nur vorübergehend und nicht das Ergebnis einer geplanten Strategie sei. „Die Türkei wird im kommenden Jahr erneut einige Ränge einbüßen, sobald die im vergangenen Jahr und 2014 gebauten Kraftwerke ans Netz gehen.

Die Treibhausgas-Emissionen der Türkei waren einem Bericht der Bahçeşehir Universität aus dem Jahr 2011 zufolge bereits 2009 ganze 98 Prozent höher als noch 1990. Der Bericht, der am Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (BETAM) unter der Leitung von Barış Gençer Baykan erstellt wurde, unterzog die Türkei einem weltweiten Ländervergleich. Demnach ist das Emissions-Volumen in entwickelten Ländern seit 1990 direkt proportional zu deren Bevölkerungswachstum und Energiebedarf angestiegen. Dem Bericht zu Folge kann die große Kluft zwischen denjenigen Ländern mit einer niedrigen Austoß-Rate und solchen, mit exorbitant hohen Belastungen allein durch das Vorhandensein – oder eben nicht – von entsprechenden verpflichtenden Vereinbarungen erklärt werden.

Das gilt auch für die Türkei. Obwohl das Land das aktuelle Kyoto Protokoll unterschrieben hat, wurde ihr nicht vorgeschrieben, deutliche Kürzungen vorzunehmen. Nach wie vor zeigt sich die Türkei unwillig, etwas an seiner Klimapolitik zu ändern. Diese Weigerung, so der Bericht, gehe auf ökonomische Bedenken zurück. „Die Reduzierung der Treibhausgase wird sich auch auf die Wirtschaft des Landes auswirken”, heißt es darin. „Führende Persönlichkeiten gehen davon aus, dass ein solcher Schritt die Wettbewerbsfähigkeit einschränken wird.” (mehr hier).

Baykan fand heraus, dass die Gründe für den Emissions-Anstieg der letzten 20 Jahre vor allem im Energiesektor zu finden sind. 75 Prozent der Emissionen fallen hier an. Die Türkei, so mahnt der Bericht bereits vor drei Jahren an, müsse sich dringend dem Thema stellen. “Die Regierung muss den Klimawandel ernst nehmen.” Das Land sollte sich mit den langfristigen Folgen für die Türkei und die gesamte Region befassen und sich darüber hinaus auf die Entwicklung der so genannten “green economy” konzentrieren. Auch die Forschung auf dem Feld der Erneuerbaren Energien müsse vorangetrieben werden. Die von der türkischen Regierung forcierte Kernkraft wird nicht als adäquate Lösung betrachtet.
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